Neustadt
Schrebergärten: So kam die Polizei auf die Spur der Diebe
Schrebergärten tauchen in der Kriminalitätsstatistik für 2022 relativ häufig auf. Es gab im April ein Tötungsdelikt in einer Kleingartenanlage zwischen Haßloch und Neustadt. Der Fall ist geklärt und wurde schon vor Gericht verhandelt. Darüber hinaus hatten es die Ermittler in 67 Fällen mit Diebstählen aus Gartenhäusern zu tun, wie Markus Sicius, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Neustadt, bei der Präsentation der Zahlen erläuterte.
Er wählte dieses Beispiel, um aufzuzeigen, wie sich Ermittlungsarbeit im Alltag oft darstellt. Es seien verschiedene Täter am Werk gewesen – und immerhin eine Festnahme gelang. Jede Tat klang eher unspektakulär. Am Ende kam aber doch eine Schadenssummer von 47.000 Euro zusammen. Die Festnahme gelang der Polizei am frühen Morgen des 15. November. Ein Kleingarten-Besitzer übernachtete in seinem Häuschen und wurde so auf „komische“ Geräusche aufmerksam, weshalb er die Polizei informierte. Dass eine Streife schnell vor Ort war, weil es ja schon mehrere Diebstähle in Gartenkolonien gegeben hatte, sorgte für den ersten Durchbruch. „Die Diebe konnten nicht mehr vom Gelände wegfahren“, sagte Sicius. Folglich entdeckten die Polizisten auf dem Gelände an der L532 zwischen Neustadt und Haßloch ein Auto und einen Anhänger. Die Täter waren zu Fuß geflüchtet und hatten ihre Beute zurückgelassen.
Zeugen wichtig
In dem Anhänger fanden die Polizisten „hochwertige Gartengeräte“, wie einen Aufsitzmäher und einen Freischneider. „Alles war schon bereit für den Abtransport“, so Sicius. Mit einer sofort eingeleiteten Fahndung kam die Polizei auf die Spur der geflüchteten Täter und konnte die zwei Männer (31 und 45 Jahre alt) festnehmen. Die Polizei konnte dank des Navis im zurückgelassenen Auto eine Adresse in Niederkirchen ausfindig machen. Am dortigen Sportplatz stand ein weiterer Anhänger mit noch mehr Diebesgut. „Anhand der Ermittlungen in dieser Nacht konnten wir vier Taten aufklären. Der Gesamtschaden lag bei 15.000 Euro“, erläuterte Sicius. Die Kriminalspezialisten fanden an Zigarettenstummeln zudem DNA-Spuren. Der Abgleich mit der Datenbank ergab weitere Querverbindungen zu Taten in der Vorderpfalz, in Rheinhessen und an der Bergstraße. Für Sicius zeigt der Fall, wie wichtig es ist, dass sich Zeugen melden.
Zur Sache: Zahlen der Polizei
Laut Markus Sicius, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Neustadt, sind die Zahlen der Kriminalitätsstatistik 2022 dadurch geprägt, dass es keine Corona-Einschränkungen mehr gab. Damit lasse sich erklären, dass es einen Anstieg der gemeldeten Fälle von 4033 im Jahr 2021 auf nun 4368 gab. „Die Läden waren wieder komplett geöffnet, und es gab wieder Feste, also Gelegenheiten für Taten“, so Sicius. Denn parallel zum Anstieg der Fallzahlen für die Stadt Neustadt und die Verbandsgemeinde Lambrecht gab es entsprechende Zunahmen bei den Diebstählen und Körperverletzungen. Daher wählt Sicius lieber den Fünf-Jahres-Vergleich und sagt entsprechend: „Wir bewegen uns auf einem Niveau wie vor der Pandemie.“ 2732 Fälle konnten von der Polizei aufgeklärt werden. Die Aufklärungsquote von 62,5 Prozent sei „leicht unter dem Landesdurchschnitt.“ Ein großes Thema bleibe Gewalt gegen Polizisten bei Einsätzen. 67-mal sei so etwas im Jahr 2022 vorgekommen, zwölf Polizisten seien bei Einsätzen leicht verletzt worden. Neunmal wurde wegen aggressiver Täter zum Taser gegriffen und 25-mal wurden Tatverdächtige von Polizisten gefesselt.
