Deidesheim RHEINPFALZ Plus Artikel Zwischenbilanz beim Deidesheimer Advent: Das Geld sitzt nicht mehr so locker

Ein geschmückter Baum in Deidesheim.
Ein geschmückter Baum in Deidesheim.

Der Deidesheimer Advent bleibt bisher hinter den Erwartungen zurück – das ist die Bilanz nach den ersten beiden Wochenenden. Die Verantwortlichen sind aber optimistisch.

„Es waren zwei schwierige Wochenenden“, sagt Stefan Wemhoener, der Geschäftsführer der ausrichtenden Tourist Service GmbH. Aber eine vorzeitige Schließung des Weihnachtsmarkts sei nicht vorgesehen. „Der Deidesheimer Advent ist Teil unserer Kultur und damit ein Bestandteil unseres Zusammenlebens. Es ist nicht nur ein Markt, sondern die Vorbereitung auf das Weihnachtsfest für die Bevölkerung“, macht er deutlich. Die Verantwortlichen bleiben für das kommende Wochenende optimistisch. „Während an den ersten beiden Wochenenden das Wetter nicht einladend war, soll es jetzt trocken bleiben“, setzt Wemhoener auf einen höheren Zuspruch am Freitag, Samstag und Sonntag. Auch wird ab Sonntag die Bahnstrecke von Bad Dürkheim nach Deidesheim wieder freigegeben.

Eichberger vermisst gutes Kunsthandwerk

„Das dritte Wochenende war in der Vergangenheit stets das stärkste Wochenende“, hofft auch der neue Marktmeister Ulrich Eichberger auf bessere Zeiten: „Wir sollten trotz aller Probleme positiv bleiben“. Allerdings macht Eichberger auch deutlich, dass Handlungsbedarf bestehe. „Ein ,weiter so’ wie zuletzt geht nicht mehr“, so der Marktmeister, der nach eigener Aussage „gutes Kunsthandwerk“ vermisst. In die gleiche Richtung geht die Kritik von Martin Eller, einem der Sprecher der Standbetreiber. „Es fehlt die einstige Atmosphäre, auch stimmt das Verhältnis zwischen Essens- und Getränkeständen zum Kunsthandwerk nicht mehr“, sagt Eller. „Wir müssen uns im Januar intern zusammensetzen und über neue Wege nachdenken“, ergänzt Eichberger.

Nachlassendes Besucherinteresse bei Festen und Veranstaltungen, aber auch das veränderte Kaufverhalten des Publikums sieht hingegen Stefan Wemhoener als zentrale Probleme. „Die Zeiten wie vor Corona sind vorbei, das muss man akzeptieren“, sagt Wemhoener. Die Kaufkraft habe deutlich nachgelassen, meint der Tourismusexperte. Auch dies führe dazu, dass einige Kunsthandwerker nicht mehr vertreten seien. „Das Geld sitzt nicht mehr so locker, wie einst“, ergänzt Eichberger.

Dazu Wemhoener: „Das macht auch die Situation für eine Reihe von Beschickern nicht einfacher“. Einige sind deshalb aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr dabei, andere haben sich anders orientiert. „Das ist keine einfache Situation, man muss über das bestehende Konzept nachdenken“.

Ein Dorn im Auge sind dem Sprecher der Standbetreiber, Martin Eller, auch die hohen Kosten. „Wenn wir attraktiver werden wollen, dann müssen wir auch bei der Standmiete kostengünstiger werden“. Große Hoffnungen setzt Eller auf Julian Seckinger (CDU), den zuständigen Beigeordneten. Eller hofft, dass Seckinger die richtigen Hebel ansetzt, um den Markt wieder attraktiver zu machen.

Erste Gedanken zur Neuorientierung gibt es bereits bei der Tourist-Info. So seien Kunsthandwerkern bis zu 30 Prozent Ermäßigung der Standgebühren in Aussicht gestellt worden. Darüber hinaus wurde die Möglichkeit der Nutzung eines Standes von mehreren Kunsthandwerkern angeboten, um zunächst „zu schnuppern“.

