Neustadt
Nach dem Waldbrand: Wie Anwohner mit der Situation zurechtkommen
Ihre Dankbarkeit können Anna und Frieder Quasthoff kaum in Worte fassen. Was die Neustadter Feuerwehr am Mittwoch und bis weit in die Nacht auf Donnerstag hinein geleistet habe, sei unbeschreiblich, sagt Frieder Quasthoff. Zusammen mit seiner Frau und den drei kleinen Kindern lebt er seit 13 Jahren am Ende der Hambacher Käsgasse. Zwei Ferienwohnungen gehören zum Anwesen, Schafe, eine Bienenzucht. „Naturoase“ in der Mitte der Deutschen Weinstraße, lautet der Werbeslogan.
Am Donnerstag gegen 8.30 Uhr sind die Quasthoffs gerade dabei, ihre Blumenkästen auf der Terrasse zu wässern. Geschlafen haben sie nicht, ihre Kinder sind bei Freunden untergebracht. Lägen nicht noch Wasserschläuche, stünden nicht noch etliche Mineralwasser-Kisten herum und hinge kein ätzender Brandgeruch in der Luft, sähe auf den ersten Blick alles nach einem normalen Tag aus.
Schnell nach Hause
Der Eindruck ist natürlich trügerisch. Denn das Quasthoffsche Anwesen ist gerade mal so der Feuersbrunst vom Mittwochnachmittag entkommen. Vor allem dank des ersten Feuerwehr-Trupps, ist Frieder Quasthoff überzeugt. „Die waren alle total auf Zack, haben alles daran gesetzt, die Flammen mit Wasser vom Haus abzuhalten.“ Was der Feuerwehr half: Wasser konnte aus zwei Teichen, die zum Anwesen gehören, gepumpt werden.
Als das Feuer ausbrach, wusste die Feuerwehr zunächst nicht, ob sich Menschen in dem Anwesen aufhalten. Das war aber nicht der Fall. Frieder Quasthoff erzählt, er sei von einem Freund, der bei der Feuerwehr Geinsheim aktiv ist, auf seiner Arbeitsstelle in Wörth informiert worden: „So schnell bin ich noch nie nach Hause gefahren.“ Auch seine Frau war nicht daheim. Als beide vor Ort waren, haben sie zunächst die Kinder weggebracht.
Schafe als Helfer
Zu Beginn sei das Feuer relativ klein gewesen, beschreibt Quasthoff die Lage. Dann habe es sich in Windeseile ausgebreitet, sei steil nach oben bis zum Weg unterhalb des Schlosses und zudem wie ein Keil Richtung Westen zur „Naturoase“, begünstigt durch den Wind. Aus seiner Sicht günstig: Eine von seinen Schafen gerade abgefressene Weide wirkte wie eine Art Puffer. „Und zum Glück waren die Schafe kurz vorher auf die andere Seite des Weges gewechselt.“ Weniger Glück hätten seine Bienenvölker gehabt, die von der Gluthölle und dem Rauch nahezu in den Wahnsinn getrieben worden seien.
Die Feuerwehr sei selbst überrascht gewesen, wie schnell das Feuer übergegriffen habe, sagt Frieder Quasthoff. Neben ihres unglaublichen Einsatzes habe sich bewährt, dass die Neustadter Wehr im vergangenen Jahr dort eine Übung veranstaltet habe: „Sie kannten das Gelände.“ In den nächsten Tagen wird er sich nun ans Reparieren einiger Zäune machen. „Nur Sachschaden, das ist leicht zu verkraften.“
Sorge um Nachbarn
Was die Quasthoffs noch am Mittwoch umgetrieben hatte, war die Sorge um einen älteren Herrn, der ein Wochenendgrundstück entlang der Käsgasse auf der Seite zum Schloss hin gepachtet hat. Er sei oft jeden Tag da. Dass sie sein Auto mit LU-Kennzeichen am Mittwoch aber nicht gesehen hatten, deuteten sie als Zeichen, dass es ihm vielleicht zu heiß gewesen sei.
Der ältere Herr heißt Hartmut Weber und ist am Donnerstagmorgen dabei, das zu inspizieren, was von der Anlage übrig geblieben ist. Seit 1962 hat seine Familie an der Käsgasse ein Grundstück. Was er nun machen wird, lässt er zunächst offen. Allzu groß ist der Schaden. Seine Hütte ist abgebrannt, viele Pflanzen von Lavendel bis Rebstöcke sind Geschichte. Gefasst, aber nichtsdestotrotz bestürzt geht er auf den verschiedenen Terrassenebenen hin und her und erzählt, was dort bislang gestanden hat.
Wo alles entsorgen?
„Wissen Sie, wo man das entsorgen kann, oder wie ich das am besten mache?“, fragt er. Vielleicht kann die Feuerwehr oder aber die Stadtverwaltung weiterhelfen. Vom Brand hatte er noch am Mittwoch erfahren, „mein Bruder hatte mich angerufen“. Und er hat darauf gehofft, dass nicht gerade sein Grundstück betroffen sein möge.
Auch dort steigen überall noch kleine Rauchschwaden aus dem Boden. Die Erde ist noch immer sehr heiß. „Es wird noch mal versucht, von oben zu sprinklern“, sagt der Neustadter Brand- und Katastrophenschutzinspekteur Stefan Klein. Vor allem aber „hoffen wir natürlich auf Regen“, sagt Klein, auch wenn die Feuerwehr die Sache im Griff habe.
Schwierige Ermittlungen
Die Brandursache zu ermitteln, liegt nun bei der Kriminalpolizei. Dass das keine leichte Aufgabe sein wird, vor allem aber nicht unbedingt zum Erfolg führt, liegt auch für Stefan Molter, Sprecher der Polizeidirektion Neustadt, auf der Hand.
Der Waldbrand bei Hambach war am Mittwochnachmittag ausgebrochen und erstreckte sich auf rund sieben Hektar Fläche zwischen der Käsgasse und dem Hambacher Schloss. Um das Feuer zu bekämpfen, waren neben der Neustadter Feuerwehr auch Kräfte aus den Landkreisen Bad Dürkheim, Südliche Weinstraße, Germersheim und dem Rhein-Pfalz-Kreis im Einsatz. Ein Löschhubschrauber der Polizei war zusätzlich alarmiert worden. Er tankte Wasser aus fast allen offenen Gewässern in der Region. So unschön der Anlass auch war, Brand- und Katastrophenschutzinspekteur Stefan Klein ist zufrieden: „Die Zusammenarbeit hat hervorragend geklappt.“
Arbeiten an Rohrbruch
In der Mittelhambacher Straße arbeiten die Stadtwerke Neustadt am Donnerstagvormittag ebenfalls auf Hochtouren. Anlass: ein Wasserrohrbruch. Die Stadtwerke hatten die Feuerwehr mit einer möglichst großen Wassermenge unterstützt, wie Patrick Schilling erläutert. Wegen der damit notwendigen Höchstlast sei eine Rohrleitung kaputtgegangen. Das habe sich aber weder auf die Löscharbeiten noch auf die Wasserversorgung in Hambach negativ ausgewirkt. Vier Mann waren deswegen am Mittwoch im Einsatz, hinzu kamen vier weitere aus dem Bereich Strom: Diese hatten aus Sicherheitsgründen die Freileitung Ecke Ander-/Käsgasse abgeschaltet. „Auf Wunsch der Feuerwehr“, so Schilling der auch er „eine hervorragende Zusammenarbeit“ bescheinigt.
