Ottweiler Alte Broschüre lädt zum Blättern durch den saarländischen Alltag der 1920-er Jahre ein
Wenn nicht gerade Corona ist, besuchen alljährlich 5000 Schüler das Saarländische Schulmuseum in Ottweiler. Auf drei Etagen finden sich Schiefertafeln, Lederranzen, Schreibwerkzeug und andere Gegenstände aus dem Schulalltag früherer Zeiten. Sogar zwei komplett ausgestattete Klassenzimmer aus den 1920er Jahren gibt es hier zu sehen.
Für Zuwachs beim Fundus sorgt jetzt die Ottweiler Familie Harth: Sie schenkte dem Museum ihr Exemplar einer Broschüre aus den „Goldenen Zwanzigern“ mit dem Titel „Der kleine Schriftverkehr“. Das 124-seitige Büchlein wartet mit zahlreichen zeitgenössischen Musterbeispielen für den Schriftverkehr zu diversen Anlässen auf. In den 1920-er und 30-er Jahren war das Heft im Saarland in Gebrauch. Gedruckt und verlegt wurde es von der Saarbrücker Gebrüder Hofer AG. Ein „Rektor Hahn“ wird als Verfasser des Büchleins genannt, in dem man einige Seiten bewusst leer gelassen hatte: „Sie dienten zur Übung“, sagt Ralf Hoffmann, Sprecher der Ottweiler Stadtverwaltung. „Wie im vorliegenden Exemplar zu sehen ist, wurden diese Leerseiten genutzt oder auch herausgetrennt.“
Gesuch des Knaben – „hochachtend“
Bei der Lektüre der Musterschreiben zeigt sich, wie die Zeiten sich geändert haben. Der schnelle überörtliche Austausch von Mitteilungen funktionierte per Telegramm – wie im Musterbüchlein als Beispiel aufgeführt: „Anschluß an Schnellzug verfehlt! Komme Zug später, 9.30 Max“ oder auch „Heil den Neuvermählten! Ida und Werner.“
Bewarb sich ein junger Mann um einen Ausbildungsplatz, so richtete der „Knabe“ laut „Kleinem Schriftverkehr“ ein „Gesuch um die Lehrstelle“ an den Lehrherrn – verbunden mit der Hoffnung, dass diesem Gesuch entsprochen werden könne.
Auch direkte Bezüge zum Schulalltag der 1920-er Jahre Zeit sind dokumentiert: In einem Schreiben an Hauptlehrer Arthur Herdegen berichtete ein Familienvater von der Krankheit seiner Ehefrau. Im Brief bat er um Befreiung der ältesten Tochter vom Schulunterricht, damit diese die jüngeren Geschwister betreuen konnte.
An anderer Stelle wird beim Musterschreiben für eine Entschuldigung bei Krankheit des Schulkindes betont, das der Gruß am Schluss des Briefes mit „Hochachtend“ erfolgen sollte.
Info
- Das Schulmuseum in Ottweiler, Goethestraße 13, öffnet aktuell im Monat jeden Dienstag von 13 bis 17 Uhr und jeden ersten Sonntag von 11 bis 13 Uhr.
- Besuch derzeit nur auf Anmeldung unter E-Mail schulmuseum@handshake.de für Einzelgäste, Paare, Familien und Kleingruppen bis sechs Personen. Gruppenführungen werden noch nicht angeboten.
- Im Museum gelten Maskenpflicht und die üblichen Corona-Hygieneregeln.