Speyer Der Fall Schierstein

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Vor gut einem Jahr wurde der Neubau der Brücke in der Oberen Langgasse beschlossen. Nun ist er nach der vergangenen Bauausschusssitzung vom Tisch (wir berichteten). Speyer will keine Schiersteiner Brücke. Das Projekt ist zu teuer und dauert zu lange. Jetzt wird repariert. Es hatte alles so gut angefangen: Am 10. Dezember 2014 wurden dem Ausschuss die Varianten Neubau und Instandsetzung der Brücke über die Bahngleise vorgestellt. Damals hatte die Stadtverwaltung viele Vorteile im Neubau gesehen, beispielsweise hätten große Lkw wieder darüber rollen können. An den Baukosten sollte sich die Deutsche Bahn beteiligen, eine Zuwendung beim Land sollte beantragt werden. Weil mögliche Zuwendungen Ende 2019 ausgelaufen wären, sollte 2018 mit dem Bau begonnen werden. Es folgten Gespräche zwischen Verwaltung und Bahn sowie dem Landesbetrieb Mobilität (LBM). Je weiter die Planung gedieh, desto deutlicher wurde, dass die Annahmen teilweise nicht haltbar waren. Das Baugrundgutachten ergab, dass die Gründung des neuen Bauwerks mit deutlich höherem Aufwand als erwartet verbunden gewesen wären. Auch der Plan, einzelne Brückenteile per Mobilkran auszuheben, funktioniert nicht. Der Überbau, die Stützen und Fundamente müssten konventionell abgebrochen werden. Man hätte die Gleise unter der Brücke circa eine Woche sperren müssen. Geschätzte Baukosten: rund 1,75 Millionen Euro. 2014 lagen die reinen Baukosten bei rund 1,5 Millionen Euro. Dazu kommen noch einige Posten, die noch nicht kalkulierbar sind. Lange Rede, kurzer Sinn: Instandsetzung ist billiger. Denn wie sagte Fjodor Michailowitsch Dostojewskij einst: „Irrtümer sind die Stationen auf dem Weg zur Wahrheit.“ Die Kosten sind nicht das Einzige. Hinzu kommt die Bürokratie. Die Bahn hätte sich an der Finanzierung beteiligt, wenn eine Kreuzungsvereinbarung erarbeitet worden wäre. Die kostet viel Geld und Zeit. Vor Ende 2016 wäre nicht mit einem Ergebnis zu rechnen. Mit dem LBM wiederum kann die Stadt erst reden, wenn sie mit der Bahn fertig ist. Davon hängt nämlich ab, wie hoch die zu beantragenden Zuschüsse sein müssen. Geplanter Bewilligungsbescheid: 2017. Zeit für Ausschreibung und Vergabe von Ausführungs- und Tragwerksplanung: mindestens zwölf Monate. Die Instandsetzung geht schneller, kostet 736.000 Euro. Eine Kreuzungsvereinbarung ist nicht nötig. Ein Verfahren um das Baurecht zu erhalten, fällt weg. 2016 könnte der Zuwendungsantrag an den LBM gestellt werden. Baubeginn wäre 2018. Auf die Frage eines Ausschussmitglieds, ob ein Neubau nicht nachhaltiger sei, weil die Instandsetzung nur 20 Jahre halte, antwortete OB Hansjörg Eger: „Zumindest können wir bis dahin beruhigt schlafen. Wir wollen keine Schiersteiner Brücke.“

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