Dudenhofen
Angebote für Mütter: Mamas beraten Mamas
Es gibt vieles, was Frauen, die gerade Mutter geworden sind, belastet: Körperliche Beschwerden nach der Geburt wie Beckenbodenschwäche sind das eine. Die Sorge, im Umgang mit dem Neugeborenen alles richtig zu machen, ist das andere. Und dann gibt es noch das Gefühl, nur noch Zaungast des Lebens zu sein, dafür aber täglich zweieinhalb Vollzeitjobs bewältigen zu müssen.
„Sie werden abgetan mit Schmerztabletten, besseren Einlagen und dem Satz: Das ist halt so!“, sagt Sport- und Physiotherapeutin Elena Körner über Frauen, die nach der Geburt Probleme mit dem Beckenboden haben. „Das ist traurig. Der Körper schafft das Wunder der Geburt und dann werden die Frauen allein gelassen“, findet sie. Dabei helfe es sehr, mit der Wahrnehmung für den Körper zu arbeiten – und mit Beckenbodentraining. „Ich schaffe Bewusstsein für den Körper und den neuen beckenbodenfreundlichen Alltag mit Kind, damit die Frauen mit sich in Verbindung kommen. Das ist mein Herzensthema“, beschreibt Körner ihre Aufgabe. Der Beckenboden müsse bis ans Lebensende stabilisiert werden, um Blasenschwäche vorzubeugen.
Stress abbauen, Netzwerk knüpfen
Im Bauch sammeln sich auch psychische Probleme. Wenn der Stress zunimmt, gilt es, den Beckenboden und die Körpermitte anzusteuern. „Das ist ein ganzheitliches Thema“, erklärt Körner. Die Dudenhofenerin sagt, sie wolle die bestmögliche Vor- und Nachbereitung bezüglich Schwangerschaft, Geburt und die Zeit danach für die Frauen. Und dass sich Mütter nicht schlecht fühlen müssen, weil sie alles „herrlich“ finden sollen, obwohl sie einfach nur fertig und müde sind. Auch weil die Männer nicht ihre 50 Prozent der Care-Arbeit – also der Sorge für das Kind – übernehmen. „,Ich bin alleinerziehend mit Mann’ – das ist die klassische Aussage bei 70 bis 80 Prozent der Mütter“, hat Körner beobachtet, die einen sicheren Raum für die Frauen schaffen will – zum wertschätzenden Austausch und um Netzwerke zu knüpfen.
Das Selbstbewusstsein von Müttern will auch Dinah Jardot, Gründerin der „Krabbelkrebse“, mit vielfältigen Kursen für Eltern mit ihren Kindern stärken. Sie beobachtet, dass Frauen und Männer konservativ erzogen wurden und „im Rollenbild gefangen“ sind. „Da müssen wir uns freischwimmen und mehr Männer reinholen“, findet sie. Jardot beobachtet aber auch, dass Frauen nach spätestens anderthalb Jahren wieder „viel mehr zu ihrem Ich zurückwollen und sich den Alltag so strukturieren, dass ich ich sein darf und Hobbys wieder in den Vordergrund treten“. Auch sie findet es wichtig, mit den Teilnehmenden ehrlich umzugehen, Mythen aus der Welt zu schaffen und sich auszutauschen. Sie gibt auch Input zur Säuglingspflege und hilft insgesamt, einen stressfreieren Alltag mit Kind zu etablieren.
Bindung zum Kind aufbauen
Trageberaterin Christina Gast von „Schlepp mich glücklich“ kennt ebenfalls das Thema Beckenboden und Belastung. Sie berät Eltern individuell zu den richtigen Tragehilfen vom Gestell bis hin zum Tuch oder einer Kombi zwischen Kinderwagen und Tragehilfe. Wie bei den anderen Müttern auch gestaltet sie ihre Jobs flexibel um ihre Kinder herum. Tragehilfen erleichtern ihrer Meinung nach in mehrfacher Hinsicht den Alltag, denn Menschen sind evolutionsbedingt „Traglinge“: Das Tragen beruhigt durch den Körperkontakt das Baby und fördert die sichere Bindung zwischen Eltern und Kind. Bedürfnisse des Babys werden schneller erkannt, das Gewicht des Babys wird besser auf den Körper der Mutter verteilt und schont so den Beckenboden. Weniger Baby-Bauchweh durch die ständige Massage, Tragen als Rückzugsort vor ständiger Überreizung, freie Hände für Alltagstätigkeiten sind weitere Vorteile.
Sonja Gard, Gründerin von „Mauseloch“, erbte mit dem neuen Haus 2015 eine Physiotherapiepraxis – Anlass, sich beruflich neu zu orientieren. Nach einem Fernstudium zur Erziehungsberaterin etablierte sie Gruppen für Eltern mit Babys bis hin zu Vorschulkindern. Momentan liegen ihre Schwerpunkte auf der naturnahen Erziehung, denn sie hat beobachtet, dass Kinder der Natur entfremdet sind, später nicht mehr raus wollen und viel Zeit mit der Konsole verbringen. „Mit Insekten kommen sie nicht zurecht. Da muss man gegensteuern.“ Auch Kreativkurse und „sehr viele Kindergeburtstage“ sind bei ihr beliebt. Für ihre Krabbelgruppe sucht sie noch eine Kursleitung.
Im Netz
www.inbalance-by-elena.dewww.schlepp-mich-gluecklich.dewww.krabbelkrebse.de
www.mauseloch-dudenhofen.jimdo.com