Maikammer
Karl Schäfer: Großer Abschied für den „Möglichmacher“
Rund 250 Besucher, darunter viel politische Prominenz, zahlreiche Wegbegleiter, Bürgermeisterkollegen, Vereinsvertreter und Maikammerer Bürger, waren zur Verabschiedung des Altbürgermeisters gekommen. Gleichzeitig wurde Karl Schäfer offiziell zum Ehrenbürger ernannt. Markus Sell (SPD), sein Nachfolger im Amt des Ortsbürgermeisters, überreichte ihm die Urkunde.
Die Festredner, allen voran Landrat Dietmar Seefeldt (CDU), betonten übereinstimmend, das kommunalpolitische Wirken Schäfers als Verbands- und Ortsbürgermeister nur anreißen zu können: So viele Entwicklungen und Projekte habe dieser in seiner insgesamt 41-jährigen Amtszeit, davon 34 Jahre als Verbandsbürgermeister und 30 Jahre als Ortsbürgermeister, angestoßen und mit dem ihm eigenen Durchhaltevermögen umgesetzt. „Eine Lebensleistung, die kaum in Worte zu fassen ist“, sagte Seefeldt in seiner Laudatio. In den vielen Jahren, in denen Schäfer und er miteinander politisch gewirkt hätten, sei er zur Erkenntnis gekommen: „Dieser Mann findet immer Mittel und Wege. Wenn er von etwas überzeugt ist, wird das auch Realität.“ Die Entwicklungen der Verbands- und der Ortsgemeinde in Schäfers Amtszeit würden noch lange nachwirken. „Das ist Champions League“, so Seefeldt. Maikammer sei in diesen Jahren „eine der attraktivsten Ortsgemeinden in der Republik geworden“.
Seefeldt: Innovative Ideen und großes Netzwerk
Eine beeindruckende Anzahl von 70 Projekten habe Schäfer in Angriff genommen. Dabei habe er sich als „Meister in der Generierung von Fördermitteln“ erwiesen. Seefeldt mit einem Augenzwinkern: „Es ist einfacher, die Projekte aufzuzählen, für die es keinen Zuschuss gegeben hat.“ Als „Sahnehäubchen“ bezeichnete er das neue Tourismusbüro, das in Deutschland seinesgleichen suche. Dass es heute eine Gebrüder-Ullrich-Realschule plus Maikammer-Hambach gebe, sei nicht zuletzt auf Schäfers Überzeugungsarbeit zurückzuführen. Für dessen erfolgreichen Einsatz gegen die Zwangsfusion mit der VG Edenkoben 2015 attestierte ihm der Landrat politisches Geschick und Durchhaltevermögen: „Ohne einen Bürgermeister wie ihn wäre die Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs anders ausgefallen.“
Seefeldt streifte die ersten beruflichen Stationen Schäfers in Baden- Württemberg, bevor er 1983 mit gerade mal 30 Jahren zum Verbandsbürgermeister gewählt wurde – und zwar mit den Stimmen von CDU und SPD. Nach der ersten Bürgermeister-Urwahl 1994 sei Schäfer fünfmal wiedergewählt worden, zuletzt 2019.
Der Landrat zählte eine lange Reihe von Projekten auf, die mit dem Namen Schäfer verbunden sind. Darunter waren im Verkehrsbereich der Bau des Parkdecks sowie der fünf Kreisel, das innerörtliche Parkraum-Bewirtschaftungskonzept und das barrierefreie Fußwegeleitsystem. Seefeldt erinnerte an den Ausbau der sozialen Infrastruktur mit dem Bau des Pflegeheims St. Pirmin der Stiftung Liebenau sowie des Gesundheitszentrums, der Erweiterung der Kita Abenteuerland und der Einrichtung einer Tagespflege zusammen mit dem Gemeinnützigen Siedlungswerk Speyer und der Ökumenischen Sozialstation Neustadt. Dass bei vielen dieser Projekte ein Träger gefunden wurde, „fällt nicht vom Himmel“, so Seefeldt. Bei der Umsetzung solcher innovativer Ideen habe Schäfer stets sein großes Netzwerk genutzt.
