Neustadt Tofu vom Pfälzer Acker

91-87098535.jpg

Viele Südpfälzer wissen gar nicht, wie exotisch die Äcker der Südpfalz teilweise bestellt sind. Zwischen Weintrauben, Tabak und Mais wachsen auch Sojabohnen – seit fünf Jahren schon. Zwischen Herxheim und Offenbach hat das Soja-Netzwerk, ein Projekt der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, 17 Sojasorten auf zweieinhalb Hektar angebaut. Hier wird getestet, welche Sojasorten auf pfälzischem Boden am ertragreichsten sind. Ob es sich für Landwirte lohnt, die Hülsenfrucht anzubauen, war Thema bei einer Feldbegehung. Horst Frei vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinhessen-Nahe-Hunsrück (DLR) hat in der vergangenen Woche zehn Landwirte über die Vor- und Nachteile bestimmter Sojabohnen aufgeklärt. Die zehn anwesenden Landwirte lernten, dass zum Beispiel die Sorte Merlin hier nur schwach im Ertrag ist, im Gegensatz zur Sorte Primus. Und dass es frühe und späte Sorten gibt, abhängig davon, wann sie ausgesät und geerntet werden. Sieben Soja anbauende Betriebe gibt es in der Pfalz, die Soja zur Tofuherstellung, aber auch zur Futtermittelverwertung anbauen, darunter das Weingut Familie Martin aus Insheim, das neben Wein auch auf Mais und seit fünf Jahren eben auch auf Soja setzt – alles in Bio-Qualität. Sebastian Martin erinnerte sich an die Anfänge: „Wir haben unseren Ackerbau auf Bio umgestellt. Weil wir mit Soja auf ökologischem Weg wertvollen Stickstoff in den Boden bringen können, haben wir uns dafür als Fruchtfolgeerweiterung entschieden.“ Mit der Sorte Primus sei die Vermarktung gesichert – die Erträge gingen direkt an den Tofu-Hersteller Taifun Tofu in Freiburg. Sein Vater Karlfried sei im Internet auf das Unternehmen gestoßen. Der Versuchstechniker Peter Kerner aus Herxheim kümmert sich seit Beginn des Projekts um die Sojabohnen auf dem Feld zwischen Herxheim und Offenbach. Er ist dafür verantwortlich, die edlen Gewächse zu säen, zu pflegen und im Spätsommer zu ernten. „Soja kann man aber nicht einfach so in den Boden säen. Die Saatkörner müssen vorher geimpft werden“, sagte Kerner. Soja braucht sogenannte Knöllchenbakterien, um den Stickstoff aus der Luft für das Wachstum zu nutzen. Weil die Pflanze in unseren Breitengraden nicht heimisch ist, sind die Bakterien auch nicht im Boden vorhanden und müssen der Pflanze „eingeimpft“ werden. Ein großer Aufwand für so eine kleine Pflanze. „Eigentlich ist Soja recht unkompliziert“, sagte Sebastian Martin. „Wenn er gesät und gehackt, also das Unkraut entfernt ist, kann man ihn eigentlich bis zur Ernte in Ruhe lassen.“ Aber nicht immer läuft es rund. Eine Landwirtin sprach von einem Problem mit Tauben, ein anderer von Krähen, die sich an den Gewächsen labten. Eine Landwirtin hat ein paar halb vertrocknete Pflanzen mitgebracht. Die Diagnose von Janina Schmid vom Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg: „Entweder sind die Pflanzen krank oder vom Wetter gezeichnet.“ Auf zehn Quadratmeter kämen bei guten Ernten vier bis fünf Kilogramm Ertrag, sagte Kerner. Bei den Martins waren es laut Karlfried Martin 2015 auf 22 Hektar 2,7 Tonnen Sojabohnen. Das mache 5,4 Tonnen Tofu, wie Fabian von Beesten von Taifun Tofu erklärte. Aus einer Tonne Soja könnten zwei Tonnen Tofu produziert werden. Bleibt die Frage, ob sich der Soja-Anbau für die Landwirte auf den hiesigen Feldern lohnt. Die Meinungen darüber gehen auseinander. Karlfried Martin sagte: „Ein Jahr ist super, das nächste ist zum Weinen. Aber im Durchschnitt sind wir zufrieden.“ Für einen Landwirt aus Offenbach kommt der Anbau nicht infrage: „Es wäre eine Option gewesen, wenn die Erträge nicht so gering wären.“ Noch seien Ernteergebnisse hier ziemlich schlecht, der Soja-Anbau eine Nische, sagte Versuchstechniker Kerner. Auf dem Feld des DLR wird deshalb fleißig weitergetestet. |bje

x