Schifferstadt
Leute im Landkreis: Gabrielle Steinbach verabschiedet sich vom Gymnasium
Die Augen funkeln. Den Mund umspielt ein Lächeln. „Weimar – dort kann man die Klassik verstehen!“ Goethe. Schiller. Gabrielle Steinbachs Blick schweift kurz ab. Als Germanistin liegen ihr die Großen der deutschen Literatur am Herzen. Eine Leidenschaft, die sie auch ihren Schülern vermitteln will. Bei einer Exkursion nach Weimar etwa. Diese ist nur ein Punkt auf der langen Liste, die die Schulleiterin des Paul-von-Denis-Gymnasiums aufzählt: Chinaaustausch seit 2005, fortschreitende Digitalisierung, breiter aufgestellte Berufsorientierung, Auszeichnungen als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ und Europaschule. Es sind Schlaglichter der vergangenen 16 Jahre, die sie wirft. Alles auflisten? Nein, das wäre wahrlich zu viel.
Deutlich wird: Es ist viel passiert. Schifferstadts Gymnasium ist eine Schule, die es sich zu besuchen lohnt. Weltoffen, tolerant, fortschrittlich. Eine Schule, die bildet, selbstständiges Arbeiten lehrt und aufs Erwachsenenleben vorbereitet. Gabrielle Steinbach ist diese Kombination wichtig. „Schule gelingt nur, wenn die Menschen mitmachen und das umgesetzt werden kann, was sie begeistert. Das ist ein Credo von mir.“ Das Team sei da vorbildlich – Lehrer, Mitarbeiter, Eltern und Schüler.
Eine Aufgabe, die trägt
Im August 2004 hat Steinbach die Stelle der Schulleiterin angetreten. Zuvor war sie zehn Jahre lang Fachleiterin am Studienseminar in Speyer, hat dort Deutschlehrer für das Lehramt an Gymnasien ausgebildet. „Unterricht zu entwickeln und zu beurteilen war eine spannende Sache.“ Mit der Leitungsstelle in Schifferstadt ging es „zurück zu den Wurzeln“, zurück in die Praxis. „Es war eine neue Herausforderung“, sagt die Schwegenheimerin, „eine Aufgabe, die mich bis zum Ende trägt – und das hat sie auch getan.“
Im Laufe der Jahre habe sich nicht nur die Schule, sondern auch ihr Job geändert. „Schule ist immer mehr zum Dienstleister geworden, die Leitung zum Management mit vielen Teilbereichen, die man unter einen Hut bringen muss“, sagt Steinbach. „Der Schulleiter ist heute ein Allrounder.“ Die Zusammenarbeit mit Schülern, Kollegen, Eltern, dem Träger und der Stadt sei allzeit spannend und herausfordernd gewesen. „Wenn man die Fäden zusammenbringen will, ist es auch ein ständiger Spagat.“ Den hat sie nach eigener Einschätzung gut gemeistert. Kompromiss- und Gesprächsbereitschaft sei da ein hohes und unerlässliches Gut. Schließlich gehe es um das Wohl der Schule und der Schüler. Nicht um eigene Interessen.
„Ohr am Puls der Zeit“
Trotz der vielfältigen Aufgaben war die Pädagogin immer gerne an der Basis. Das Unterrichten in ihren Fächern Deutsch und Englisch lag ihr immer am Herzen. „Ich habe wie jeder andere Lehrer gearbeitet. So kannte ich die Nöte meiner Kollegen. Und hatte mein Ohr am Puls der Zeit. Das hat mir immer sehr viel bedeutet.“ In den vergangenen Jahren kam – initiiert durch eine Coaching-Ausbildung – das Fach Ethik hinzu. „Es hat mir sehr viel Freude bereitet.“
Als leidenschaftliche, authentische und sehr gut ausgebildete Pädagogin beschreibt sich Steinbach. Disziplinprobleme kenne sie von ihren Schülern nicht. „Ich habe nie einen Tadel selbst geschrieben“, sagt sie. Vielmehr sei es ihr wichtig gewesen, den Kindern und Jugendlichen zu vermitteln, dass sie für sich arbeiten und nicht für die Schule. „Ich baue auf Gespräche und Einsicht.“ Auch in der Arbeit als Schulleiterin. Die Ausbildung zum Coach habe geholfen, Konfliktmanagement effektiv zu betreiben, Gesprächsstrategien zu entwickeln und umzusetzen. „Ich bin gut gerüstet, um zielführend arbeiten zu können“, betont Steinbach. Und um immer die richtigen Worte zu finden.
