Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Erfahrener Rheinschiffer: „Treibholz ist keine Seltenheit“

Die Mütze hält er in Ehren: der ehemalige Rheinkapitän Günter Kuhn.
Die Mütze hält er in Ehren: der ehemalige Rheinkapitän Günter Kuhn.

Vom Rhein fernhalten – das ist die sicherste Sache an Hochwasser-Tagen wie diesen. Für Günter Kuhn war das nicht immer möglich. Der 81-jährige Speyerer war 46 Jahre als Schiffsführer in Diensten des Wasser- und Schifffahrtsamtes tätig. Er erklärt im Interview mit Patrick Seiler, wie man den Strom zu nehmen hat.

Herr Kuhn, wie geht ein Schiffsführer mit Rheinhochwasser um?
Da gibt es klare Regeln. Wenn die Hochwassermarke 1 erreicht ist, muss er das Schiff im mittleren Drittel halten und eine Geschwindigkeitsbegrenzung beachten, damit die Wellen und der Sog im Rahmen bleiben. Bei Marke 3, in Speyer aktuell 7,30 Meter, ist die Schifffahrt ohnehin eingestellt.

Und wie geht er mit der freien Zeit um, wenn er nicht fahren darf?
Er ist ja für das Schiff zuständig, da gibt es immer etwas zu tun. Ich war auch Geräteführer beim Wasser- und Schifffahrtsamt und habe an den Schiffen gearbeitet, wenn sie geankert haben. Ich habe eigentlich alles gefahren, was es im Amt an Schiffen gab. Zuletzt war ich für den Hebebock drüben im Sauloch auf der badischen Seite zuständig. Bei den kommerziellen Rheinschiffern ist es meistens so, dass sie Urlaub machen oder Überstunden abfeiern, wenn ihr Schiff bei Hochwasser im Schutzhafen liegt.

Kann ein Rheinhochwasser die Betroffenen noch überraschen?
Nein, das ist ja heute alles computerüberwacht. Da weiß jeder alles. Es passiert ja in Speyer auch nicht mehr, dass der Hasenpfuhl überschwemmt wird und die alte Kläranlage absäuft. Das war früher noch so, als bei Hochwasser der Speyerbach nicht abfließen konnte und sich in die Altstadt zurückgestaut hat. Heute kann der Speyerbach abgesperrt und Wasser, das zu viel ist, rausgepumpt werden.

Die große Überschwemmung im Hasenpfuhl 1955 müssten Sie als junger Mann miterlebt haben, oder?
Ich habe damals in Speyer in der Hauptstraße gewohnt. Aber ausgerechnet in der Zeit war ich in der Schule in Duisburg, wo ich mein Kapitänspatent erworben habe, um auf dem ganzen Strom fahren zu dürfen.

Wie gefährlich ist der Rhein?
Was heißt gefährlich? Er kann auch gefährlich sein, wenn er kein Hochwasser hat, weil man sich dann auf Sandbänken festfahren kann. Schiffer können bei Bedarf auch auf die Hilfe von Lotsen zurückgreifen. Vor allem im Dunkeln würde es bei Hochwasser gefährlich, wenn man Treibholz nicht sieht. Das kann in die Schiffsschraube geraten oder bei einem Motorboot sogar für einen Überschlag sorgen. Treibholz zum Beispiel aus den Rheinauen ist keine Seltenheit.

Und da kommt dann doch wieder das Wasser- und Schifffahrtsamt ins Spiel, das für die Sicherheit in der Fahrrinne zuständig ist?
Genau. Wenn Gefahr im Verzug ist, gilt die Sperrung der Fahrrinne für die Behörde nicht. Dann fährt sie im Notfall raus, um etwa das Treibholz zu bergen. Ich habe auch Brücken- oder Schleusenteile, abgesoffene Schiffe und Boote oder Container geborgen. Wir konnten bis zu 100 Tonnen heben. Bei Hochwassereinsätzen gilt: Wir sind eingeübt und abgesichert.

Zur Person

Günter Kuhn, 81-jähriger Speyerer, war 46 Jahre lang als Schiffs- und Geräteführer für die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung in Speyer tätig. 2000 ging er in den Ruhestand. Mehr als zwei Jahrzehnte lang hat er außerdem den Schiffbauer-, Schiffer- und Fischerverein Speyer geleitet.

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