Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Westwallmuseum: Kunstausstellung im Stollen

In den Stollen präsentiert Fotograf Markus Berberich seine Kunstwerke.
In den Stollen präsentiert Fotograf Markus Berberich seine Kunstwerke.

Mit einer Sonderausstellung erinnert das Westwallmuseum an die Präsenz französischer Truppen auf deutschem Boden. Dabei dienen die Fotos nicht nur als Dokumentation, sie sind vor allem eins: Kunst.

Museumsleiter Günther Wagner ist begeistert von der Ausstellung „Was übrig bleibt“. Der aus Konz stammende Markus Berberich hat die Fotos an verschiedenen Orten in Südwestdeutschland geschossen. Viele davon im Großraum Trier, wo einst die größte französische Garnison nach Paris zu finden war, wie Berberich erzählt. „Vieles ist inzwischen komplett verschwunden“, sagt Berberich, der sich lange Zeit ließ, um die früheren französischen Militärliegenschaften nach interessanten Ansichten zu durchkämmen. Oft genug sind die früheren Kasernen und Lagerhallen kurz nach seinem Besuch dann endgültig abgerissen worden.

 Die Jahre der Besatzung liegen lange zurück. Das sind die Überbleibsel.
Die Jahre der Besatzung liegen lange zurück. Das sind die Überbleibsel.

Franzosen dominierten Stadtbild

Die meisten Fotos sind 2020 entstanden. Trier, Wellen, Saarburg und Rheinböllen waren die Orte, die vor 30 Jahren stark durch die französischen Truppen geprägt wurden. Wie bei US-amerikanischen Stützpunkten auch, hatten die Franzosen in vielen Fällen frühere Wehrmachtsanlagen übernommen. Ein Benzindepot beispielsweise war in Stollen eingerichtet worden, die für die Kalkgewinnung dienten und als unterirdische Produktionsorte für die Rüstungsindustrie vorgesehen waren.

„Die Franzosen hatten damals das Stadtbild dominiert“, erinnert sich Berberich an die Zeit in Trier. Dort fand sich auch ein Übungsdorf der französischen Streitkräfte, in dem Häuserkampf trainiert wurde. An manchen Orten waren neben französischen Inschriften auf Schildern und Häuserwänden noch richtige Überbleibsel der Nachbarn zu finden, beispielsweise Kisten, die Berberich in die Ausstellung integriert hat.

Kunst in der Kaserne und neues Konzept

Dem Ausstellungsmacher war nicht nur die reine Dokumentation wichtig. Künstlerische Formen und entsprechende Bildkompositionen finden sich in allen Aufnahmen. So wurde durch einen Bunker nach draußen fotografiert und gleichzeitig ein Stalaktit mit abgelichtet, der von der Decke hängt und sich in den 30 Jahren nach dem Abzug der Franzosen gebildet hat. Die Verfallsformen von lackierten Türen und Wänden hat Berberich auf vielen Fotografien beobachtet. Kreuzformen finden sich auf einigen Aufnahmen. Eine Gruppe Disteln vor einem früheren Wachhaus inspirierte den Fotografen ebenso wie die Fluchten in Kasernenbauten.

Markus Berberich arbeitet beruflich in einem Museum in Konz als Ausstellungsmacher. Im Niedersimter Westwallmuseum ist er seit Jahren als Kurator tätig. In dieser Funktion ist Berberich auch bemüht, das vom Mainzer Umweltministerium geforderte neue Konzept für das Museum umzusetzen. Wie mehrfach berichtet, hatte ein überregionaler Bericht über die vermeintlich einseitige Konzentration des Westwallmuseums auf die Waffentechnik zu Forderungen geführt, dass der historische Hintergrund des Westwalls mehr beleuchtet werden müsse. Das entsprechende Material dazu haben Historiker inzwischen erarbeitet.

Die Aufnahmen der Ausstellung sind in verlassenen französischen Kasernen entstanden.
Die Aufnahmen der Ausstellung sind in verlassenen französischen Kasernen entstanden.

Nachkriegszeit und Nutzung im Fokus

Berberich muss nun zusammen mit dem Verein ausloten, was ohne große Kosten umgesetzt werden kann. Viel Geld hat der durch die enormen Stromkosten zur Entfeuchtung der Stollen schwer gebeutelte Verein nicht, wie Museumsleiter Günther Wagner betont. Zuschüsse für die Umsetzung des Konzepts seien derzeit nur vom Museumsverband Rheinland-Pfalz in Aussicht gestellt worden.

Wagner und Berberich wollen den Eingangsbereich als erstes angehen und hier mehr über die Vorgeschichte des Westwalls erzählen. Außerdem soll die Nachkriegszeit und die Nutzung von Westwallanlagen im Kalten Krieg beleuchtet werden. Dazu könnte auch der nicht ausgebaute Teil des Festungswerks Gerstfeldhöhe, so die Bezeichnung der Stollenanlage im Krieg, wieder für Besucher geöffnet werden. Auf den nackten Felswänden hatten sich im Laufe der Jahre nach dem Krieg viele US-Soldaten mit Graffitis und eingeritzten Botschaften verewigt. Bei einer ersten Öffnung für das Museum dachten allerdings auch viele Besucher, dass sie noch etwas dazu einritzen könnten.

Kettenkrad geht zurück zum Leihgeber

In der Dauerausstellung des Westwallmuseums hat sich nicht viel geändert. Bestimmte Großwaffen wurden in den Stollen umgruppiert. Im Laufe der Saison soll ein Kunststoffpferd zu den Dioramen kommen. Dafür wird jedoch das Kettenkrad wieder zurück zum Leihgeber gehen, der es verkaufen will. Fahrzeuge wie das Kettenkrad hätten in den vergangenen Jahren enorme Wertsteigerungen erfahren, bedauert Wagner. Das Krad könnte heute auf dem Markt durchaus mehr als 100.000 Euro beim Verkauf erzielen.

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