Das bestätigt auch Elke Weisbrodt, die mit ihrem Stand „Elkes Werkelwerk“ dieses Jahr nicht vertreten ist, eine Rückkehr aber nicht ausschließt. „Nachdem ich letztes Jahr, wirtschaftlich gerade noch so rausgekommen bin und ich schon damals feststellen musste, dass sich das Kaufverhalten der Besucher derart verändert hat, stand ich schon länger vor der Frage, ob ich weiter machen soll“, erzählt Weisbrodt. „Die Kaufkraft ist nicht mehr da für das Kunsthandwerk“, klagt sie. Sie habe sich jetzt vorerst zu einer Auszeit entschlossen. „Der Aufwand für den Aufbau und den Abbau des Standes, dazu an vier Wochenenden den Stand zu besetzen ist schon enorm“, sagt sie. Der Ertrag stehe dazu in keinem Verhältnis. Weisbrodt sieht sich nach den ersten beiden Wochenenden bestätigt: „Es waren bisher aufgrund des Wetters nur wenige Besucher da“. Dabei lobt sie auch das Entgegenkommen der Tourist-Info.

„Wir wollen uns wieder einen festen Stamm von Kunsthandwerkern aufbauen“, erzählt Wemhoener, der regelmäßig mit der Weihnachtsmarkt-Kommission im Austausch steht. „Wir sind mit der Kunsthandwerk-Szene in Kontakt und versuchen uns da für die Zukunft wieder etwas aufzubauen“. Dass es diesmal wieder einige Stände weniger als im letzten Jahr sind, räumt er ein, macht aber deutlich, dass es kurzfristige Absagen gab. „Aktuell sind drei Stände nicht besetzt, aber diese sind für das kommende Jahr schon vergeben“. Gleichzeitig warnt er vor überzogenen Erwartungen aus der Vor-Corona-Zeit, wo zeitweilig über 100 Stände den Markt prägten. „Das werden wir auch künftig nicht mehr haben“, sagt Wemhoener.

Er verweist zum einen auf das Sicherheitskonzept, zum anderen auf rechtliche Gegebenheiten, dass an manchen Stellen keine Stände mehr aufgestellt werden dürfen. „Man sollte den Markt nicht an den Ständen messen. Wir haben neben einer Vielzahl von zusätzlichen Veranstaltungen auch andere Bereiche, wie den Bereich im Stadtgarten, das historische Rathaus, das Weingut Mehling und auch seit drei Jahren den Schloßpark“, sagte Wemhoener.

Deidesheimer Advent: Das weitere Programm

Geschichtenerzählerin Sabine Heinrich nimmt im historischen Rathaus am Samstag und Sonntag jeweils ab 14.30 Uhr ihre kleinen Zuhörer mit in ferne Welten und lädt dazu ein, zur Ruhe zu kommen, zuzuhören und das Besondere mit dem Herzen wahrzunehmen.

Theaterfreunde kommen ebenfalls auf ihre Kosten: Am Samstag, wird in Guhmanns Casino das Weihnachtsmärchen „Weihnachten in Gefahr – Teil 2“ aufgeführt, während das Boulevardtheater Deidesheim mit den Stücken „Die wilden Weiber aus der Palz“ und „Die Bürobiester“ für Unterhaltung sorgt.

Musikalisch wird die Vorweihnachtszeit von adventlicher Bläsermusik auf dem Stadtplatz, Livemusik in Weinbars, adventlicher Trompetenmusik am Schloßpark sowie Akkordeonmusik von Franz Schmidt der Trachten- und Volkstanzgruppe begleitet.

Für Kinder und Familien hält der Deidesheimer Advent zahlreiche besondere Erlebnisse bereit. Die „Familienstube“ im Foyer des Museums für Weinkultur bietet einen kurzweiligen Rückzugsort mit Märchen, Sagen und Geschichten, während bei den Deidesheimer Schafen im Stadtpark Geschichten erzählt und Lieder gesungen werden sowie gemeinsam das japanische Erzähltheater Kamishibai gespielt wird.

Ein ganz besonderes Highlight ist die Wichtelstube mit Falkner Michael Hörner aus Ruppertsberg, der seine Greifvögel vorstellt. Besucher erfahren alles über deren Haltung, Herkunft und Vorlieben und können die Tiere aus nächster Nähe beobachten.

Der „Wichtel-Park“ rund um den Turmschreiberturm bietet himmlische Beleuchtung, Engel und einen „Winterwald der Tiere“. Zudem laden das Nostalgische Riesenrad, das Kinderkarussell und das Eisenbahn-Special von Moba Tech zu Spiel und Spaß ein.

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