Hassloch
Handball: Kabinenpredigt hilft Haßloch im Heimspiel gegen Pohlheim
Der Frust saß tief. Mit dem Pausenpfiff ging Kapitän Kevin Seelos mit großen Schritten in die Kabine und schrie seine Enttäuschung heraus. Zu diesem Zeitpunkt lief für ihn wie für die Mannschaft nicht viel im Heimspiel des Handball-Drittligisten TSG Haßloch gegen die HSG Pohlheim. „Ich war ein Fremdkörper im Spiel“, haderte Seelos mit sich selbst. Nicht viel besser lief es bei seinen Nebenleuten. Zwar legten die Bären von Beginn an stets vor, aber die Gäste aus Pohlheim mit ihren ehemaligen Bundesligaspielern Moritz Lambrecht und Stefan Lex kamen immer wieder heran und gingen noch vor der Pausen erstmals in Führung.
Pohlheim agierte diesmal mit einer 5:1-Deckung und brachte Haßloch etwas aus dem Rhythmus. Während die TSG-Defensive mit nur 14 Gegentoren im ersten Abschnitt solide auftrat, kamen die Schützlinge von Coach Andreas Reckenthäler vorne zunächst nicht in ihr Tempospiel. „Uns war klar, dass Pohlheim mit seinen erfahrenen Spielern kein leichter Gegner ist“, sagte Konstantin Herbert.
Haßloch ohne Leidenschaft
Es fehlte aber auch die Leidenschaft. Neben Emotion und Bereitschaft einer von drei Begriffen, an die Cheftrainer Andreas Reckenthäler in seiner Kabinenpredigt erinnerte. Dazu wagte er eine personelle Veränderung, die sich als richtige Entscheidung erwies. Für Kapitän Kevin Seelos brachte er im linken Rückraum Konstantin Herbert. Der junge Südhesse zeigte Mut und Entschlossenheit, bewies, dass er im Rückraum eine Alternative ist. So glich Herbert zum 13:13 aus, besorgte sogar die erste TSG-Führung zum 16:15. Ein Talent, das zeigte, was in ihm steckt.
Mit seinen Toren ging einen Ruck durch das Team. Die Emotionen waren wieder da. Haßloch zog auf 18:15 (37.), 22:18 (43.) davon. Auch weil Lars Hannes, der in seiner neuen Rolle als Spielmacher immer mehr Verantwortung übernimmt, selbst die Lücke vor dem gegnerischen Tor fand. Hannes: „Wir standen uns in der ersten Hälfte selbst im Weg, wir hatten nicht die Aggressivität, die wir in diesen Spielen brauchen. Zum Glück hat sich das in der zweiten Hälfte geändert.“ Es fehlte zudem Stimmung auf den Rängen. „Wir sind eine Mannschaft, die sich von der Atmosphäre anstacheln lässt, auch wenn diese, wie zuletzt in Ferndorf, gegen uns ist.“
Der Mann mit der Keule
Mit der TSG-Führung jedoch kam Stimmung auf. Die Freude auf der Tribüne spürte die Mannschaft. Das gab ihr Selbstvertrauen. Konstantin Herbert war der Mann mit der Keule, der viel Herz beim Wurf aus der zweiten Reihe zeigte, zum 24:21 (49.) und 26:22 (53.) traf. „Ja, es lief gut. Ich kam gut ins Spiel, ich habe das Vertrauen des Trainers bekommen. Diese Chance wollte ich nutzen“, sagte der Student. Zuletzt hatte der 23-Jährige kaum Einsätze. Herbert: „Es war Zeit, dass ich wieder spielen durfte, ich bin gelernter Rückraumspieler, auch wenn ich bei der TSG meist auf dem linken Flügel unterwegs war.“ In der Schlussphase ließen die Gastgeber, bei denen sich am Ende die Müdigkeit nach zwei schweren Partien in fünf Tagen bemerkbar machte, nichts mehr anbrennen. Moritz Mangold bewies zwischen den Pfosten seine Klasse mit vier Paraden in den letzten zehn Minuten. Die Bären dürfen nun mit viel Selbstvertrauen auf die nächste schwere Partie blicken. Am Samstag, 19.30 Uhr, gastiert der Tabellenzweite HSG Hanau im TSG-Sportzentrum. Haßloch möchte seine Erfolgsserie fortsetzen.
So spielten sie
TSG Haßloch: Mangold (51. – 60.), Bitz (1. -50.), Modzinski (n. E.) – Seelos , Hannes (6/2), Triebskorn (4) – Kern (3), Zech (5) - Messerschmidt (3) – Julius Herbert, Konstantin Herbert (5), Djozic (2/2), Götz, Gregori (1), Hartmann, Müller (n. E.).
Spielfilm: 2:2 (6.), 5:4 (11.), 9:6 (14.), 10:8 (19.), 12:10 (26.), 12:12 (29.), 12:13 (30.), 18:15 (37.), 22:18 (43.), 24:21 (49.), 27:22 (54.), 29:25 (58.), 29:26 (60.); Siebenmeter: 2/2 – 3/3; Zeitstrafen: 3/5; beste Spieler: Hannes, Konstantin Herbert, Zech – Rühl, Träger, Lambrecht; Zuschauer: 350; Schiedsrichter: Abel/Herpolzheimer (Fürth/Erlangen).