Homburg RHEINPFALZ Plus Artikel Michelin: Im Stadtrat regt sich Widerstand

Von den 1400 Jobs im Homburger Michelin-Werk werden mehr als die Hälfte abgebaut. Der Stadtrat plant deshalb eine Resolution.
Von den 1400 Jobs im Homburger Michelin-Werk werden mehr als die Hälfte abgebaut. Der Stadtrat plant deshalb eine Resolution.

Der Reifenhersteller Michelin möchte am Homburger Werk 843 Jobs streichen. Der Stadtrat fordert die Regierung auf, die Mitarbeiter zu unterstützen.

Ende Oktober gab es erste Vermutungen, dass der Reifenhersteller Michelin auch in Homburg Stellen streichen könnte. Ende November wurde daraus dann Gewissheit: 843 Jobs sollen im Homburger Werk abgebaut werden. Der Homburger Stadtrat möchte das nicht so stehenlassen – und will sich des Themas in seiner nächsten Sitzung diesen Donnerstag annehmen.

Weit mehr als die Hälfte der rund 1400 Beschäftigten im Homburger Michelin-Werk müssen bald gehen: Das hatte das Unternehmen Ende November bei einer Betriebsversammlung mitgeteilt. Der Grund für den Stellenabbau: Michelin möchte die Produktion von Lastwagen-Reifen und Halbfabrikaten bis Ende 2025 schrittweise einstellen. Dort arbeiten aktuell 843 Menschen, die spätestens in zwei Jahren mit dem Ende ihrer Produktionslinie ihren Job verlieren werden. Michelin will die Runderneuerung von Lkw-Reifen erhalten; dort arbeiten momentan rund 480 Menschen.

Stadtrat: Konzern soll „alle Möglichkeiten ausschöpfen“

Die SPD-Fraktion im Homburger Stadtrat möchte in der nächsten Ratssitzung eine Resolution einbringen. Der Rat ruft den Konzern dazu auf, „alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um die aktuell bedrohten Arbeitsplätze in Homburg zu erhalten“, heißt es in der Sitzungsvorlage. Wenn die Arbeitsplätze abgebaut werden, solle das „im Rahmen eines umfangreichen Sozialplans erfolgen“. Dieser solle „die gesamte Palette an begleitenden Maßnahmen enthalten, damit der Abbau sozialverträglich erfolgen kann“. Der Stadtrat fordert zudem, Michelin solle den Mitarbeitern Angebote zum Wechsel an andere Standorte machen. Dort, wo es möglich ist, sollte der Konzern Vorruhestands- und Altersteilzeitregelungen treffen und Abfindungen zahlen.

Der Stadtrat fordert darüber hinaus die Regierung des Saarlandes auf, in Sachen Stellenabbau unterstützend tätig zu werden. Wenn die Teil-Werkschließung realisiert werde, gehören für den Rat dazu Maßnahmen wie der Ankauf des Werkgeländes, die anschließende Weiterentwicklung des Standorts, und die Vermarktung der Fläche an potenzielle Investoren.

„Ein schwerer Schlag“

Homburg ist der zweitgrößte Wirtschaftsstandort im Saarland. Entsprechend groß sei die Bestürzung beim Rat und bei der Stadtverwaltung gewesen, als Michelin die Hiobsbotschaft bekanntgegeben hatte. „Für die Belegschaft, die gesamte Stadt und darüber hinaus für die gesamte Region“ sei die Mitteilung des Jobabbaus „ein schwerer Schlag“, heißt es in der Resolution.

Der Reifenhersteller ist seit über 50 Jahren in des Saarlands drittgrößter Stadt ansässig. Der Konzern hatte den Schritt, unter anderem die Produktion von Lkw-Reifen einzustellen, mit den gestiegenen Strompreisen begründet. Der Stadtrat hält dagegen: „In Bezug auf die in Deutschland höheren Strompreise zeichnen sich auf Bundesebene zudem Lösungen ab, die zu einer deutlichen Kostenreduktion für das verarbeitende Gewerbe im Industriesektor führen werden“, schreibt die SPD-Fraktion. Auch Homburgs Bürgermeister Forster (CDU) hatte zuvor betont, er stehe hinter den Mitarbeitern und wollte ihnen helfen. Er war vor einigen Wochen auch in Gespräche mit dem Werkleiter gegangen.

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