Rhein-Pfalz Kreis Kein Zuschuss für freien Eckbach

Nun läuft es auf eine Reparatur des Sandsteingewölbes in der Kändelgasse hinaus. Dafür kann es eine Landesförderung von 50 Proze
Nun läuft es auf eine Reparatur des Sandsteingewölbes in der Kändelgasse hinaus. Dafür kann es eine Landesförderung von 50 Prozent geben, wenn die Gemeinde die Bachsohle hier ökologisch aufwertet.

Die Offenlegung des Eckbachs in der Großkarlbacher Kändelgasse ist vom Tisch. Das rheinland-pfälzische Umweltministerium hat es abgelehnt, den 2015 in Aussicht gestellten Zuschuss von 1,2 Millionen Euro zu gewähren. Aus eigener Kraft könnte die Ortsgemeinde das mehr als zwei Millionen Euro teure Projekt aber nicht stemmen, und es würde sich im Gemeinderat wohl auch keine Mehrheit dafür finden.

Anfang Juli hatten Vertreter der Orts- und der Verbandsgemeinde noch einmal das Gespräch in der Landeshauptstadt Mainz gesucht. Es sollte geklärt werden, ob sich das Land auch dann an einer Renaturierung des Eckbachs beteiligt, wenn der damals angegebene Kostenrahmen weit überschritten wird. Denn wie mehrfach berichtet, wurde im Frühjahr 2016 offenbar, dass sich die Ingenieure verrechnet hatten und ein Abriss des maroden Sandsteingewölbes samt Umgestaltung des Bachabschnitts in der Kändelgasse nicht 1,6 Millionen Euro, sondern rund 500.000 Euro mehr kosten würde. Dazu habe das Ministerium Nein gesagt, informiert Erwin Fuchs, Bauamtsleiter der Verbandsgemeinde Leiningerland, auf RHEINPFALZ-Anfrage. „Kosten von mehr als zwei Millionen Euro für nur 70 Meter Bach sind zu viel“, gibt Fuchs die Bedenken in Mainz wieder. Zudem sei inzwischen so viel Zeit vergangen, dass aufgrund der allgemeinen Preissteigerungen im Baugewerbe mit noch höheren Kosten zu rechnen sei. Mindestens so schwer wiegt nach Einschätzung von Erwin Fuchs der Protest der Anwohner gegen eine Freilegung des Gewässers. Denn dann gingen Parkplätze verloren, und die Grundstückszufahrten auf einer Straßenseite müssten über Brücken gewährleistet werden (wir berichteten im August 2016). Der anfangs in Aussicht gestellte 1,2-Millionen-Zuschuss galt als großzügig und wurde in Mainz mit der Verbesserung der Gewässerqualität begründet. Damals waren sich die Politiker aber auch noch einig und hatten die Meinungen der Anlieger noch nicht eingeholt. Bei massiven Bürgerprotesten und Streit in den politischen Gremien sinkt in Mainz in der Regel die Bereitschaft, Steuergeld für Großprojekte locker zu machen, erst recht bei der Aktion Blau Plus. Sie dient der Wiederherstellung von naturnahen Gewässerzuständen und soll die Menschen vor Ort in das jeweilige Projekt einbinden. Damit fällt die Ortsgemeinde Großkarlbach wieder auf den Vorschlag zurück, den die FWG-Fraktion zuletzt gemacht hat: das seit Mitte 2014 gesperrte Bachgewölbe doch lieber reparieren und stehen zu lassen. Die Kosten dafür hat das Mannheimer Büro SCO Ende 2017 auf 1,08 Millionen Euro geschätzt. Da war aber eine etwaige finanzielle Unterstützung des Landes offen. Deshalb stimmte die Ratsmehrheit von SPD und CDU dafür, die Entscheidung so lange zu vertagen, bis die Zuschussfragen geklärt seien. Die Hoffnung war, dass bei einer üppigen Förderung der Renaturierung der Eigenanteil für die Gemeinde geringer sein könnte als bei einer Sanierung. Nach Angaben von Bauamtsleiter Fuchs wäre die Landesregierung im Moment gewillt, die Sanierung mit bis zu 50 Prozent oder maximal 600.000 Euro zu bezuschussen. Unter einer Bedingung: Die Bachsohle muss ökologisch aufgewertet werden, zum Beispiel mittels Benthos-Pass. Darunter versteht man eine Aufstiegshilfe für bodennahe Fische und die Tierchen, von denen sich Fische ernähren (Makrozoobenthos). So ein Pass wird unter Brückendurchlässen mit Gitterrosten hergestellt, die das Sohlsubstrat des Gewässers , die Sedimente, aufnehmen und selbst bei stärkerer Strömung halten. Die Verwaltung will für den 10. September eine Sitzung anberaumen, in der der Gemeinderat entscheiden soll, ob das Eckbachgewölbe nach den Plänen von SCO repariert werden soll. Wenn ja, müsste das Büro seine Kostenberechnung auf das Jahr 2019 hin fortschreiben und dabei die Mittel für die ökologische Aufwertung mitbedenken. Erwin Fuchs: „Dann sollte im Januar der bisherige Förderantrag beim Land aktualisiert werden, damit das Projekt im nächsten Jahr umgesetzt werden kann.“

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