Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Zum 75. des Pirmasenser Trainers Robert Jung: Ein Fußball-Leben voller Höhepunkte

Jürgen Klopp war sein Wunschspieler: 1990 holte Robert Jung den heutigen Cheftrainer von Champions-League-Sieger FC Liverpool na
Jürgen Klopp war sein Wunschspieler: 1990 holte Robert Jung den heutigen Cheftrainer von Champions-League-Sieger FC Liverpool nach Mainz. Der Kontakt blieb auch nach der gemeinsamen Zeit bei den Nullfünfern bestehen; der Pirmasenser war Gast bei »Kloppos« Hochzeit. Foto: privat/frei

Ob Sepp Herberger, Fritz Walter, Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Berti Vogts, Paul Breitner oder Günter Netzer: Der 1944 in Kaiserslautern geborene Wahl-Pirmasenser Robert Jung hat diese großen Persönlichkeiten des deutschen Fußballs alle persönlich kennengelernt – als Spieler oder als Trainer. Heute feiert der Mann, der Jürgen Klopp nach Mainz holte, seinen 75. Geburtstag.

„Ich bin dann mal weg.“ Das ist Robert Jungs Motto an Geburtstagen. Auch an seinem 75. an diesem Donnerstag wird er nicht zu Hause sein. Weg war er oft in seiner Trainer-Karriere, unter anderem in Mainz, Offenbach, Frankfurt, Wiesbaden, Birkenfeld, Salmrohr, Mehring, Worms und Homburg, in der Region coachte er nicht nur den FKP, sondern auch den FK Clausen, den FC Dahn, den SC Hauenstein und den SV Erlenbrunn. „Ich bin achtmal aufgestiegen“, erzählt Jung stolz, Mainz 05, Kickers Offenbach und den FSV Salmrohr führte er von der dritten in die zweite Liga. Bis 2014 – da dirigierte er in seiner letzten Mission den FC Homburg zum Sieg im Saarlandpokalfinale gegen den damaligen Drittligisten SV Elversberg und damit in den DFB-Pokal – war Jung als Trainer tätig.

„Kloppo“ zögert zunächst

Besonders wohl fühlte er sich in Mainz zu einer Zeit, als der FSV noch weit von der Bundesliga entfernt war. Von 1989 bis 1992 trainierte er die Kicker aus der Landeshauptstadt und spielte dabei auch gegen Rot-Weiß Frankfurt, wo ein hoch aufgeschossener Rechtsaußen namens Jürgen Klopp am Ball war. Und Jung forderte: „Den will ich haben.“ Doch Klopp habe zunächst auf eine entsprechende Anfrage zurückhaltend reagiert. „Was wollt ihr denn mit mir? So gut bin ich nicht“, habe der heutige Coach des Premier-League-Tabellenführers FC Liverpool gesagt, dann aber doch zugesagt, da er ein Wunschspieler Jungs - wie auch der Pirmasenser Steffen Herzberger – gewesen war.

Unter Jungs Fittichen entwickelte sich Klopp, meist auf der Sechser- oder Achterposition eingesetzt, prächtig. „Immerhin schoss er im ersten Jahr bereits zehn Tore“, erinnert sich Jung. Und nach dem zweiten Jahr in Mainz lagen Klopp Angebote aus der Bundesliga von Eintracht Frankfurt und vom Hamburger SV vor. „Er war sehr wissbegierig, intelligent, wollte immer gewinnen und setzte seine Aufgaben vorbildlich in die Tat um“, charakterisiert Jung den Spieler Klopp, der ihn später zu seiner Hochzeit einlud.

Unter Fritz Walter trainiert

Klopp blieb in Mainz, wurde schließlich Trainer der Nullfünfer und führte diese sogar in die Bundesliga. „Jung hat mich immer ermuntert, dass ich Trainer werden soll“, sagte Klopp mal in einem Interview. Es war nicht die schlechteste Entscheidung von Klopp, der in Mainz, Dortmund und nun bei Champions-League-Sieger Liverpool zum Kult-Trainer avancierte. Jung: „Und immer, wenn ich später mit einer meiner Mannschaften in Mainz zu Gast gewesen war, hat mich Klopp besucht.“

David Wagner gefördert

Und dann war da noch ein gewisser David Wagner, der als 19-Jähriger von der U23 der Frankfurter Eintracht nach Mainz wechselte. „Er war torgefährlich, aber nicht aggressiv genug“, lautete Jungs erste Einschätzung des heutigen Chefcoachs von Schalke 04, der sich dann zu einem „sehr guten Zehner entwickelt“ habe. Jung: „Er hat sehr gerne trainiert, war immer gut gelaunt und hat enorm viel dazugelernt.“

