Lambrecht RHEINPFALZ Plus Artikel Trio im Kampf um Nachfolge von Karl-Günter Müller

Lambrecht aus der Vogelperspektive.
Lambrecht aus der Vogelperspektive.

Vor der Wahl: In Lambrecht steht ein Wechsel an der Stadtspitze bevor. Karl-Günter Müller (FWG), der das Amt seit 2014 inne hat, tritt nicht mehr an. Um seine Nachfolge konkurrieren Tanja Bundenthal-Beck (FWG), Andreas Ohler (CDU) und Dirk Hedtke (BSW).

Karl-Günter Müller (FWG), Noch-Bürgermeister von Lambrecht, hat lange gezögert, bis er sich festgelegt hat in der Frage, ob er noch einmal kandidieren will. Wobei er durchblicken ließ, dass er sich eigentlich gerne zurückziehen und seiner Beigeordneten Tanja Bundenthal-Beck (FWG) den Vortritt lassen würde. Doch auch diese tat sich anfangs nicht ganz leicht mit der Entscheidung. Inzwischen stellt sie aber klar: „Ich will die Wahl gewinnen und mich als Bürgermeisterin in der Kommunalpolitik einbringen.“ Dabei hat sie zwei Gegenkandidaten: Andreas Ohler (CDU) und Dirk Hedtke (BSW). Es könnte also sein, dass es in Lambrecht zu einer Stichwahl am 23. Juni kommt.

Bundenthal-Beck: Wir sind Vereinsmenschen

Tanja Bundenthal-Beck sagt über sich und ihre Familie: „Wir sind Vereinsmenschen.“ Sie habe sich, genauso wie ihr Mann, immer engagiert, nicht zuletzt im Kindergarten und in der Schule. Inzwischen sind ihre drei Kinder mit 20, 17 und 12 Jahren aus dem Gröbsten heraus. Bundenthal-Beck verantwortet derzeit als Beigeordnete zentrale Geschäftsbereiche der Stadt wie den Bereich Bauen, Liegenschaften, öffentliche Einrichtungen, Friedhof, Kerwe und Geißbockspiel. Die gelernte Bauzeichnerin und CAD-Konstrukteurin ist außerdem in der Geschäftsführung der Gemeinschaftshaus Lambrecht GmbH tätig. „Mir macht das alles unglaublich viel Spaß“, sagt sie. Und sie will die zahlreichen Projekte, die in Lambrecht auf der Tagesordnung stehen, aber noch nicht spruchreif sind, weiter bearbeiten. Da gehe es zum einen um den geplanten Neubau einer Kita. Doch zunächst müsse geklärt werden, „für wie viele Kinder wir eigentlich bauen“, sagt Bundenthal-Beck. Wenn die evangelische Kita ganz wegfalle, rücke möglicherweise als Standort eines Neubaus wieder das Gemeinschaftshaus in den Fokus. Das sei für sie aber nur vorstellbar, wenn es in dem neuen Gebäude einen Gemeinschaftsraum geben und sich für die Bibliothek und den Sportlertrakt, die im Gemeinschaftshaus untergebracht sind, Lösungen finden. „Wir sind beim Gemeinschaftshaus abhängig von den Gewinnen der Stadtwerke“, verdeutlicht Bundenthal-Beck. Auch der Fortgang der Stadtkernsanierung liegt ihr am Herzen. „Ich bin in Lambrecht geboren, habe immer hier gelebt und will auch nirgends anders hin“, betont sie. Lambrecht habe viel zu bieten, und sie kämpfe dagegen an, dass die Stadt schlecht geredet werde.

Und wie kriegt man Familie, Beruf und Kommunalpolitik unter einen Hut? Bundenthal-Beck lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. „Es ist eine Frage der Organisation“, sagt sie. Sie sei nun einmal nicht der Typ, der nur zu Hause sitzen will. Und sie habe das Glück, dass sie von ihrer Familie gut unterstützt wird. „Das erleichtert mir das Leben sehr.“

Was sie noch ein bisschen trainieren müsse, wenn sie gewählt wird, seien die repräsentativen Aufgaben des Bürgermeisteramtes, räumt Bundenthal-Beck selbstkritisch ein. Bisher habe sie mehr im Hintergrund agiert.

