Pirmasens
A.S.T. Klaus Germann Umweltschutz: Hightech im Untergrund, Frauen an der Spitze
Begonnen hat es 1914 mit Pferdewagen, die den Inhalt von Pirmasenser Klärgruben in Fässern abtransportierten. Heute ist die Arbeit eine ganz andere und die Technologie ebenso: Hightech bestimmt das Geschäft der A.S.T. Klaus Germann Umweltschutz GmbH bei Kanalreinigung, -inspektion und Abscheidetechnik. Mit Investitionen von mehr als zwei Millionen Euro wird nun das nächste Kapitel geschrieben.
1972 wurde die Firma neu gegründet. Die technischen Möglichkeiten entwickelten sich rasch, und damit auch die Fähigkeiten bei Entsorgung, Kanalüberwachung, und -sanierung. Zunächst kamen die Saugwagen auf, dann die TV-Überwachung der Kanäle. Anfang der 80er-Jahre wurde diese in Pirmasens in der Blocksbergstraße erstmals eingesetzt, erinnert sich Andreas Germann. Er übernahm 2001 das Unternehmen in der Rheinstraße in der nächsten Generation. Unter seiner Leitung erweiterte sich das Angebot um Dienstleistungen rund um das ursprüngliche Kerngeschäft, und es entstand der integrierte Betrieb von heute. „Es war mir immer wichtig, mehrere Standbeine zu haben, um Schwankungen in einzelnen Bereichen auszugleichen“, erklärt Andreas Germann. 2004 wurde das Gelände in der Rheinstraße erweitert und in eine Emulsionsspaltanlage investiert – die einzige im Umkreis von 100 Kilometern. Hier werden Öle und Fette vom Abwasser getrennt. Die Anlage ist heute noch das Herzstück des Unternehmens, in dem immer wieder neue Technologien getestet werden.
Seit 2020 in Frauenhand
Neue Gesetze und Vorschriften führten zu komplexeren Anforderungen: Öl- und Fettabscheider wurden 2004 und 2005 Pflicht, sie mussten eingebaut, gewartet und saniert werden. So entstanden weitere spezielle Dienstleistungen für Industrie und öffentliche Betreiber. Eine davon ist der Spezialtiefbau: Hier geht es um die Planung und Durchführung von Bauprojekten wie Betriebstankstellen mit spezifischen Anforderungen bei Unternehmen. Vorlage dafür war die eigene Tankstelle auf dem A.S.T.-Gelände. Das neueste Angebot ist die Erweiterung der Containerservices, die jetzt auch von Privatpersonen genutzt werden können.
2020 übernahmen die Töchter von Andreas Germann, Shari und Angelique, die Geschäftsführung. „Es ist immer noch die Ausnahme, dass in einer solchen Männerbranche Frauen Führungspositionen übernehmen,“ sagt Shari Germann. „Aber wir sind praktisch im Betrieb aufgewachsen, kennen also die Technik und die Abläufe.“ Zudem sind die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seit langem dabei. Das stärke die Verbundenheit und das Vertrauen. Sie und ihre Schwester hätten die Erfahrung gemacht, dass Fachwissen und ein klarer Führungsstil sich durchsetzen. Der Weg an die Spitze war unterschiedlich. Während Angelique in der Firma ihre Ausbildung absolvierte, machte Shari zunächst einen Meisterabschluss im Handwerk, bevor sie 2018 zurückkehrte.
„Die Branche erlebt derzeit einen rasend schnellen Wandel durch neue Technologien“, erklärt Shari Germann. So wertet etwa Künstliche Intelligenz die Ergebnisse von Kanalinspektionen aus. 3D-Modelle des Idealzustandes werden mit dem aktuellen Stand verglichen und das System markiert automatisch Schwachstellen und Defekte. Das erleichtere Planung und Durchführung der Reparaturen enorm.
38 verschiedene Fahrzeuge
Um solche neuen digitalen Werkzeuge zu beherrschen und die zahlreichen gesetzlichen Vorschriften zu erfüllen, sind professionelle Schulungen Voraussetzung. Fort- und Weiterbildung für die 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien daher besonders wichtig. Zwei Auszubildende absolvieren zudem zurzeit ihre Lehre als Umwelttechnologen.
Wie unterschiedlich die Aufgaben sind, zeigt der Fuhrpark des Unternehmens: 38 Spezialfahrzeuge sind unterwegs in der Region und darüber hinaus – in einem Radius von bis zu 400 Kilometern.
Seit 2019 ist A.S.T. Teil der Kanalservice GmbH Gruppe Deutschland. Hier kooperieren 40 Unternehmen aus der Branche mit insgesamt 350 Mitarbeitern in Deutschland, Österreich, Belgien und Großbritannien, tauschen Erfahrungen aus und nutzen Synergieeffekte.
Zwei Millionen Euro an Investitionssumme flossen vor allem in die Anschaffung mehrerer moderner Spezialfahrzeuge. Darunter: ein großer Lastwagen – der „Spüler“ – mit beeindruckenden Abmessungen zur Kanalreinigung und Wasserrückgewinnung. Das TV-Inspektionsfahrzeug daneben hat modernste Elektronik für die Kanalüberwachung und -sanierung an Bord. Hier wird deutlich, wie weit der Weg von den Pferdefuhrwerken bis heute war.