Der Weltmeisterkapitän von 1954, Fritz Walter, war zu Jungs Zeiten bei der Bundeswehr dessen Trainer bei der Militär-Fußballmannschaft „Rote Jäger“. Walter trainierte auch einst in der Oberliga Südwest (vor Einführung der Bundesliga die höchste Klasse) den VfR Kaiserslautern und damit Jungs Vater, der ebenfalls den Vornamen Robert trug. Jung mit einem Lächeln im Gesicht: „Mein Vater spielte in der obersten Liga in Deutschland, ich schaffte es nur in die zweite Liga.“ Von 1966 bis 1976 war Jung als Spieler für „die Klub“ in der zweiten Liga am Ball, erreichte mehrfach Bundesliga-Aufstiegsspiele, weitere zehn Jahre (in drei Etappen) war er Trainer des FKP.

Gegenspieler von Gerd Müller

Das Fußballerleben des Mathematik- und Sportlehrers Jung, der 34 Jahre lang am Pirmasenser Leibniz-Gymnasium unterrichtete, ist vollgepackt mit Höhepunkten. Seite an Seite mit dem 1974er-Weltmeister Franz Beckenbauer führte Jung „seinen“ FKP ins städtische Stadion an der Zweibrücker Straße, wo die Bayern 1976 im DFB-Pokal zu Gast waren (und mit 2:0 gewannen). Jungs Gegenspieler damals: der „Bomber der Nation“, Gerd Müller.

Wimpeltausch mit Del Bosque

Mit Vicente Del Bosque, dem späteren Trainer der spanischen Nationalmannschaft (Weltmeister 2010), tauschte er 1975 im Ludwigshafener Südweststadion vor dem Freundschaftsspiel des FKP gegen Real Madrid die Wimpel aus.

Mit Interesse verfolgt Jung immer noch den Werdegang seines Heimatvereins. „Die Mannschaft hat Mumm, ist als Mannschaft gut, und der FKP gehört mit seiner Vergangenheit in die Regionalliga“, befindet der Jubilar über das aktuelle Team. Und ein dickes Lob hat er für den Sechser und Vize-Kapitän David Becker parat. „Er ist der Spieler, der vorangeht.“ Der aktuelle Kapitän Marco Steil gehörte zu Jungs FKP-Mannschaft, die 2006 im DFB-Pokal den Sensationssieg gegen den damaligen deutschen Vizemeister Werder Bremen schaffte.

Sohn Denis ist auch Trainer

Robert Jung scheint sein Trainer-Gen an seinen Sohn Denis weitergegeben zu haben, denn dieser coacht derzeit mit großem Erfolg den Bezirksligisten SV Hinterweidenthal. „Ich habe ihn mit Trainingsunterlagen unterstützt und spreche viel mit ihm. Aber ich habe mich nie in seine Tätigkeit eingemischt“, erzählt Jung.

Robert Jung war stets ein Trainer, der das Wort Handlungsschnelligkeit liebte und dessen Umsetzung auf dem Platz forderte. Und just jene Handlungsschnelligkeit sei, so der Fußball-Analytiker, im modernen Fußball wichtiger denn je.

Zu Jungs Geburtstag muss der Aufstieg mit Mainz in die 2. Bundesliga im Jahr 1990 mit 33 Spielen ohne Niederlage erwähnt werden. Jung: „Das ist heute noch Rekord.“

Als Kapitän führte Robert Jung 1975 das FKP-Zweitligateam zum Spiel gegen Borussia Mönchengladbach ins Stadion an der Zweibrücke
Als Kapitän führte Robert Jung 1975 das FKP-Zweitligateam zum Spiel gegen Borussia Mönchengladbach ins Stadion an der Zweibrücker Straße. Auf der linken Bildhälfte die vier Gladbacher Weltmeister von 1974, (von rechts) Berti Vogts, Wolfgang Kleff, Jupp Heynckes und Rainer Bonhof. Foto: Mangold
Vor seinem letzten Heimspiel als FKP-Trainer am 8. November 2006 begrüßt Robert Jung (rechts) den damaligen Coach der TSG Hoffen
Vor seinem letzten Heimspiel als FKP-Trainer am 8. November 2006 begrüßt Robert Jung (rechts) den damaligen Coach der TSG Hoffenheim, Ralf Rangnick (links). Archivfoto: Seebald
Großer Erfolg: 2006 feiert Trainer Robert Jung vor der Haupttribüne im Stadion Husterhöhe die Oberliga-Meisterschaft mit dem FKP
Großer Erfolg: 2006 feiert Trainer Robert Jung vor der Haupttribüne im Stadion Husterhöhe die Oberliga-Meisterschaft mit dem FKP. Foto: Seebald
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