Motorsport
Warum es im Jugend-Kart-Slalom auf einmal still ist
Besonderes beim Jugend-Kart-Slalom in Haßloch: Zunächst dreht die Jugend im Alter zwischen sieben und 18 Jahren ihre Runden zwischen den rot-weißen Pylonen – zu hören sind die leisen Motorgeräusche der Fahrzeuge. Im zweiten Abschnitt der Veranstaltung vom Motorclub Haßloch drehen sich wieder kleine Fahrzeuge durch den Parcours. Diesmal jedoch sind keine Motoren zu hören. Die Erklärung: Im ersten Abschnitt fuhren die wendigen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren. Im zweiten Abschnitt sind die eingesetzten Fahrzeuge mit Elektromotoren ausgestattet.
Fahrzeuge noch recht teuer
In dieser Saison bietet der ADAC Pfalz für die Kartjugend gleich zwei Meisterschaften mit Fahrzeugen unterschiedlicher Antriebsart an. Einen solchen Lauf mit den beiden Wertungen gab es nun in Haßloch. Der ADAC-Pfalz hat zu diesem Zweck zwei neue Kart-Fahrzeuge mit Elektromotoren angeschafft. „Wir wollen dem Wandel der Zeit folgen und auch im Bereich des Motorsports auf die Antriebsart Strom umschwenken“, erklärt Sportsekretär Helmut Rotzal vom ADAC Pfalz. Eine sinnvolle Investition in den Jugendsport, wie er weiter ausführt, wenn auch die Fahrzeuge noch recht teuer seien. „Der ADAC Pfalz präsentiert diese neuen Fahrzeuge der Zukunftstechnologie und verschließt sich nicht einem weiteren Schritt in die Zukunft. Gleichzeitig will er damit die ADAC-Ortsclubs ermutigen, in ihrem Bereich ebenfalls auf diese Antriebsart umzusteigen“, sagt Rotzal. „Die jungen Fahrer haben zwischenzeitlich erkannt, dass das Fahren mit elektrischer Kraft gar nicht so schlimm ist und genau so viel Spaß bereitet wie mit Treibstoff betriebenen Fahrzeugen.“
Die Fahrzeuge sind neu auf dem Markt. Die Herstellerfirma hat offene Ohren für Verbesserungsvorschläge. Beispielsweise für die Frage, wie die Akkus bedienerfreundlicher eingesetzt werden können. Betreut werden die Karts vom technisch verantwortlichen Peter Deege, der bei seiner Arbeit von Peter Schneider und Heiko Müller unterstützt wird. In der Zentrale in Neustadt werden die notwendigen Arbeiten ausgeführt und die Akkus für die nächste Veranstaltung geladen. „Bis jetzt sind wir mit dem Einsatz der neuen Fahrzeuge sehr zufrieden“, resümiert Helmut Rotzal etwa zur Hälfte der Saison.
Elektromotor ist wartungsfrei
Die Anschaffungskosten für die Fahrzeuge sind deutlich höher als bei den bisherigen mit dem Verbrennungsmotor. Aber es gibt auch Einsparungen. „Der Elektromotor ist wartungsfrei im Gegensatz zu den Verbrennungsmotoren, wo doch einige Wartungen durchzuführen sind“, erklärt der Sportsekretär. Dagegen gebe es keine Unterschiede beispielsweise beim Reifenverschleiß.
