Neustadt „Wie immer Glück mit Wetter“

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Verkaufsoffener Sonntag, deutsch-französischer Bauernmarkt mit Blumen- und Gartenmarkt, dazu das Handwerkerfest um den Zunftbaum: Gestern war in der Stadt ordentlich was geboten. Das tolle Wetter tat sein Übriges, um die Besucher in Scharen nach Neustadt zu locken.

Wer gestern einen Blick vom Turm der Stiftskirche warf, der konnte zwar lebhaftes Markttreiben, aber weniger Stände als sonst sehen: Es gab einige Lücken bei den Ausstellern des deutsch-französischen Bauernmarktes. „Muttertag, FCK-Heimspiel, Gartenmarkt in Bad Bergzabern, Kräutermarkt in Wachenheim, Stadtfeste in Bad Dürkheim, Landau und Speyer: Heut’ ist überall was los“, wusste Erich Auer zwischen zwei Auerochsen-Bratwürsten – eine „extra scharf“ mit Chili – zu erzählen. Manch ein Marktbeschicker verfüge auch nur über einen Stand und müsse sich an diesem Sonntag dann für eine Veranstaltung entscheiden, warb der Südwestpfälzer um Verständnis. „Mein Bruder Auguste mischt in Bergzabern mit“, erzählte Gabriel Frumholtz. Bei „Quetscheschlaegel“, der Lothringer Latwerg-Variante, war er schon früh ausverkauft, bei eingekochten Mirabellen hatte er noch etwas Luft nach oben. Dank seiner Familie konnte Andreas Schwögler vom Kürbishof Birkenhördt mit Neustadt und Bad Bergzabern zweigleisig fahren: „Ich selbst bin lieber hier zugange. Ich nutze die Zeit immer auch für eigene Einkäufe und bin schon beim Modehaus Schmitt fündig geworden.“ An Schwöglers Stand fündig wurde Gudrun Marzenell – mit Weinbergspfirsich- und einer Kirsch-Schokolade-Marmelade. „Wir kommen jedes Jahr nach Neustadt auf den Bauernmarkt“, sagte die Mannheimerin, die mit ihrer Tochter Ute aus Heddesheim angereist war. „Stereo“ konnte auch das „Backparadies Kissel“ aus Reichenbach-Steegen im Kreis Kaiserslautern arbeiten. „Meine Eltern sind in Bergzabern aktiv“, erklärte Petra Kuntz. Schon beim Aufbau in der Friedrichstraße standen Kunden Schlange. „Wir sind zufrieden mit dem Standort“, sagte Kuntz. Seit zwölf Jahren kommt die kleine Dorfbäckerei mit ihrem „Musikantenbrot“ nach Neustadt – und dort sehr gut an. „Etwas mäßiger Betrieb“, befand Ludwik Adamé Haass. Mit einer „Degustation vente“ hatte der Hambacher eine alte französische Tradition aufgegriffen: „Kostenlos etwas probieren, um dann eine Flasche Wein kaufen zu können.“ Ob Pinot Noir oder Chardonnay: Sein Angebot an Weinen der „Hambacher Freiheit“ wurde von Deutschen wie Franzosen gleichermaßen goutiert. Der Essigmacher Peter Müller aus Bad Dürkheim war zum vierten Mal dabei. Süßere Balsamicos von Apfel, Himbeere und Cranberry waren besonders gefragt – was wohl auch den sommerlichen Temperaturen geschuldet war. Mit Löwenzahnhonig vom Vorjahr bot Dirk Metzlaff eine Rarität an. „Dieses Frühjahr war es so kalt, dass zur Blütezeit keine Bienen flogen“, sagte der Neustadter Imker, der neun Honigsorten offerierte. Als besonderen Service bietet er seinen Kunden jetzt auch halb so große Honiggläser an. „Wie immer hat Neustadt Glück mit dem Wetter“, sagte Gaël Demerlé. Der Mann aus dem Bitscher Land muss es wissen: Seit mehr als zehn Jahren ist die „Fromagerie de Walschbronn“ mit ihrem Rohmilchkäse auf dem Bauernmarkt präsent. In die Herzen seiner Kunden schafften es gestern vor allem „Coeur aux herbes“ und „Coeur au Poivre“ – kein Wunder, sind diese Spezialitäten doch herzförmig ... „Pfälzer Fruchtfeige und Seilers Martinsfeige sind heute der Hit“, bilanzierte Anja Seiler aus Altlußheim. Die erste ist eine Standardsorte, die zweite stammt von einem großen Feigenbaumhain, der in der Südpfalz frei in der Landschaft steht. Mittelmeer-Atmosphäre auch am Stand von Domenico Alongi: In der Kellereistraße nahmen viele Besucher Oliven- und Zitrusbäume des Hambachers mit. Mediterran war auch bei Brian Posch Trumpf: „Die Leute kommen weg vom einfachen Basilikum, wechseln über zu ausdauernden Sorten wie Russisches oder Afrikanisches Basilikum“, erzählte der Inhaber des „Magischen Gartens“ in der Friedrichstraße. Verhalten lief es vormittags bei Peter Schmid aus Mutterstadt. „Bei uns gehen die Sachen erst am Nachmittag“, so der „Chili-Peter“. Ganz Mutige wagten sich bei ihm dann auch an „Carolina Reaper“, den aktuell schärfsten Chili der Welt. Pfälzer trinken nicht nur Wein: Wenn es so gut daher kommt wie das an fränkisches Rauchbier erinnernde „Knorzefeuer“, wird gerne auch mal umgeschwenkt. Handgemachtes Bier nach alten und neuen Rezepten kredenzte am Kriegerdenkmal der „Bobremer Braukeller“ von Thomas und Nadine Trautmann aus Bobenheim am Berg. Dass ausgerechnet am verkaufsoffenen Sonntag auch noch Muttertag war, nahm so manche Mutter gelassen hin: „Wir müssen hier nicht stehen – wir dürfen!“, sagte zum Bespiel Petra Kuntz und lächelte ...

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