Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Hunderte Impfwillige harren vor Impfbus in der Kälte aus

Hunderte Pirmasenser warteten mehr oder weniger geduldig, um sich im Impfbus vorm Rathaus gegen Corona impfen zu lassen.
Hunderte Pirmasenser warteten mehr oder weniger geduldig, um sich im Impfbus vorm Rathaus gegen Corona impfen zu lassen.

Riesenandrang beim Impfbus auf dem Exerzierplatz. Die Schlange der Impfwilligen reichte am Dienstag quer über den Platz. Impfstoff war genug da, und doch kamen nicht alle an die Reihe.

Formular ausfüllen, sich in die Schlange stellen, viel Zeit und Geduld mitbringen: Das war wichtig beim Stopp des Impfbusses auf dem Exerzierplatz. Der Andrang riss einfach nicht ab. Purer Stress, kommentierte Rebecca Feß vom Roten Kreuz aus Zweibrücken vor Ort am Nachmittag.

Die Menschenmasse bildete eine lange Schlange, die gleich vor dem Rathaus begann, sich zwischen den Ständen des Wochenmarkts durchschlängelte, um sich unter den Arkaden weiter zu formieren. Gekommen waren alle: Jugendliche, Erwachsene und Senioren. Letztere waren am zahlreichsten vertreten. Denn der Impfbus bot auch Booster-Impfungen an, die dritte Impfung, die den Schutz vor einer Corona-Ansteckung erhöhen soll. Mehr Biontech-Impfstoff als jenen von Johnson & Johnson hatte der Bus an Bord. Eine Apotheke vor Ort sicherte den Nachschub. „Wir nehmen immer so viel Impfstoff mit, wie wir denken, dass benötigt wird“, erzählte Feß. Mit dem großen Andrang habe sie gerechnet, schließlich sei angekündigt gewesen, dass es auch Booster-Impfungen gibt. Gegen 15 Uhr hatte das Team schon zweimal Nachschub geordert, erzählte sie. Und immer noch kamen neue Impflinge dazu. Insgesamt schätzte Feß die Anzahl der Impfungen auf 300, doch um genau zu zählen, war einfach keine Zeit. Fest steht: Nicht alle konnten geimpft werden. Denn um 16 Uhr sollte Schluss sein.

„Die lassen einem ja keine andere Chance“

„Wir halten immer an Orten, an denen viele Menschen sind, weil man dort einige Leute erwischen kann, die zufällig vorbeilaufen und sich spontan impfen lassen“, erklärte Marie Adolph aus Mainz, die die Impfbus-Stopps für Pirmasens, Zweibrücken, den Landkreis und Kaiserslautern koordiniert. Das Deutsche Rote Kreuz sei als Dienstleister an Bord.

Auf die Frage, warum er sich im Impfbus impfen lässt, schimpfte ein Mann: „Weil ich muss, die lassen einem ja keine andere Chance.“ Er sah gekränkt aus und sauer. Seinen Namen wollte er nicht nennen. Genauso wenig wie ein Herr, der kam, um sich seine zweite Impfung abzuholen. „Ich bin an Long-Covid erkrankt, so etwas wie Corona will ich nicht noch mal erleben“, erzählte er mit eingezogenem Kopf.

„Wir haben gedacht, die Pandemie ist vorbei“

„Ich habe gedacht, es geht hier schneller“, gab Inge Kaul zu, die sich mit ihrem Mann die Impfung mit Biontech auffrischen ließ. „Wir wollen gesund bleiben“, beruhigte ihr Mann die Frau, die schon ein wenig aufgebracht war, weil sie schon zwei Stunden lang in der Kälte stand. „Wir haben gedacht, die Pandemie ist vorbei“, sagte das Paar, beide über 80 Jahre alt.

Martina Menges wusste schon zu Hause, dass der Andrang groß sein würde. „Ich habe mir die Situation auf dem Exe schon ab 8 Uhr über die Webcam angeschaut“, erklärte sie und ließ sich nicht abschrecken. Sie sei froh über das Angebot, denn bei ihrem Arzt würden Termine auch lange dauern, und auf der Straße stehe sie dort auch. Sie hatte ihren Vater mitgebracht; er soll die dritte Impfung bekommen.

Warteliste beim Arzt zu lange

„Ich wollte die Auffrischungsimpfung machen, weil es für mich logisch ist, dass ein Impfstoff mit der Zeit nachlässt“, sagte Klaus Brenner, der vor sieben Monaten die ersten Impfungen im Impfzentrum erhielt. Eigentlich wäre er lieber zu seinem Hausarzt gegangen, doch werde dort eine Liste geführt. Er sei erst im Januar dran, habe man ihm gesagt, und das sei ihm als Risikopatient zu lange hin. Doch Zweifel hat er inzwischen auch. „Man hört immer öfter von Impfdurchbrüchen.“

Jörg Stolle, Facharzt für Innere Medizin am Städtischen Krankenhaus, hatte gegen 11 Uhr schon etwa 150 Beratungsgespräche hinter sich gebracht und jenen, die keinen gelben Impfausweis besaßen, einen Zettel ausgehändigt, der die Impfung im Bus bestätigt.

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