Homburg
Homburg: Alt-OB Schöners teure Musikanlage hat einen neuen Besitzer

Vor allem geht es um ein digitales Mischgerät. Das ist ein Pult zum Abmischen einer Liveband, die etwa mit elektrischen Gitarren und anderen Instrumenten ihre Verstärker beschallt. Hinzu kommen unter anderem zehn Mikrofone nebst Ständern, vier Lautsprecherboxen und Kabelmaterial. Mit dieser Anlage für knapp 12 500 Euro, die Schöner kurz vor seiner Pensionierung im Namen der Stadt angeschafft hatte, konnten weder die Homburger Musikschule noch die städtischen Veranstaltungshallen wie Saalbau oder Musikpark so recht etwas anfangen.
„Aus diesem Grund haben wir die Anlage jetzt an einen privaten Käufer veräußert“, sagte der Homburger Rathaussprecher Jürgen Kruthoff am 18. März 2020 auf Anfrage. „Nachdem sich das Bühnen-Equipment ja bekanntlich über längere Zeit außerhalb des Rathauses befunden hatte, hatten wir es zwischenzeitlich zurückbekommen.“ Daraufhin habe die Stadtverwaltung die Musikanlage in einer öffentlichen Online-Auktion zum Kauf anbieten lassen – in einer Versteigerung, die Kommunalverwaltungen unter anderem zum Abstoßen ausrangierter Dienstfahrzeuge oder anderer städtischer Gerätschaften nutzen. Den genauen Verkaufserlös möchte Kruthoff nicht nennen. „Der von uns eingestellte Anfangsbetrag wurde in der Auktion leicht überschritten“, deutet der Rathaussprecher an, dass der Verkauf der inzwischen auch schon wieder sechs Jahre alten Bühnentechnik immerhin noch einige Tausend Euro in die Stadtkasse geschleust habe. Jürgen Kruthoff: „Der private Kunde hat die Anlage bezahlt und abgeholt.“
Ausrüstung landet im Bandkeller
Zum 1. Oktober 2014 ist Karlheinz Schöner aus seinem Amt als Oberbürgermeister geschieden. Nur zwei Tage zuvor waren im Homburger Rathaus drei Rechnungen von einem St. Wendeler Musik-Zubehörhändler eingegangen. Die Einzelposten über 2699 Euro, 5057,87 Euro und 4709 Euro ergaben in der Summe den Betrag von 12 465,87 Euro: Genau so viel kostete jene Musikanlage, die Schöner kurz vor seiner Pensionierung noch im Namen der Stadt Homburg angeschafft hatte. Anfang 2019 wurde dem Alt-OB in seinem Untreueprozess in Saarbrücken vorgehalten, dass der Gesamtbetrag zu hoch gewesen wäre, als dass ihn der OB eigenhändig, also ohne Zustimmung vom Stadtrat, zur Zahlung hätte veranlassen können. Die Rechnung in unverdächtig anmutende, niedrigere Teilbeträge aufgesplittet, habe Schöner die Anlage „im Alleingang“ bestellt, sagte der Richter Bernd Weidig damals. Im Urteil wird Schöner vorgehalten, er habe die Sound-Ausrüstung zu sich selbst beziehungsweise in den Probekeller seiner Oldie-Rockband Madhouse schaffen lassen, in der der Kommunalpolitiker seinerzeit Schlagzeug spielte.
„Musikalische Früherziehung“
Am Ende verblieb die Anlage ganze 703 Tage lang im Madhouse-Bandkeller, ohne dass die Homburger Stadtverwaltung über den Verbleib der teuren Bühnentechnik informiert wurde – trotz mehrfacher Nachfragen von Schöners Amtsnachfolger Rüdiger Schneidewind (SPD). Dass die Anlage aus Spendengeldern bezahlt wurde, die Schöner anlässlich seines 60. Geburtstags mit dem angeblichen Zweck „Musikalische Früherziehung in Kindergärten und Schulen“ bei Bürgern eingesammelt hatte, wertete das Gericht als pflichtwidrigen Einsatz von Mitteln – sprich Untreue.
Neben weiteren Vorwürfen hat Karlheinz Schöner am vorletzten Tag seines Prozesses auch den Themenkomplex um die Musikanlage vor Gericht gestanden.