Neustadt
Neues Werk: Mehr Wasser für Neustadt
Das zweite Wasserwerk „ist für eine sichere Wasserversorgung unverzichtbar“, sagte Bürgermeister Stefan Ulrich beim Spatenstich am Freitag – und freute sich über den Start der Arbeiten. Freude dürfte auch in Nachbargemeinden herrschen, denn die Stadtwerke versorgen auch Maikammer, Deidesheim und Wachenheim. Der Großteil des Wassers stammt aus dem Ordenswald. Rund 90 Prozent kommen von dort, 3,5 Millionen Kubikmeter im Jahr. Der Rest wird im Lambrechter Tal entnommen. Diese Menge wird künftig womöglich nicht reichen, jedenfalls rechnen die Stadtwerke für das Jahr 2050 mit einem Bedarf von 4,2 Millionen Kubikmeter. Das hänge mit den erwarteten höheren Temperaturen im Zuge des Klimawandels zusammen, erläuterte Ulrich, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Werke ist, im Vorfeld gegenüber der RHEINPFALZ. Auch Oberbürgermeister Marc Weigel sagte am Freitag, dass die globale Herausforderung Wasserknappheit in Neustadt angekommen sei: „Wir müssen uns ernsthaft damit auseinandersetzen, wie wir sparsam mit dem Wasser umgehen können.“ Stadtwerke-Geschäftsführer Holger Mück verwies zudem darauf, dass allein durch das Neubaugebiet „Jahnplatz“ in Lachen-Speyerdorf langfristig 400 Neubürger zu versorgen seien.
Ersatzteile passten nicht
Doch das sind nicht die einzigen Gründe, weswegen die Bagger nun im Ordenswald rollen: Die Stadtwerke wollen auch die starke Abhängigkeit von einem Wasserwerk reduzieren. 1976 gebaut, zeichnet sich der Sanierungsbedarf ab. Aufgrund der Bauweise müsste es für größere Arbeiten komplett vom Netz genommen werden, erklärte Stadtwerke-Geschäftsführer Holger Mück. Das sei aber nicht möglich, weil Neustadt dann das Wasser ausgehen würde. Auch wenn das Werk wegen einer Störung plötzlich ausfallen würde, wäre ein Großteil der Versorgung weg.
Einen Vorgeschmack auf ein solches Szenario gab es vor drei Jahren. Damals hatten die Stadtwerke festgestellt, dass es in einem Rohr, durch das laut Mück „jeder Tropfen Wasser des gewonnenen Trinkwassers fließen muss“, massive Kalkablagerungen gab. Für den Austausch dieser „Hauptschlagader“ suchten sich die Verantwortlichen die Nacht vom 12. auf den 13. Juni 2021 aus. Denn für jene Tage war schlechtes Wetter prognostiziert, der erwartete Wasserverbrauch damit eher niedrig. Doch die Meteorologen irrten, „der 12. Juni war ziemlich heiß“, erinnerte sich Ulrich. Es kam noch schlimmer. Als es an den Austausch des Rohres ging, zeigte sich, dass die Herstellerfirma sich verrechnet hatte: Die Ersatzteile passten nicht. Nachts um zwei Uhr fiel die Entscheidung, die harten Kalkablagerungen händisch rauszustemmen. „Mit Schlagbohrmaschinen und Vorschlaghammer auf bergmännische Weise“, erzählte Mück. Es war einiges zu tun: „Wir hatten das Zeug am Ende körbeweise.“ Für Ulrich hatte die Sache aber auch ein Gutes, denn danach seien die Planungen für ein zweites Wasserwerk vorangetrieben worden.
Wenn das neue Werk planmäßig im Frühjahr 2026 in Betrieb geht, werden solche Situationen den Verantwortlichen weniger Schweißperlen auf die Stirn treiben. Wobei das künftige Werk nicht ganz die Kapazität des alten hat. Während das alte Werk 900 Kubikmeter Trinkwasser pro Stunde produzieren kann, liegt das neue bei 540 Kubikmetern. Aber an drei Viertel der Tage im Jahr könne damit die Wasserversorgung gestemmt werden, erläuterte Mück. Ein hundertprozentiger Ersatz hätte die Kosten in die Höhe getrieben, begründete der Geschäftsführer, warum die Wahl auf diese Lösung fiel. Die Sanierung des alten Werks werde dann im Winter erfolgen, wenn weniger kostbares Nass gebraucht werde.
Fest für die Bürger
Mit insgesamt 19,5 Millionen Euro soll die Neustadter Wasser-Infrastruktur in den kommenden Jahren fit gemacht werden. Der dickste Batzen entfällt mit rund 9,3 Millionen Euro auf den am Freitag symbolisch begonnenen Neubau – die höchste Einzelinvestition in der Geschichte der Stadtwerke. Wobei vom Landesumweltministerium laut Mück eine Förderung in Höhe von 3,4 bis 3,5 Millionen Euro zu erwarten ist. Die Förderung sei nur möglich gewesen, weil die Stadtwerke keine Gewinne aus der Wasserversorgung ausschütten, betonte der Geschäftsführer. Das Geld verbleibe in der Sparte.
Die Technik im neuen Wasserwerk werde im Grunde die gleiche sein wie im alten, nur energieeffizienter. „Unsere Vorgänger haben da gute Arbeit geleistet“, lobte Mück. In Sachen Brandschutz und Schutz vor Überflutungen gibt es allerdings einigen Nachholbedarf. Das neue Wasserwerk wird deshalb etwas höher gebaut, um besser vor Überflutungen geschützt zu sein. Zu einer solchen ist es im alten Werk zwar nie gekommen, aber der Klimawandel mache derartige Ereignisse wahrscheinlicher, gab Ulrich zu bedenken. Auch für einen Stromausfall ist man künftig besser gewappnet. Ein stationäres Notstromaggregat wird den ganzen Standort versorgen können.
Wenn das neue Wasserwerk 2026 fertig ist, steht das ältere seit 50 Jahren. Beide Anlässe seien Grund zu feiern, findet Mück. Er erinnerte daran, dass es früher regelmäßig ein Wasserwerk-Fest mit Führungen für die Bevölkerung gegeben habe. So etwas schwebt ihm wieder vor.