Der Sportsekretär bedauert, dass es noch keine überregionalen Meisterschaften mit diesen neuen Elektrokarts gibt. „Noch nicht in allen ADAC-Regionalverbänden werden diese Fahrzeuge eingesetzt. Die Pfalz ist mit Vorreiter und befindet sich in einem Pilotprojekt“, so Rotzal. „Ich denke, dass es spätestens Ende der Saison 2025 überregionale Meisterschaften geben wird.“
Endgeschwindigkeit zu gering
Alexander Schneider aus Haßloch sieht keine großen Unterschiede. Für ihn ist es wichtig, fahren zu können. „Vieles ist gleich, aber nicht alles“, resümiert der junge Pilot. Der Meisterschaftsführende seiner Klasse steuert lieber den „Verbrenner“, rein aus der Gewohnheit heraus. „Die Beschleunigung bei den neuen Fahrzeugen ist besser, aber es fehlt etwas an der Endgeschwindigkeit“, fasst er seine Eindrücke zusammen. „Wir haben leider noch keine Trainingsmöglichkeiten mit Fahrzeugen mit Elektromotoren, weil es in den Vereinen noch an diesen Wagen fehlt“, fügt Schneider an.
Sein Vereinskollege im Motorclub Haßloch, Marvin Müller, meint, „die Verbrennermotoren sind viel besser“. Bei den elektroangetriebenen Fahrzeugen fehle es an Power. Es sei richtig, dass die Elektromotoren schneller anzögen, aber es fehle ihnen dann an der Endgeschwindigkeit. „Es lässt sich mit den neuen Fahrzeugen nicht so gut in den Kurven fahren. Es fehlt an Bodenhaftung, was sehr schnell zu Pylonefehler führen kann“, urteilt der Haßlocher. „Elektromotoren sind nicht so meine Welt“, gibt er zu, obwohl er auch mit diesen Fahrzeugen in der Pfalzmeisterschaft vorne mitfährt. „Weil die Motoren keine Geräusche entwickeln, hört man beim Start und auch teils auf der Strecke das komplette Umfeld“, erzählt der Haßlocher.
Motorgeräusche fehlen
„Mir fehlt bei den neuen Fahrzeugen mit den Elektromotoren ganz einfach der Sound“, sagte Silas Schöfer aus Lindenberg. Auch er ist ein Freund der Verbrennungsmotoren obwohl er mit den Fahrzeugen der anderen Antriebsart bislang eine erfolgreiche Saison fährt. „Man muss sich auf jeden Motor einstellen und danach sein Fahrverhalten ausrichten“, so Schöfer. „Fehler kann man mit allen Bauarten der Kartfahrzeuge machen.“ Auch der Lindenberger stellt die bessere Beschleunigung und die fehlende Endgeschwindigkeit fest.
„Elektromotoren sind nicht ganz so toll, man hört keinen Motor mehr.“ Das ist ebenfalls der Eindruck von Pilot Robin Wahl aus Neustadt. „Ich weiß nie, wo der Motor steht und ob noch mehr Leistung aus dem Aggregat herauszuholen ist. Außerdem reagiert das Fahrzeug später. Die Fahrer müssen schneller reagieren“, berichtet er zum Fahrverhalten. „Die neuen Fahrzeuge brauchen mehr Platz. Das liegt meiner Meinung nach am Fahrzeugrahmen. Gerade in schnellen Kurven macht sich dies bemerkbar“, ergänzt Robin Wahl weiter.
Klassensiege für Haßlocher
Jetzt in Haßloch setzten sich die besten pfälzischen Piloten erneut durch. Es machte keinen Unterschied, in welchem Fahrzeug sie unterwegs waren. Sie sind mittlerweile so routiniert, dass sie beide Fahrzeugtypen beherrschen. Lediglich bei einem Pylonefehler ist ein Platz an der Spitze weg.
Die Siege aller fünf Altersklassen mit Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren gingen an Piloten vom MC Haßloch. Tim Merz in den Jahrgängen 2014/2017, Silas Schöfer (2012/2013), Alexander Schneider (2010/2011), Marvin Müller (2008/2009) und Elias Frey bei den Jahrgängen 2005/2007. Ähnlich sah es auch bei den Karts mit Elektromotoren aus. Lediglich die Klasse der Jahrgänge 2014/2017 ging an Eymen-Illay Kayikci aus Wörth, die Klasse der Jahrgänge 2005/2007 an Christian Siegrist aus Kaiserslautern.