Nachfolgerin wird Monika Kleinschnitger
Doch nun heißt es Abschied nehmen. Zum 31. Juli geht Steinbach in Pension. Ihre Nachfolge wird Monika Kleinschnitger übernehmen. Langweilig, da ist Steinbach sich sicher, wird es der neuen Schulleiterin nicht. Einige Baustellen hat sie ihr gelassen. Die weiter voranschreitende Digitalisierung, die baulichen Dauerbrenner und den Aufbau eines Schüleraustauschs mit Spanien etwa. „Den hätte ich gerne selbst auf die Beine gestellt. Aber dann kam Corona.“ Eine fordernde Zeit. Die aber das Wesentliche im Lehrerberuf wieder in den Fokus gestellt habe: den Menschen, ohne den die Arbeit nicht möglich ist.
Sie übergibt eine gute Schule, eine Schule mit Zukunft, davon ist Steinbach überzeugt und betont wieder: „Das war keine Einzel-, sondern eine Teamleistung.“ Stellvertreter und Kollegen habe sie stets in die Prozesse mit eingebunden. Dinge alleine durchzudrücken, sei nicht zielführend. Steinbach erinnert sich gerne an ihre 16 Jahre in Schifferstadt. An die vielen Glücksmomente, die großen und die kleinen. Die erste Reise nach China, die Konzerte, Theaterstücke und Ausstellungen – das reiche Schulleben. „Die Gemeinschaft trägt. Das ist das Schöne an meiner Schule. Sie ist wie eine große Familie.“
Trauer in Worte fassen
Der hat sie vor den Sommerferien Adieu gesagt. Nun steht ein neuer Abschnitt an. Doch nur Zeit mit der Familie, den Tieren und joggen – das ist Gabrielle Steinbach zu wenig. „Ich bin nicht der Typ für ewige Ferien. Es ist mir wichtig, etwas zu haben, wofür es sich lohnt aufzustehen.“ Die Schwegenheimerin hat sich zur Trauerbegleiterin und -rednerin ausbilden lassen. „Ich bin ein sehr empathischer Mensch, ich kann mich in Menschen reindenken“, sagt sie über sich. Die Arbeit für Trauernde ist für sie „sinnstiftend. Ich kann Menschen beistehen, ihnen in ihrer Trauer Halt geben – und ihre Trauer verworten“, sagt sie. „Die Aufgabe erfüllt mich mit Freude und gibt meinem Leben eine Tiefe, die über das Normale hinausgeht.“
Dass sie den Hinterbliebenen mit den Reden etwas Glück in einer schweren Zeit schenken kann und dem Verstorbenen mit Worten ein „Erinnerungsdenkmal“ setzen darf, sei eine große Ehre. Jetzt, mit ihrer Pensionierung, gehe die erfüllende neue Aufgabe richtig los. Zuvor habe sie nur die Weichen gestellt, sich ausprobiert. „Die Priorität war immer hier in Schifferstadt“, betont Steinbach. Nun darf sie sie verlagern – hin zu ihrem neuen „Beruf, weil es von Berufung kommt“. Sie ist froh und dankbar, dass die Aufgabe, so sagt sie, sie gefunden hat. „Es ist das, was zu mir passt und was ich bin. Da hoffe ich, noch viele Jahre wirken zu können“, sagt Steinbach lächelnd. Und da ist es wieder, dieses Funkeln in den Augen.