Kaiserslautern Premiere am Pfalztheater: ein etwas anderer „Robin Hood“

Ungewöhnlicher Ansatz: „Robin Hood“ am Pfalztheater mit (von links) Philipp Adam (Archibald), Brigitte Urhausen (Sheriff), sitze
Ungewöhnlicher Ansatz: »Robin Hood« am Pfalztheater mit (von links) Philipp Adam (Archibald), Brigitte Urhausen (Sheriff), sitzend Henning Kohne (John) und Susanne Krassa (Gwendoline) .

Mit der Erwartungshaltung vor allem jüngerer Zuschauer bricht die neueste Produktion des Pfalztheaters: Das Familienstück „Robin Hood – Die Rückkehr“ gestaltet sich doch anders, als sich das einige Zuschauer offensichtlich vorgestellt hatten.

Robin Hood kam zurück – aber so ganz anders, als man es wohl erwartet hatte. Und genau genommen war der legendäre englische Volksheld in Stephan Beers und Georg Burgers neu interpretierendem Familienstück „Robin Hood – Die Rückkehr“, das am Samstagnachmittag seine Pfalztheater-Premiere feierte, auch nicht wirklich wieder da. Aber irgendwie halt doch, nur diesmal als tapfere Frau. Und gelegentlich auch gleich mehrfach. Verwirrend? Nun, eher überraschend...

Überrascht konnte man unter anderem darüber sein, was man aus einem hinlänglich bekannten Stoff noch so alles machen kann – die ursprünglichen Protagonisten zum Beispiel 600 Jahre in deren Zukunft transportieren und sie von dort aus einen kritischen Blick auf unsere eigene Gegenwart werfen lassen. Ein interessantes und, wie sich zeigte, auch durchaus tragfähiges Gedankenspiel. Die Hauptperson ist jetzt eine toughe junge Frau im England des beginnenden Industriezeitalters, und im altbekannten Sherwood Forest ist um 1830 herum wieder so einiges los, wogegen ein neuer Robin Hood kämpfen sollte.

Es geht um die Kohle

Die junge Marian (vital und sympathisch dargestellt von Pfalztheater-Neuzugang Helena Vogel) und ihr Vater John (Henning Kohne, perfekt und nonchalant zugleich) werden vom (weiblichen) Sheriff von Nottingham (herrlich „böse“ gespielt von Brigitte Urhausen) auf Betreiben zweier reicher Früh-Kapitalisten (Susanne Krassa und Philipp Adam überzeugend in ihrer gespielten Arroganz) aus ihrer kärglichen Hütte im Wald verdrängt. Der Grund: Unter der Walderde ist Kohle zu holen – buchstäblich und damit auch im übertragenen Sinne. Klar, dass dagegen aufbegehrt wird: im Namen des Titelhelden mit Pfeil und Bogen, aber auch mit schlauen Plänen und starken Worten. Und irgendwo zwischendrin kommen auch noch Karl Marx und der Teufel höchstpersönlich (Elisabeth Roth in einer kleinen, aber fein ausgespielten Doppelrolle) zu Auftritt und Wort.

„Robin Hood – Die Rückkehr“ ist mehr als das im Programm angekündigte „Familienstück“. Und dadurch auch anders als von manchen wohl erwartet. Nichts da mit Hollywood-Klischees und Disney-Kultur. Stattdessen ist es ein die Zeiten überbrückendes und dabei deren bis in die Neuzeit hineinreichende Themen wie Ungerechtigkeit und Umweltschutz behandelndes, gesellschaftskritisches Theaterstück geworden. Die jüngeren Kinder, die wohl mit anderen Erwartungen, vereinzelt sogar mit „klassischen“ Robin-Hood-Hüten, in die Vorstellung gekommen waren, dürften darüber enttäuscht gewesen sein, zumal sie auch mit Karl Marx’ Sentenzen etwa oder mit Begriffen wie „energetische Unabhängigkeit“ wohl nicht viel anzufangen wussten. Die Älteren im Publikum hingegen konnten sich durchaus erfreuen an den vielen modernen Anspielungen, die bis hin zu Harry Potter-Avancen reichten („Ihr wisst schon, wen“, wenn von Robin Hood die Rede war), konnten zur Kenntnis nehmen, dass ein Sheriff auch eine Frau sein kann und Bühnentexte gegendert werden können („Zeug:innen“).

Bühne und Kostüme punkten

Und man konnte immer wieder staunen: Über die gelungenen, die jeweiligen Atmosphären adäquat wiedergebenden Bühnenbilder von Autor Georg Burger, dazu über die technisch elegante Darstellung etwa buchstäblich „theatralisch“ fallender Bäume, nicht zuletzt über eine ausgeklügelte Beleuchtung (Thomas Schöneberger) und insbesondere die prägnante Sound-Untermalung des Stücks, die zwischen düsteren Tönen und mitreißenden Gesangstiteln – hier ist insbesondere der Schluss-Song zu erwähnen – dem Stück auch einen passenden akustischen Unterbau liefern.

Eine besondere Rolle spielen in „Robin Hood – Die Rückkehr“ die Kostüme Kristina Böchers. Sie erschienen detailreich und ungemein passend zu Historie und Person, machten etwa das Auftreten von Will und Scarlett (auch in ihren etwas zurückgenommenen Rollen ausdrucksstark: Benedict Sieverding und Saba Baghael) zu kleinen Entdeckungsreisen in Sachen Kostüm-Accessoires. Den Höhepunkt, nicht nur schauspielerisch, lieferte hier der die Handlung zusammenhaltende, bunt und „mittelalterlich“ eingekleidete Barde (Philipp Adam in seiner zweiten Rolle), ein ausgesprochener Sympathieträger und ein musikalischer noch dazu.

Ungewöhnlich, zeiten- und themenübergreifend, kritisch, nicht ganz einfach und dennoch unterhaltsam: insgesamt ein gut inszeniertes und gespieltes Theaterstück allenthalben, ein gewisses Alter scheint jedoch Voraussetzung, um die Produktion erfassen zu können.

Termine

1., 12., 15., 17., 18., 19., 20., 25., 27. Dezember, 8., 15. Januar; Infos und Karten unter www.pfalztheater.de und 0631 3675-209.


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