Fußball
Warum im SV Geinsheim am Montag erneut das Training ausfällt
Die gute Nachricht vorweg: Die Stechmücken im Geinsheimer Wäldchen piesacken diesmal nur vereinzelt Zuschauer und Betreuer. „Heute geht’s mit den Schnaken“, stellt Rudi Brendel fest. Viel mehr Gründe zufrieden zu sein, hat der Trainer des abstiegsbedrohten Fußball-Landesligisten SV Geinsheim allerdings nicht. „Wir haben’s probiert.“ Brendel unterhält sich nach der 1:3 (0:1)-Heimniederlage gegen den TuS Knittelsheim mit einigen Zuschauern. Unter den 217 Besuchern am Sportplatz am Wäldchen trägt die Mehrheit die gelben Shirts der Knittelsheimer. „Diese Saison haben wir nicht so viele Zuschauer“, stellt Ursula Kästel fest. „Aber für den Moment sind’s viele.“ Die frühere Vereinsvorsitzende des SV Geinsheim bedient noch immer den Liveticker während der Heimpartien. Und erinnert sich, dass sonst früher immer mal der eine oder andere Fußballer zum Zuschauen vorbeigekommen sei, „der hier früher mal gespielt hat“.
Training fällt aus
Diese Ehemaligen allerdings kommen als Zuschauer gar nicht in Frage, braucht sie Rudi Brendel doch auf dem Spielfeld. So hilft beispielsweise Christoph Appel aus der AH aus, wird in der zweiten Hälfte für seinen Bruder Michael eingewechselt. „Viele Spieler sind angeschlagen, können nicht trainieren, spielen aber“, beschreibt der Trainer die schwierige Situation seiner Elf. „Wir sind platt. Wir sind am Ende“, sagt er zum körperlichen Zustand seiner meist sehr jungen Spieler. So lässt er am Montag schon zum zweiten Mal hintereinander das Training ausfallen. „Ich kann sie nicht überstrapazieren“, betont Brendel. „Sie sollen sich erholen.“
Dass die Geinsheimer platt sind, ist ihnen gegen Knittelsheim anzumerken. Sie geben nach dem frühen 0:1-Rückstand nicht auf – Yannick Job nutzt die gute Vorarbeit des laufstarken Florian Richter. Richter setzt sich auf der rechten Seite durch, passt in die Mitte zu Job, der den Ball an SVG-Tormann Marcel Johann vorbei einschiebt (8.). Nach dem Seitenwechsel bieten sich den Gastgebern gar einige Möglichkeiten. Patrick Linzenmeier nimmt den Ball im gegnerischen Strafraum direkt, schießt aber einen Teamkollegen an (58.). Ein Freistoß von Kilian Sturm auf der rechten Seite landet bei Michael Appel – TuS-Tormann Daniel Heiter lenkt den Ball mit den Fingerspitzen über die Torlatte (59.). Nach einer Ecke von der rechten Seite köpft Max Stoll die Kugel über das Knittelsheimer Gehäuse (59.). „Wir waren nach dem 0:1 am Drücker“, stellt Michael Appel später fest. Das Tor aber macht der Gegner.
Florian Schmidt ist im Geinsheimer Strafraum in Ballbesitz, spielt den herauseilenden Marcel Johann aus und trifft zum 2:0 für die Gäste (65.). „Die hatten nicht viele Chancen“, betont Michael Appel. Aber sie hätten jeden Abwehrfehler der Geinsheimer genutzt. Beim zweiten Gegentor sei es ein Ballverlust im Mittelfeld gewesen. Sein Teamkollege Nils Krämer pflichtet ihm bei: „Die waren immer einen Tick schneller am Ball. Unsere individuellen Fehler haben die ausgenutzt.“
Lange Bälle nach vorne
Apropos Mittelfeld: Der Spielaufbau der Brendel-Mannschaft bereitet dem Gegner kaum Probleme. Mit langen Bällen nach vorne versuchen die Geinsheimer, für Gefahr vor dem Gästetor zu sorgen. Ein Glücksspiel. Oft landet der Ball beim Gegner. „Wir arbeiten diese Saison viel mit langen Bällen“, sagt Appel. „So haben wir auch das Tor gemacht.“ Nach einem langen Pass kommt Pascal Nebel in Ballbesitz, spielt quer zu Michael Appel. Er habe bei „elf, zwölf Metern“ gestanden, sagt Appel, und dann rechts unten zum 1:2 getroffen (71.). So richtig bäumen sich die Gastgeber nun allerdings nicht auf, um noch auszugleichen. Stattdessen muss erneut Marcel Johann hinter sich greifen, als Nils Krämer im eigenen Strafraum am Ball vorbeirutscht. Florian Richter nutzt dies gnadenlos zum 3:1 aus (81.). Dies ist der Zeitpunkt, an dem Papa Birkle das Gelände verlässt. „Das ist gelaufen“, sagt der frühere Geinsheimer Schiedsrichter Heinz Birkle.
Nils Krämer fällt übrigens nicht nur wegen des Missgeschicks auf. Er sorgt mit seinen sehr langen Einwürfen für Aufsehen. „Unsere Geheimwaffe“, betont Rudi Brendel schmunzelnd. Wie weit er werfen könne, habe er noch nie gemessen, sagt Krämer. Seine Mutter sei als Leichtathletin aktiv gewesen. Bis zu seinem zwölften Lebensjahr sei er ebenfalls Leichtathlet gewesen. „Dann habe ich voll auf Fußball gesetzt“, sagt Krämer. Trotz der jetzigen Abstiegsgefahr „war das die richtige Entscheidung“.