Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Feuerwehr: Wind als zusätzliche Herausforderung bei Pferderettung

Einsatz auf dem Ludwigshof: Ganz geheuer ist den Pferden die Übung an einem stürmischen Tag nicht.
Einsatz auf dem Ludwigshof: Ganz geheuer ist den Pferden die Übung an einem stürmischen Tag nicht.

Eine besondere Übung der Feuerwehr platzt am Montag in eine Phase, in der die Folgen von Sturmböen die Wehrleute beschäftigen. Das ist kein Hinderungsgrund für die Ehrenamtlichen, aber ein zusätzlicher „Gegner“. Speyerer und Otterstadter Wehrleute sowie die Schnelleinsatzgruppe (SEG) Sanität rücken aus. Sie treffen sich auf dem Ludwigshof.

Der Montag ist traditionell der Übungsabend der Kameraden. Heute geht es zum Reitclub Speyer (RCS), ein Objekt, das schon lange nicht mehr auf der Übungsagenda der Feuerwehr stand. „Bestimmt 15 Jahre nicht“, sagt Markus Detzner. Der stellvertretende Brand- und Katastrophenschutzinspekteur der Stadt Speyer hat das Szenario geplant. Im Fokus: die Pferde.

„Uns geht es vor allem darum, den Umgang mit großen Tieren zu üben“, erklärt Detzner. Einen entsprechenden Lehrgang dafür gebe es nämlich nicht. Gute Tipps kann Jasmin Klemke, Sportwartin des RCS, nicht wirklich geben. „Die Pferde müssen in erster Linie davon überzeugt werden, dass es besser ist, den Stall zu verlassen, weil es außerhalb sicherer ist“, erklärt sie der RHEINPFALZ. Prinzipiell sei der Stall nämlich die Schutzzone der Pferde. Die merken an diesem Tag, dass etwas nicht stimmt. So viel Auftrieb an einem normalen Abend sind sie nicht gewohnt. Zu den Reitern, die in die Übung involviert sind, haben sich Kinder mit ihren Eltern gesellt. Sie wollen das Geschehen aus sicherer Entfernung beobachten.

Aufgeregte Tiere

Drei Pferde gehen unruhig zwischen ihrer Box und dem dazugehörigen Freibereich hin und her. Ihre Besitzerinnen reden beruhigend auf sie ein, tätscheln den Hals. Im Inneren der alten Bonnet-Stallungen warten die Ponys Camiro und Filou, je 15 Jahre alt, sowie das Oldenburger Springpferd Roxy (14) und der Zweibrücker Smarty (12) auf ihren Einsatz. Sie sollen von der Wehr aus der verrauchten Räumlichkeit geführt werden.

Sechs Verletzte: Szenario mit mehreren Herausforderungen.
Sechs Verletzte: Szenario mit mehreren Herausforderungen.

„Wir haben die Braven ausgesucht“, wirft Klemke ein. Ein wenig nervös ist auch sie. Die Sportwartin weiß, wie sensibel die Pferde auf Ungewohntes reagieren. Besonders kontraproduktiv: die stürmischen Böen, die ausgerechnet an diesem Tag übers Gelände fegen. „Wind erzeugt in den Ohren der Pferde ein ausgesprochen starkes schwirrendes Geräusch und verstärkt sämtliche ankommende Geräusche“, heißt es dazu in einem Reiterforum.

Wasserfontäne überrascht

Ein schwarzer Einhufer bockt, als ein Feuerwehrfahrzeug vorfährt und Einsatzkräfte unter Atemschutz vorbeirennen. Detzner hat pünktlich um 19.30 Uhr den Notruf abgesetzt. Zehn Minuten später werden auf dem Ludwigshof Schläuche ausgerollt. Ein Schlauch ist defekt; eine Wasserfontäne trifft Pferd und Reiterin – leicht, aber spürbar, vor allem angesichts des Temperatursturzes durch einsetzenden Regen. Zusätzlich zum Sturm macht das die Übung nicht leichter.

Stall verraucht: Übungseinsatz.
Stall verraucht: Übungseinsatz.

Die Wehrleute beißen sich durch, entdecken die Ursache der Rauchentwicklung, retten sechs angeblich Verletzte mit Unterstützung der SEG und schaffen es, die vier Pferde-Hauptdarsteller mit Hilfe der Besitzerinnen aus dem Stall zu führen. „Das ist eine Pilotübung, die den Zugang zu Großtieren erleichtern soll“, kommentiert Detzner. Deshalb darf jeder Übende mal ran an die Zügel. Einen zweiten Durchgang gibt es bei der „Rettung“ aus dem Stall. Verbesserungsmöglichkeiten werden im Nachgang besprochen. Jasmin Klemke sagt bereits am Montagabend: „Für uns ist es wichtig, dass die Feuerwehr weiß, wie der Umgang mit den Pferden ist.“

Vor Ort zurechtfinden: Pferdebesitzerinnen helfen.
Vor Ort zurechtfinden: Pferdebesitzerinnen helfen.
Schläuche ausgerollt: Einsatz auf dem Ludwigshof.
Schläuche ausgerollt: Einsatz auf dem Ludwigshof.
Beistand: Während des Einsatzes sind Verletzte zu betreuen.
Beistand: Während des Einsatzes sind Verletzte zu betreuen.
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