Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Das Frauenquartett „Die Rheintöchter“ konzertiert in Westheim und Speyer

Am Rhein: die „Rheintöchter“ mit Robert Sattelberger.
Am Rhein: die »Rheintöchter« mit Robert Sattelberger. Foto: Brigitte Feldmann

„Wir zünden 1000 Lichter an“ heißt das Adventsprogramm mit dem Ensemble „Die Rheintöchter“, das am Samstag, 7. Dezember in der Protestantischen Kirche Westheim, und Sonntag, 8. Dezember, in der Dreifaltigkeitskirche Speyer zu erleben ist.

„Die Rheintöchter“ – zumindest bei Opernfreunden, selbst wenn keine ausgewiesener Wagner-Fans, würden da mutmaßlich Woglinde, Wellgunde und Floßhilde ins Gedächtnis schwimmen. Die vier Damen, die unter dem assoziationsreichen Titel antreten, sind aber nicht mythologisch, sondern diesseitig. Und obendrein eher dem gepflegten Ensemble-Genre zuzurechnen. Am zweiten Adventswochenende darf man sich bei Konzerten in Westheim und Speyer davon überzeugen.Der Rhein – natürlich, das ist ein starkes Motiv zur Verortung der vier Protagonistinnen, die allesamt stark verwurzelt sind in der Region um Speyer. Die „Töchter“ im Titel deuten schlicht das Besondere dieses Ensembles aus: als Frauen-Quartett genießt man heutzutage schon einen gewissen Status von Exklusivität, die Zeiten, in denen Komponisten explizit für diese Besetzung komponiert haben, gehören einer fernen romantischen Epoche an. Schumann etwa oder Brahms schrieben für diese Besetzung.

Aber die Ausbeute aus dem Fundus ist reichhaltig und lohnend. Und das 2017 gegründete Quartett kann zudem die jeweils professionellen Profile seiner Mitglieder zu einer Art Kult-Ensemble bündeln. Mit reicher Spannweite in Richtung Zukunft.

Stimmliche Erdung

Da ist zunächst Simone Pepping, die Altistin, Impulsgeberin zur Gründung des Quartetts. Sie hat an der Essener Folkwang-Hochschule Gesang studiert und unterrichtet neben ihren solistischen Auftritten seit vielen Jahren Gesang. Obendrein leitet sie sehr erfolgreich die Kinderchöre an der Gedächtniskirche. Sie also liefert im Ensemble die „stimmliche Erdung“.

Christiane Schmidt, ebenfalls studierte Sängerin im Fach Oper – sie studierte unter anderem bei Philippe Huttenlocher und Siegmund Nimsgern – fungiert als Pendent für die luftigen Höhenregister. Auch sie unterrichtet – sehr erfolgreich, was die „Jugend musiziert“-Trophäen ihrer Eleven zeigen – und leitet zudem eine ganze Reihe von Kinder- und Erwachsenenchören. Und pflegt im Übrigen nachhaltig ihr Image als Solistin.

Im Mittelfeld

Im „Mittelfeld“ empfiehlt sich zum einen Susanne Roth-Schmidt, die zweite Sopranistin, die vor ihrer Tätigkeit als Oboen-Lehrerin und Kinderchorleiterin in Landau an der Mannheimer Musikhochschule und unter anderem bei Nelly Palmer Gesang studiert hatte.

Nikola Rümenapf schließlich, die Mezzo-Sopranistin, ausgebildete Theaterwissenschaftlerin und Sprecherzieherin, kann gleichfalls mit einem fundierten Gesangsstudium und reichlich Erfahrung im Lied- und Oratorien-Fach punkten. Und sie ist eine vielgefragte Rezitatorin und damit auch hinsichtlich sprachlicher Gestaltung im Ensemble eine Instanz.

Agieren auf Augenhöhe

„Wir haben keine Leiterin“, klärt Christiane Schmidt gleich zu Beginn unseres Gesprächs auf. „Es ist ein Agieren auf Augenhöhe; Fragen der Gestaltung ergeben sich während der sehr intensiven Probenarbeit und werden auch teils kontrovers diskutiert, ausgetestet.“ Ein spannender Prozess, wie alle bestätigen, und letztlich profitieren jede Einzelne davon, findet im Austausch auch Anregungen für den individuellen Alltag.

Ensemblesingen – darin sind sich alle einig – schärft die eigene Wahrnehmung, dringt auf Disziplin und Feinabstimmung. „Das ist ein fast kartharsischer Prozess, der am Ende zu einer für alle gültigen Lösung kommen muss; die dann – in dieser Form – beste Voraussetzungen bietet, ihr Publikum zu erreichen; es nachhaltig anzurühren.“

Geistliche und weltliche Stücke

Sowohl geistliche also auch weltliche Programme haben die Vier mittlerweile erarbeitet. Originalliteratur steht dabei im Vordergrund, aber gerne greift man auch mal zur Bearbeitung wie beim aktuellen Weihnachtsprogramm. Da bilden die sechs Weihnachtschoräle von Engelbert Humperdinck in der Bearbeitung des begnadeten Arrangeurs Andreas Tarksmann einen inhaltlichen Schwerpunkt. Sätze des wenig bekannten Spätromantikers Anton Urspruch, Charles Gounods „Noel“ und „Die Flucht nach Ägypten“ von Max Bruch, moderne Arrangements von Max Welcker und Peter Warlock lassen auf eine aparte Auswahl am Rande des Gängigen schließen. Aber natürlich: Auch die vertrauten Adventslieder, teils in eigene Sätze gekleidet, werden nicht fehlen.

Apropos fehlen: Man würde ihn wohl vermissen, wäre er nicht von Beginn an als unverzichtbares Akkompagnement mit im Rheintöchter-Boot: Robert Sattelberger, „Hahn in Korb“, wie er ganz ungefragt und selbstironisch das landläufige Klischee bedient. Von Beginn an hat er die vier Damen als Pianist begleitet, mischt sich auch durchaus gleichberechtigt in ihren interpretatorischen Diskurs ein. Auch wenn er den allseits obwaltenden Kirchenmusikdirektor für diesmal fein unter Verschluss hält.

„Aber wir schätzen und integrieren sein Urteil“, bekennen die vier Protagonistinnen unumwunden. Sie proben sehr regelmäßig, einmal pro Woche, und spannen ihre Flügel auch zukünftig weit in die Region aus. Wer sie als Veranstalter bucht, darf seinem Publikum gewiss einen nicht alltäglichen Genuss versprechen. In Westheim und Speyer ist beste Gelegenheit, das schon mal auszutesten.

Konzerte

„Wir zünden 1000 Lichter an“ – Adventprogramm mit dem Ensemble „Die Rheintöchter“, Samstag, 7. Dezember, Prot. Kirche Westheim, und Sonntag, 8. Dezember, Dreifaltigkeitskirche Speyer, jeweils 18 Uhr; Eintritt frei, bei Bitte um Spende: www.die-rheintoechter.de

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