Pirmasens Prediger mit Auswärtsspiel: Was hinter der Aktion „Pfarrer aus dem Hut“ steckt

Pfarrer Wolfdietrich Rasp hat den Kanzeltausch vor dem Aussterben bewahrt. Jetzt freut sich die Aktion "Pfarrer aus dem Hut", di
Pfarrer Wolfdietrich Rasp hat den Kanzeltausch vor dem Aussterben bewahrt. Jetzt freut sich die Aktion »Pfarrer aus dem Hut«, die die Kirchengemeinschaft stärken soll, wieder größter Beliebtheit. Sie soll die Kirchengemeinschaft stärken.

Tauschbörsen sind in Mode und gelten als nachhaltig. Am Wochenende macht sogar die Evangelische Kirche von der Methode Gebrauch, um frischen Wind in ihre Gemeinden zu bringen. „Pfarrer aus dem Hut“ heißt die Aktion.

Von Christiane Magin

Unter dem Motto „16 Namen, 16 Orte“ predigen die teilnehmenden Pfarrer von anderen Kanzeln als gewohnt. „Es ist eine aufregende Gelegenheit, um andere Gemeinden kennenzulernen und sich wieder einmal der Tatsache bewusst zu werden, dass wir Christen zusammen eine große Gemeinschaft bilden“, beschreibt Volker Strauch sein Gefühl für die bevorstehende Predigt auf der Ruhbank. Das Verständnis für den Leib Christi, genau das käme an diesem Tag sehr schön zum Ausdruck, findet der Pfarrer.

Die Predigt, die er auf der Ruhbank halten wird, sei allerdings genau die gleiche, die er auch in seiner Stammgemeinde halten würde, denn Strauch hält sich an die Perikopenordnung. Das seien sechs verschiedene Predigtreihen für sechs Jahre, erklärt Strauch, für jeden Sonn- und Feiertag sechs verschiedene Vorschläge. Am kommenden Sonntag sei der 1. Johannesbrief aus dem Neuen Testament dran, der die Absage an diese Welt behandle. Das sei kein einfacher Text, sagt er. Im Gegenteil: unbequem und höchstbrisant sei er, denn wir Menschen dürften unser Herz nicht so sehr an weltliche Dinge hängen.

Idee stammt von Pfarrerehepaar

Pfarrer Wolfdietrich Rasp war es, der die Tradition des Kanzelwechsels wieder aufgegriffen hatte, bevor sie ganz im Sande zu verlaufen drohte. Ursprünglich stammte die Idee vom Pfarrerehepaar Erdmute und Roland Dünkel von der Ruhbank, das sie vor circa zehn Jahren in der Pirmasenser Gemeindenlandschaft etablierte. Zusammengebracht werden die Gemeinden mit einem Gastpfarrer jedes Jahr während des Frühlingsempfangs des Dekanats. Dort werden zwei Hüte mit Losen vorbereitet, die beim letzten Mal von den Mitgliedern des Jugendchors gezogen wurden, erzählt Strauch.

Was für Menschen kommen? Wie sehen andere Kirchen aus? Pfarrer Wolfdietrich Rasp ist immer noch neugierig, wie es woanders zugeht; auch wenn er am Sonntag zufälligerweise zum zweiten Mal hintereinander in Geiselberg und Schmalenberg predigen wird. Um seine Neugierde zu stillen, sei die Pfarrer-aus-dem-Hut-Aktion perfekt. Dass er vor einer anderen Gemeinde predigen wird, sei für ihn klasse. Denn er sehe seinen Einsatz als Auswärtsspiel und per se als Bereicherung, ein Puzzleteil eines großen Ganzen. „Da sitzen andere Menschen, da gibt es ganz andere Reaktionen, erklärt Rasp. Das Schöne sei, dass woanders immer auch Lieder gesungen würden, die nicht ganz so bekannt seien. Das findet er bereichernd.

Andere Prediger, andere Horizonte

Seine Gemeinde sei Wechsel aber sowieso gewohnt. Denn er wechsle sich in der Lutherkirche mit Dekan Ralph Krieger und drei ehrenamtlichen Predigern ab, um den Gottesdienst zu halten. Das sei wichtig, findet Rasp, weil unterschiedliche Prediger ganz andere Horizonte mit einbringen würden. Was Rasp besonders freut: Es komme sogar Oberkirchenrat Claus-Jürgen Müller, um an der Aktion teilzunehmen.

Eigentlich würde er sich auch nach der Perikopenordnung richten, erklärt Pfarrer Rasp. Doch in dem Fall habe er sich mit dem Kollegen Walter Becker der Gastgemeinde abgesprochen, dass er dessen Predigttext vom vergangenen Sonntag nochmal aufnehmen und predigen werde – nur einen Tick anders. Es wird um Abraham und Lot gehen, die zusammen ins Heilige Land gekommen waren, um festzustellen, dass sich die Leute zoffen, weil es zu eng ist und das Land es nicht aushält, wenn zu viele Menschen zu denen, die eigentlich an einem Ort leben, hinzukommen. „Das ist höchst aktuell“, freut sich Rasp, der das Thema Reformation in diese Predigt einarbeiten will.

Wer predigt wo?

Pfarrern Katja Beiner aus Rodalben predigt am Samstag, 4. November, um 18 Uhr in Ruppertsweiler, Walter Becker aus Schmalenberg steht am Sonntag, 5. November, um 9.30 Uhr, in der Johanneskirchengemeinde auf der Kanzel, wo er jahrzehntelang Pfarrer war. Victor Damerow vom Pfarramt Dahn-Hinterweidenthal hat das Los für die Pirmasenser Pauluskirchengemeinde gezogen und Susanne Dietrich wird am Samstag gleich zweimal predigen. Um 18 Uhr in der Gemeinde in Höheinöd und um 19.15 Uhr in Höhfröschen. Der Lemberger Pfarrer Kevin Gutgesell wird am Sonntag um 9.30 Uhr in Burgalben auf der Kanzel stehen, während Ulrich Hofedietz von der Johanneskirchengemeinde den Gottesdienst in Rodalben hält. Verena Gaul-Ehrenreich aus Höheichweiler wird am Sonntag, 10 Uhr, auf der Kanzel in Rumbach stehen, während Dekan Ralph Krieger in Hengsberg seine Predigt halten wird. Oberkirchenrat Claus-Jürgen Müller wird Gastprediger in Hinterweidenthal und Dahn sein und um 9 Uhr beziehungsweise 10.30 Uhr predigen. Wolfdietrich Rasp, Pfarrer der Lutherkirchengemeinde, besucht am Sonntag die Gemeinden in Geiselberg und Schmalenberg, wo er um 9.30 beziehungsweise um 10.30 Uhr predigen wird. Pfarrer Matthias Schröder vom Pfarramt Luthersbrunn wird am Sonntag, 10 Uhr, in Lemberg predigen. Kerstin Strauch fährt nach Münchweiler, wo um 9.30 Uhr der Gottesdienst beginnt, während ihr Mann Volker Strauch um 10 Uhr in der Gemeinde auf der Ruhbank predigen wird. Janina Tamm ist am Sonntag ab 10 Uhr zu Gast in Luthersbrunn, Gemeindediakon Manfred Vogel von der Johanneskirche hält den Gottesdienst ab 10 Uhr in Winzeln und Philipp Walter aus dem Pfarramt Schönau-Rumbach predigt in der Lutherkirchengemeinde, wo der Gottesdienst um 10 Uhr beginnt.

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