Ohler: Gemeinschaftshaus zu teuer

Andreas Ohler geht in den Wahlkampf mit dem Motto: „Lambrecht kann mehr“. Und er verspricht, sich „zu kümmern“, persönlich Verantwortung zu übernehmen und ehrenamtliches Engagement zu stärken. In einigen Punkten der Stadtentwicklung hat der 58-Jährige, der mit seiner Firma BOOM in Haßloch spezielle Pumpen für den gewerblichen Bereich produziert, ganz genaue Vorstellungen. Zum Beispiel zum Thema Gemeinschaftshaus. „Ich würde mich gerne von diesem Gebäude trennen“, stellt er klar. Es sei zu groß, ein Umbau wenig sinnvoll. Sein Vorschlag: das Haus abreißen und an der Stelle eine Kita bauen, inklusive Mehrzweckraum, der etwa für Seniorennachmittage genutzt werden könnte. Nach seinen Angaben kostet das Gemeinschaftshaus derzeit rund 300.000 Euro jährlich – zu viel, wie er meint.

Der gebürtige Lambrechter sieht sich als „Schaffer“. Er wirke nicht „smart“, räumt er ein. Doch sein Sachverstand werde anerkannt. Wenn er zum Bürgermeister gewählt wird, wird sein erstes Projekt eine bessere Ausstattung des Bauhofs und eine Bestandsaufnahme bei den Straßen sein, kündigt er an. „Klotzen statt kleckern“ ist seine Devise in puncto Straßenausbau.

Ohler ist ein „alter Hase“ in der Kommunalpolitik, er sitzt seit 1994 im Stadtrat. Sein politisches Engagement reicht noch weiter zurück. Mit 16 Jahren trat er 1982 in die Junge Union ein. An der Spitze der Stadtratsfraktion steht er seit 2021. In einer schwierigen Phase habe er damals die Partei aufgebaut, sagt er nicht ohne Stolz. Auch gesellschaftlich engagiert er sich, die Liste seiner aktuellen und seiner früheren Funktionen ist lang. Derzeit ist Ohler, der verheiratet ist und eine erwachsene Tochter hat, unter anderem Vorsitzender des Fördervereins Seniorenhaus „Lambrechter Tal“.

Hedtke: Sehe mich als Außenseiter

Neben den beiden gestandenen Kommunalpolitikern sieht Dirk Hedtke sich in der Außenseiterrolle. „Ich würde mich freuen, wenn das Ergebnis zweistellig wäre, aber wenn es nur fünf Prozent sind, heule ich auch nicht“, macht er klar. Wenn man etwas verändern wolle, müsse man sich eben zur Wahl stellen, sagt er und bedauert, dass SPD und Grüne keine eigenen Kandidaten aufgestellt haben. Bei der Wahl gehe es außerdem darum, das Bündnis Sahra Wagenknecht, zu dem das frühere Mitglied der Linken übergetreten ist, ein bisschen bekannter zu machen.

Dirk Hedtke lebt seit 2000 in der Pfalz, geboren ist er in Cottbus, aufgewachsen in Ostberlin. 2005 trat er in die Partei WASG (Wahlalternative für Arbeit und Soziale Gerechtigkeit) ein und war dann nach dem Zusammenschluss von WASG und PDS bei der Partei Die Linke – bis zu diesem Frühjahr. In vielen Fragen zur Stadtentwicklung Lambrechts sei er noch nicht festgelegt, verdeutlicht Hedtke. Dafür gebe es noch zu viele offene Fragen. So sei zum Beispiel noch nicht klar, für wie viele Kinder ein neuer Kindergarten gebaut werden soll. Wie solle man da über die Standort-Frage entscheiden?

Hedtke bringt bei allen Themen eine soziale Sicht der Dinge mit ein. Beim Gemeinschaftshaus ist er in der Frage, Abriss und Neubau oder Sanierung nicht festgelegt. Doch wichtig sei ihm, dass in Lambrecht ein Treffpunkt erhalten bleibe. Und bei der Wallonenstraße hätte er am liebsten gesehen, wenn die Stadt das Gelände gekauft und selbst Wohnungen gebaut hätte. Doch er sieht auch ein: „Dafür gibt es offenbar kein Geld.“

Karl-Günter Müller stellt er ein gutes Zeugnis aus. „Er hat einen guten Job gemacht, aber Lambrecht ist eben finanzschwach“, fasst er zusammen. Und bedauert, dass bei dem Entschuldungsprogramm des Landes nicht alles übernommen worden ist. „Für einen Neuanfang wäre das wichtig gewesen.“

Die Meinung von SPD, SWG und Grünen

Für den Stadtrat (20 Sitze) kandidieren neben FWG, CDU und BSW die SPD, Bündnis 90/Die Grünen und die SWG. Wir haben deren Spitzenkandidaten Maximilian Henrich (SPD), Cinja Héraucourt (Grüne) und Hanne Hartmann (SWG) folgende Fragen gestellt: Was soll aus dem Gemeinschaftshaus werden? Und welches Thema sollte der künftige Bürgermeister vorrangig aufgreifen?

