Pirmasens „Das geht doch nicht“
„Meine Kinder haben gesagt, Mama geh von der Sparkasse weg“, berichtet Hedwig Bernhard aus Rodalben. Über 70 Jahre sei sie dort Kundin. „Wir haben mit unserem Geld die Sparkasse in Rodalben groß gemacht, sie erst zu dem gemacht, was sie heute ist. Jetzt sollen wir mit dem bisschen Rente alles zahlen“, kritisiert sie. Manfred Stanjura aus Hermersberg hat bereits in einem Schreiben an den Sparkassenvorstand diesem mitgeteilt, „dass ich es für eine ungeheure Dreistigkeit halte, dass man jetzt die zur Kasse bittet, die über Jahre und Jahrzehnte diese Sparkasse mit aufgebaut haben“. Ihr Mann sei selbstständig gewesen, jedes Kreditgeschäft habe er mit der Sparkasse gemacht, habe der Sparkasse geholfen, Geld zu verdienen. Als Rentner würden sie mit Forderungen konfrontiert, die „ einfach unfair sind“, sagt Ruth Gassenmeyer aus Heltersberg. Sparkassenvorstand Rolf Klein müsse bei den Sparkassen-Grundsätzen als guter Kaufmann nur bei der schwarzen Null landen. Die Sparkasse müsse keinen Gewinn machen, den sie an den Landkreis abführe, kritisiert Ralf Lehmann aus Rodalben. „Dadurch zahlt jeder Sparkassenkunde noch einmal über seine Gebühren extra Geld in den Kreishaushalt“, sagt Lehmann. Er sei sehr erbost und werde die Sparkasse als Kunde definitiv verlassen, steht für Peter Anstett aus Geiselberg fest. Künftig werde er, wie von der Sparkasse gewünscht, Online-Banking machen, „aber dafür brauche ich die Sparkasse nicht, dafür gibt es andere Banken, die das kostenlos ermöglichen.“ „Ich bin mit der Sparkasse groß geworden, aber nicht verheiratet“, zieht Peter König aus Hermersberg einen Wechsel in Betracht. Es sei unverschämt, Filialen zu schließen und wenn überhaupt gerade noch einen Geldautomaten im Dorf zu belassen. Jetzt müsse man noch dafür zahlen, dass man selbst am Terminal Überweisungen ausfülle. „Anscheinend braucht die Sparkasse keinen Kunden“, vermutet Karl-Heinz Hollerith aus Rodalben. Er habe viele Überweisungen im Jahr, „auch für mich macht das mehrere hundert Euro im Jahr aus“. Online-Banking hat er ausprobiert und aufgegeben. „Sobald mir die Bank absolute Sicherheit garantiert, mache ich Online-Banking, aber im Moment habe ich als Kunde die Beweislast, wenn etwas schiefgeht.“ Die Erhöhung ist für Karlheinz Fuhrmann aus Pirmasens die nahtlose Fortsetzung der Kostensteigerungen bei der Sparkasse. Erst seien die Kreditkartengebühren fast verdoppelt, dann die Schließfachgebühren verdreifacht worden. „Und jetzt diese saftige Gebührenerhöhung.“ Die Begründungen von Sparkassenvorstand Rolf Klein, finde er sehr abgehoben. Als „Gutsherrenart“ empfindet Ute Diehl aus Pirmasens Kleins Äußerungen. Das zeige, dass „die Sparkasse nicht für ihre Kunden da ist“, sagt Diehl. Da werde auf die Möglichkeit verwiesen, Überweisungen telefonisch durchzugeben. Mit der 22-stelligen Iban-Nummer sei das für ältere Kunden nur schwer zu bewältigen. Sie teilt wie Horst Linn aus Pirmasens die Auffassung, dass der soziale Gedanke verloren gehe. „Hinter dem Kreissparkassensystem steht seit der Gründung ein sozialer Gedanke – und der geht schleifen. Dass jeder Handgriff, sogar jeder Handgriff, den ich als Kunde selbst tätige, Geld kosten soll, das ist mit diesem Urgedanken der Sparkasse nicht vereinbar“, bemängelt Linn. Andere Geldinstitute schafften es in Zeiten von niedrigen Zinsen ihren Kunden weiter kostenlose Angebote zu unterbreiten, sagt Fritz Sopp aus Waldfischbach-Burgalben und fragt: „Braucht eine Sparkasse wirklich drei Vorstände, was ja mit erheblichen Kosten verbunden ist.“ Das Schreiben, mit dem die Sparkasse ihre Kunden über die Gebührenerhöhung informiert habe, habe gezeigt, dass sie die Kunden entweder als Bittsteller oder Befehlsempfänger wahrnehme. Interessant sei der Zeitpunkt, zu dem die Gebührenerhöhung mitgeteilt worden sei. Nach der Landtagswahl, „damit nicht der Wahlerfolg von Politikern im Verwaltungsrat, der das mitgetragen hat, in Gefahr gerät“, sagt Sopp. Sie habe keinen Computer, sehe nicht mehr gut. „Zu Hause mit Hilfe der Lupe kann ich noch Überweisungen ausfüllen“, sagt Hannelore Mäkeler aus Pirmasens. Nachdem die Filiale in ihrem Stadtteil geschlossen worden sei, müsse sie schon extra mit dem Bus zur nächsten Filiale fahren. „Und jetzt kostet das alles noch mehr“, ärgert sie sich. Gerade gegenüber älteren, kranken Menschen, zu denen auch er gehöre, sei das eine Frechheit, sagt Rudolf Stöbener aus Thaleischweiler-Fröschen, der seit über 60 Jahren Sparkassenkunde ist. Helga Hegi aus Waldfischbach-Burgalben versteht „diese Gebührenpolitik nicht. Ich werde mich vor Ort von anderen Banken informieren lassen“, sagt sie. Für alle älteren Menschen, die keinen Computer hätten, „ist das Verhalten der Sparkasse einfach nur unverschämt“, kritisiert Maria Blank aus Dahn. Die Vorstandsgehälter kürzen, auf Boni bei den Vorständen verzichten, wäre ihr Vorschlag, den andere Anrufer teilten. Verständnis dafür, dass die monatlichen Kontoführungsgebühren angehoben werden müssten, äußerten fast alle Anrufer. „Allerdings in einem moderaten Rahmen und nicht gleich um 50 Prozent“, gibt Uwe Lingenfelder aus Heltersberg stellvertretend die Meinung vieler Anrufer wieder. „Bei uns kommen monatlich zwischen sieben und zehn künftig gebührenpflichtige Überweisungen zusammen“, hat Ursula Höfler aus Heltersberg ihre Mehrkosten, die sich auf über 100 Euro pro Jahr belaufen, ausgerechnet. Gerade privat Krankenversicherte, die krank seien, treffe die Gebührenerhöhung, verdeutlichen Marlene und Thomas Jung aus Pirmasens. Bis zu 60 private Arztrechnungen gelte es da manchmal im Monat vorab zu zahlen, sprich zu überweisen. „Und jetzt soll jede Überweisung einen Euro kosten, das geht doch nicht“, sagt Marlene Jung. Die Sparkasse sei dadurch, dass sie sich jetzt jeden Handschlag bezahlen lasse, wie die Kreisverwaltung Südwestpfalz. „Die kleben auch keinen Buchstaben irgendwohin, ohne dafür im Gegenzug Gebühren zu verlangen“, kritisiert Adolf Becker aus Höheinöd. Die Chefs an der Spitze der Sparkasse sollten in punkto Gehalt und Boni mal halblang machen. (add) Seite 2