Seefeldt erwähnte daneben die Investitionen in die Sportinfrastruktur wie beispielsweise die Sanierung des Kunstrasenplatzes und viele Maßnahmen zur Vereinsförderung. Die Sanierung der „Guten Stube“ im Bürgerhaus, die Restaurierung des Hauses Lotter in der Marktstraße, die Neugestaltung des Marktplatzes und die Erschließung neuer Baugebiete sowie die Ansiedlung des Wasgau-Einkaufsmarkts nannte Seefeldt – unter anderem – als weitere Projekte, die Schäfer vorangetrieben habe. Schon früh habe Schäfer die Bedeutung der Nahwärme für Neubaugebiete erkannt und dem Klima- und Artenschutz ein besonderes Gewicht beigemessen. „Stillstand ist Rückschritt“ sei das Motto des Altbürgermeisters gewesen, der große Fußstapfen hinterlasse. „Ein verdienter Ehrenbürger“, schloss Seefeldt.
Flach: Schäfer hat die Ortsgemeinde gelebt
„Vieles, was hier entstanden ist, trägt die persönliche Handschrift von Karl Schäfer“, sagte Verbandsbürgermeisterin Gabriele Flach (CDU). Mit Weitsicht habe er sich dafür engagiert, „dass Maikammer ein lebens- und liebenswerter Ort geworden ist“. Auch sie erinnerte an viele Projekte in Schäfers Amtszeit, die das Leben der Menschen erheblich verbessert hätten. Einem „außergewöhnlichen Menschen“ werde die Ehrenbürgerwürde verliehen, so Flach. Schäfer habe „die Ortsgemeinde gelebt“.
Wolfgang Rheinwalt, Vorsitzender des AC Maikammer, dankte Schäfer stellvertretend für die örtlichen Clubs für die Unterstützung der Vereine. Dank dessen guter Vernetzung hätten viele Zuschüsse generiert werden können. Zudem übernehme Schäfer bis heute immer wieder auch Verantwortung in Vereinen – vom Vorsitz bis zum sonntäglichen PWV-Hüttendienst „einschließlich Geschirrspülen“.
Gebhart: Leidenschaft, Verantwortung, Augenmaß
Der südpfälzische CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Gebhart lobte das erfolgreiche Wirken Schäfers, der sich in herausragender Weise für Maikammer eingesetzt habe. Er attestierte ihm die wichtigsten Qualitäten eines guten Politikers, die laut dem Soziologen Max Weber „Leidenschaft, Verantwortungsgefühl und Augenmaß“ sind. Schäfer habe ein breites Netzwerk aufgebaut und erfolgreich genutzt. Die „enorm ausgebaute Infrastruktur“ Maikammers sei Ergebnis einer klugen Politik, die Schäfer mit anderen zusammen, aber maßgeblich betrieben habe. Selten erlebt habe er einen Bürgermeister, der sich wie bei der drohenden Zwangsfusion so intensiv in ein Thema „reingefuchst“ habe. Gebhart: „Ein Thema, das ihm unter die Haut ging. Er hat gespürt, dass das nicht rechtens ist.“ Und am Ende sei das Gericht Schäfers Argumentation gefolgt.
Schäfer: Zufrieden und ein bisschen stolz
Schäfer selbst sagte, Richtschnur seines Handelns sei eine Sachpolitik, ausgerichtet allein am Wohle der Bürger, gewesen. Ein besonderes Anliegen sei ihm gewesen, die Infrastruktur in allen Bereichen des dörflichen Lebens auszubauen und zu optimieren. „Nur wo sich Bürger wohlfühlen können, werden sie sich auch engagieren.“ Mit Zufriedenheit und auch ein bisschen Stolz könne er auf seine Amtszeit zurückblicken. Gemeinsam mit den Gremien und den engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung sei es gelungen, Maikammer zu einem attraktiven Gemeinwesen zu entwickeln. Viele Projekte hätten zusammen mit Partnern aus der Wirtschaft und sozialen Einrichtungen umgesetzt werden können. Dabei habe er in den Gremien immer offene Ohren gefunden. Stets seien Beschlüsse zur Zusammenarbeit einstimmig gefasst worden. Unter anderem hob er in diesem Zusammenhang die Sanierung des Hauses Lotter und die Tagespflegeeinrichtung hervor.
Das Engagement der Vereine, Organisationen, Kirchengemeinden und vieler Bürger habe ihm die Arbeit erleichtert, so Schäfer, der auch den Gremien und den Beigeordneten dankte. Dass Maikammer trotz vieler Investitionen schuldenfrei sei, gebe ihm am Ende seiner Amtszeit ein „gutes Gefühl“ , so Schäfer.