Hanne Hartmann (SWG): Aus meiner Sicht sollte unser Gemeinschaftshaus erhalten bleiben. Sollte es für eine Kindertagesstätte weichen müssen, werden frühestens die Kinder der jetzigen Kindergartenkinder dort einen Platz bekommen können. Denn bis das Gebäude abgerissen, der Schutt entsorgt und ein neues Gebäude errichtet ist, dauert lange und kostet viel mehr als jetzt geschätzt.

Vorrangige Themen: 1. Wohnraum statt Parkplätze: Der neue Bürgermeister sollte schnellstmöglich den Wallonenplatz mit Wohnraum bebauen und nicht mit einem Parkplatz. 2. Kommunalfinanzen: Die wichtigste Aufgabe ist, alles dafür zu tun, dass die Finanzierung der Kommunen auf ein vernünftiges Maß gebracht wird. Das bedeutet, dass der neue Bürgermeister auch mal klagen muss. Man kann sich von dieser Landesregierung und der Kommunalaufsicht nicht alles gefallen lassen. 3. Kita: Wir benötigen Plätze in unseren Kindertagesstätten 4. Zukunftsinvestitionen: Es wurden in letzter Zeit Immobilien veräussert, bei denen es wichtig gewesen wäre, wenn die Stadt sie hätte kaufen dürfen. Zum Beispiel das alte SBK-Gelände.

Maximilian Henrich (SPD): Das Gemeinschaftshaus ist in seiner aktuellen Form nicht zukunftsfähig. Es ist zu groß, verwinkelt, es fehlt eine Küche, eine ordentliche technische Ausstattung und es hat einen massiven Sanierungsstau. Eine Meinung darüber, ob es nun abgerissen, neu gebaut oder neu mit einer Kita gebaut werden soll, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht final geben. Klar ist allerdings, dass Lambrecht ein Gemeinschaftshaus braucht. Wenn es zum Abriss kommen sollte, muss eine Alternative geschaffen werden.

Vorrangige Themen: Zeit für ein Wunschkonzert gibt es nicht. Lambrecht ist leider chronisch unterfinanziert. Die Übernahme eines Großteils der Liquiditätskredite durch das Land gibt uns zwar Luft zum Atmen, aber dennoch ist keine Zeit zum Feiern. Alleine eine 4. Kita wird viele dieser „gewonnenen“ Millionen vernichten. Wir müssen wieder anfangen, an den Grundlagen zu arbeiten. Wir müssen kommunale Prozesse transparent machen und moderne Beteiligungsformen schaffen. Wir müssen dringend unsere Infrastruktur sanieren und freiwillige Leistungen erhalten. Wir brauchen mehr standardisierte Prozesse und mehr Digitalisierung im Rathaus.

Cinja Heraucourat (Grüne): Das Gemeinschaftshaus ist für viele Altersgruppen in unserem Ort und der Umgebung ein wichtiger Anlaufpunkt. Sei es die gute Gastronomie oder die geselligen Veranstaltungen in den Sälen, wie der Seniorennachmittag, Konzerte des Gesangvereins oder die Feiern der Lambrechter Gäsböck. Ebenso besuchen zahlreiche Kinder wöchentlich die Bücherei und haben hierdurch die Möglichkeit, ihrer Leselust nachzugehen, ohne hierfür hohe Kosten oder weitere Wege in Kauf nehmen zu müssen. Nicht zu vergessen sind die im Gemeinschaftshaus vorhandenen Umkleidekabinen des benachbarten Sportvereins, ohne die ein Spielbetrieb nicht möglich wäre. Bei allen Überlegungen zur Zukunft des Gemeinschaftshauses muss für uns Grüne stets der Erhalt dieser vielfältigen Angebote im Vordergrund stehen.

Vorrangige Themen: Wir erhoffen uns von der zukünftigen Stadtspitze vor allem, dass die wichtigen Themen wie Erneuerbare Energien, nachhaltige Mobilität und Natur- und Klimaschutz, insbesondere in unserem Biosphärenreservat, konsequent angegangen werden.

Tanja Bundenthal-Beck
Tanja Bundenthal-Beck
Andreas Ohler
Andreas Ohler
Dirk Hedtke
Dirk Hedtke
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