Gelesen RHEINPFALZ Plus Artikel So bauten sie, die alten Rittersleut’

Die Zitadelle Bitsch – im Buch auf einer Doppelseite abgebildet – galt als uneinnehmbar.
Die Zitadelle Bitsch – im Buch auf einer Doppelseite abgebildet – galt als uneinnehmbar.

Wie viele Burgen, Festungsruinen und mittelalterliche Wehranlagen stehen im Saarland, in Lothringen und Luxemburg? Die Antwort: Es gibt viel, viel mehr als man gedacht hätte. Das wahrlich gewichtige Buch „Steinerne Macht“ , das auf eine Saarbrücker Burgenausstellung zurückgeht, gibt erstmals einen Überblick über die zahllosen Trutzbauten in dieser umkämpften Grenzregion. Auch die barocke Pracht der saarpfälzischen Herzöge fehlt nicht.

Schloss Karlsberg und die Festung Hohenburg in Homburg. Die Burgruine Kirkel. Der Wehrturm in der Ottweiler Altstadt. Die Zitadelle in Bitsch. Das alles und noch viel mehr: Die Grenzregion Saarland/Pfalz/Lothringen/Luxemburg ist überreich an Burgen, Schlössern und Festungen. Es ist gar nicht so einfach, sich auch nur annähernd einen Überblick über dieses vielfältige Angebot an historischen Gemäuern zu verschaffen. Oder wer hat schon einmal etwas von den Steinburgen gehört, die die Rittersleut’ im 11. Jahrhundert bei Einöd und Zweibrücken-Niederauerbach errichtet haben?

Wer einen Ausflug im Saarland, in Luxemburg oder Lothringen plant, hat dank der neuen Buchveröffentlichung des Historischen Museums Saar die Möglichkeit, sich vorab ausführlich über die Relikte der Vergangenheit zu informieren, die es am jeweiligen Zielort zu entdecken gibt. Die Betonung liegt auf vorab: Vier Kilo schwer und alles andere als im Taschenbuchformat, eignet sich dieses literarische Schwergewicht kaum zum Mitnehmen auf Wandertour.

Das Buch will daheim gelesen werden, im stillen Kämmerlein. Wer sich darauf einlässt, wird mit einer 680 Seiten starken Wunderwelt voller großformatiger Burgenfotos, Planzeichnungen, Landkarten und mehrseitigen Informationstexten belohnt, die beim Festungsfreund kaum Wünsche offen lassen. Auch wenn manche wissenschaftliche Abhandlung mitunter etwas sperrig formuliert ist.

Über Staatsgrenzen hinweg

Mitherausgeber Simon Matzerath, Direktor des Historischen Museums Saar in Saarbrücken, betont, dass das Buch keineswegs als vollständiges „Inventar der Burgen, Festungen und Schlösser“ in der genannten Region gedacht sei. Vielmehr habe man eine repräsentative Auswahl an besonders bedeutsamen Bauten treffen wollen. Gleichwohl handle es sich hier um den ersten regionalen Versuch, „das Phänomen des Adels- und Befestigungsbaus im Mittelalter und in der frühen Neuzeit grenzüberschreitend darzustellen“. Und zwar für jenen historisch so gebeutelten Grenzraum, der über Jahrhunderte hinweg zwischen den Mächtigen aus Deutschland und Frankreich hin- und hergerissen war und gerade deshalb stets wehrhafte Burgen und Festungen brauchte. Das Buch spannt den Bogen vom frühen Mittelalter – sehr ausgiebig wird etwa die Kirkeler Ritterburg vorgestellt – bis ins 19. Jahrhundert am Beispiel der belagerten Zitadelle Bitsch. Eine Darstellung des Westwalls und der Maginot-Linie aus dem 20. Jahrhundert passt den Autoren thematisch nicht mehr ins Konzept. Dafür richten Matzerath und sein Mit-Herausgeber Guido von Büren den Blick auf ein verdrängtes Bauvorhaben der jüngeren Vergangenheit: In den 1930er-Jahren planten die Nazis den Bau einer NS-Ordensburg als Nachwuchs-Kaderschmiede nahe der Burg Montclair an der Saarschleife.

Natürlich kommen Matzerath, von Büren und die 29 beteiligen Textautoren nicht am barocken Glanz der Herzogs- und Grafenbauten des 18. Jahrhunderts in Zweibrücken, Homburg, Blieskastel und Saarbrücken vorbei. Über zwei farbige Buchseiten hinweg wird da das einstige Schloss Karlsberg abgebildet, acht Seiten würdigen das versunkene Blieskasteler Schloss. Sogar ein großformatiges Foto des Zweibrücker Herzogsplatzes fehlt nicht, obwohl die Pfalz ja eigentlich weder zum Saarland, zu Lothringen noch zu Luxemburg gehört.

Abgerundet wird das Werk durch einen Anhang, in dem in Bildern und kurzen Erklärungstexten sämtliche Exponate vorgestellt werden, die in der Sonderausstellung „Steinerne Macht“ von 2018/19 im Historischen Museum Saar gezeigt wurden. Diese Ausstellung über regionale Burg- und Festungsbauten bildete die Keimzelle der jetzigen Buchveröffentlichung.

440 Bilder auf 680 Seiten

Der großformatige, vier Kilogramm schwere Prachtband ist das, was Bücherfreunde gern als „Ziegelstein“ bezeichnen. Neben seinen gut 440 meist farbigen Abbildungen und den ausführlichen Texten enthält das Werk zu jedem Beitrag jeweils eine englische und eine französische Zusammenfassung. Erschienen ist das Buch innerhalb der drei Reihen „Publikationen des Historischen Museums Saar“, „Forschungen zu Burgen und Schlössern“ und „Schriften des Deutschen Burgenmuseums“.

Lesezeichen

Simon Matzerath und Guido von Büren (Herausgeber): Steinerne Macht. Burgen, Festungen, Schlösser in Lothringen, Luxemburg und im Saarland. Regensburg. 680 Seiten, 447 Abbildungen. Verlag Schnell & Steiner. ISBN 978-3-7954-3387-1 Verkaufspreis 45 Euro.
Das Titelbild des Buchs „Steinerne Macht“ zeigt die Burg Beaufort. Diese stolze Ruine gibt es in Luxemburg zu entdecken.
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Burg Kirkel überragte einen bedeutenden Handelsweg, der seit der Römerzeit von der Mosel bis zum Oberrhein führte.
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