Neustadt
Jubiläumskonzert des „Neustadter Figuralchors“
Die Gründungsphase sei zunächst etwas holprig verlaufen, blickt der Leiter des „Neustadter Figuralchor“, Fritz Burkhardt in leichtem Schmunzelton zurück. Denn von der ersten „Schnupper“-Probe bis zur Konzert-Premiere am 31. Mai 2008 in der Hambacher St. Jakobuskirche sollten noch einmal ganze 17 Monate ins Land gehen.
Jetzt, 15 Jahre später, hat das mittlerweile fest im hochklassig besetzten Vokalspektrum der Stadt verankerte Kammerensemble allen Grund, sein kleines Jubiläum festlich zu begehen. Es tut dies, gemeinsam mit Bezirkskantor Simon Reichert an der Orgel, am Samstag, 17. Juni, in der Protestantischen Kirche Haardt mit einem Programm, das geistliche Musik von Schütz über Bach bis zu Mendelssohn und weltliche Canzonen von Haßler und Giovanni Gastoldi bringt.
Ergänzung bestehender Angebote
Die Initialzündung verdankt der Kammerchor dem Journalisten und Musiker Markus Pacher, der seinen Freund Fritz Burkhardt – Schulmusiker, Geiger von Graden und Spezialist für historisch informierte Aufführungspraxis – nicht erst lange überreden musste. „Uns schwebte ein Kammerchor mit ausgewogenen Registerverhältnissen vor, bestehend aus etwa zwanzig ambitionierten, Musik erfahrenen Sängerinnen und Sängern, die das Interesse für Alte Musik, insbesondere der Vokalpolyphonie des 17. und 18. Jahrhunderts, miteinander verbindet“, so Pacher. „Und selbstredend nicht gedacht als Konkurrenz etwa zum Neustadter Vokalensemble, das eher in Richtung Zeitgenössischer Musik unterwegs ist, sondern als Ergänzung bestehender Angebote.“
Der Einstieg sei zunächst etwas turbulent, die Fluktuation in der Findungsphase durchaus heftig verlaufen, so Fritz Burkhardt. „Ich wusste natürlich genau, was ich wollte, welche Qualiätsstandards einfach erfüllt sein mussten, um musikalisch zielführend arbeiten zu können. Manchem waren die Hürden zu hoch, die Probenintensität zu anstrengend. Andere reizte gerade dieser Anspruch.“ Nach und nach aber etablierte sich das Ensemble zu fester Gemeinschaft.
Purcell am Anfang
Hatte zu Beginn noch Henry Purcell als Namensgeber und programmatische Galionsfigur gedient, bildete der neue Name „Neustadter Figuralchor“ die sich erweiternde Repertoire-Breite angemessen ab. „In den ersten Jahren haben wir Purcells Oeuvre rauf- und runterbuchstabiert“, erinnert sich Markus Pacher. „Zur Aufführung kamen Anthems, Lieder und natürlich „Fairy Queen“ und „Dido und Aeneas“ in halbszenischer Aufführung.
Aber nach und nach wollte das ergänzt, ausgeweitet werden und es öffnete sich mit der allmählich konsolidierten Besetzung zwischen 25 und 30 teils sogar ausgebildeter Stimmen ein Epochen übergreifendes Erprobungsfeld im A-cappella-Gesang.
Geprobt wurde und wird bis heute im großzügigen Anwesen von Fritz Burkhardt in der Hambacher Weinstraße. Man trifft sich vielfach blockweise an aufeinanderfolgenden Tagen ein- oder zweimal im Monat, immer mal in der Vorbereitung zu neuen Programmen auch zu Registerproben. Termine werden von Fall zu Fall vereinbart, Flexibilität, die auch den saisonal belasteten Mitgliedern – Winzer sind mit im Boot, Berufsmusiker, die mal auf Tournee unterwegs sind – entgegenkommt.
Als exquisiter instrumentaler Partner gesellt sich das ebenfalls von Fritz Burkhardt geleitete „Ensemble 1800“ hinzu, so entsteht eine musikalische Symbiose auf Augenhöhe, die den Anspruch der adäquaten barocken Aufführungspraxis perfektionieren hilft.
Einladungen von außen
Zwei Klangkörper, die in jeweils eigener Weise sehr souverän und kundig mit den farbenreichen rhythmischen und agogischen Elementen der Renaissance- und Barockmusik zu prunken wissen. Der Figuralchor sang auch das Requiem von Mozart, die Paukenmesse von Haydn (beim Festival „Neustadter Herbst“ 2021), die „Messe de Pauvres“ von Eric Satie oder auch Lieder von Brahms.
Es kommen auch Einladungen von außen: So gab es bejubelte Auftritte unter anderem in Kaiserslautern, Speyer, Ludwigshafen, Rheinacker und mehrfach in Marmoutier. Solche Auftritte eröffnen zusätzlich die Möglichkeit, Konzerteinnahmen und Spenden generieren. Druckkosten für Werbematerialien, Honorare für Solisten und anderes, das will bezahlt sein. Sponsoren waren ebenfalls im Boot. Nicht zuletzt mit ihren „Hüttendiensten“ auf der Hohen Loog hat sich die Chorgemeinschaft schon mehr als nur einen roten Heller verdient. „Anstrengende Wochenenden, die aber das Gemeinschaftgefühl ungemein stärken“, schwärmt Winzerin Christina Corbet, die seit Jahren mit ihrem Mann im Figuralchor verankert ist.
Info
Der Eintritt zum Konzert ist frei. Im Anschluss wird zu einem festlichen Umtrunk im Kirchgarten eingeladen.