Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Ärztlicher Bereitschaftsdienst: Öffnungszeiten zu knapp?

Im Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus eingemietet: Bereitschaftsdienstzentrale der Kassenärztlichen Vereinigung.
Im Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus eingemietet: Bereitschaftsdienstzentrale der Kassenärztlichen Vereinigung.

Im Ärztlichen Bereitschaftsdienst in Speyer könnten Engpässe drohen. Dem Koordinator der Speyerer Bereitschaftspraxis im Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus ist einerseits vor der Situation vor den anstehenden Feiertagen bange, zum anderen vor der Strukturreform, die nächstes Jahr greift.

Er erwarte eine „Durststrecke“ zwischen den Feiertagen, was die ärztliche Versorgung angeht, sagt Dr. Volker Pietsch, Hausarzt mit Praxis in Römerberg. Er ist als Koordinator unter anderem für die Speyerer Bereitschaftsdienstzentrale (BDZ) zuständig. Sie soll den Zeitraum abdecken, in dem die Arztpraxen geschlossen sind. Er wisse schon jetzt, dass viele Praxen in Speyer und Umgebung zwischen Weihnachten und Neujahr nicht öffnen werden. Angesichts vieler absehbarer Krankheitsfälle werde die BDZ „hoffnungslos unterbesetzt sein“, erwartet er.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) als landesweiter BDZ-Betreiber betont in einer Mitteilung, dass sie deren Öffnungszeiten in Rheinland-Pfalz zwischen den Jahren verlängere und die Besetzung mit Ärzten und Medizinischen Fachangestellten verstärke. Sie rät, jeweils zuerst bei der Telefonnummer 116117 anzurufen. Dieser Patientenservice sei rund um die Uhr erreichbar – am besten vor 8 Uhr und nach 14 Uhr. Es könne dennoch am Telefon wie in den Praxen gerade in der letzten Dezemberwoche zu längeren Wartezeiten kommen – wie auch an Weihnachten 2022 und Ostern 2023.

Ersteinschätzung am Telefon

Am Telefon würden von qualifiziertem Personal Ersteinschätzungen der Beschwerden vorgenommen, so die KV. Danach werde entschieden, ob ein BDZ-Besuch, ein Hausbesuch eines Arztes oder der Besuch einer Notaufnahme nötig sei. Mediziner Pietsch ist von dieser Lösung nicht restlos überzeugt: Aus seiner Sicht kommen für die Ersteinschätzung auch Laien zum Einsatz. „Ich bin skeptisch, ob sie im Zweifelsfall den Ernst der Lage erkennen können.“ Er fürchtet auch, dass sich aufgrund der BDZ-Engpässe Patienten in Kliniken begeben könnten, die dort nicht hingehören.

Am 21. Dezember sei die BDZ Speyer von 19 bis 23 Uhr geöffnet, tags darauf von 16 bis 23 Uhr, ab 23. Dezember täglich von 9 bis 23 Uhr, außer am 27., 28. und 29. Dezember jeweils nur bis 19 Uhr. Aus seiner Sicht fehlen nächtliche Besetzungen, so Pietsch. Die Öffnungszeiten in den nächsten Tagen seien aber noch besser als die, die ab 2024 gelten. Dann greift eine Reform der Kassenärztlichen Vereinigung, nach der die BDZ Speyer nicht mehr täglich bis 23 Uhr, sondern nur noch mittwochs, freitags sowie an Wochenenden und Feiertagen – und nie länger als bis 22 Uhr – geöffnet ist.

Koordinator erwartet Problem

Auch Speyers Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) hat die Veränderung kritisiert, die von der KV damit erklärt wird, dass ihr künftig aus arbeitsrechtlichen Gründen weniger „Poolärzte“ für die BDZ zur Verfügung stehen. „Ich erwarte auf alle Fälle ein Problem“, so Koordinator Pietsch zur Verknappung der Öffnungszeiten. Er weiß jedoch um den Hintergrund, denn auch die Dienste in Speyer seien nicht allein durch niedergelassene Ärzte abzudecken. Diese meldeten sich wegen der hohen beruflichen Belastung nur begrenzt freiwillig. Die Einteilung werde von der KV vorgenommen, so Pietsch, der sich nach eigener Aussage wünschen würde, mit seinen „produktiven Vorschlägen“ dort mehr Beachtung zu finden.

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