Neustadt
Großbrand bei Remondis ohne größeren Schaden
Einzig ein langer leerer Löschschlauch der Feuerwehr weist am Dienstagmorgen im Innenhof der Recyclingfirma Remondis in Lachen-Speyerdorf darauf hin, was in der Nacht zuvor auf dem Gelände los war. Der Schlauch schlängelt sich bis an die hintere Grundstücksgrenze, an die direkt der Ordenswald grenzt. Er liegt dort zur Sicherheit, falls es noch einmal brennen sollte. Spätestens beim Anblick des verbrannten Mülls, der verkohlten Holzbalken oberhalb der Begrenzungssteine und des Löschwassers wird deutlich, dass die 145 Einsatzkräfte bis in die Nacht hinein Großes geleistet haben.
Montagabend: Gegen 20.45 Uhr wird der Löschzug Lachen-Speyerdorf mit dem Einsatzstichwort „Flächenbrand klein“ alarmiert. Laut Clemens Litty vom Medienteam der Feuerwehr stellt sich jedoch schnell heraus, dass es ein größerer Einsatz werden wird – die Rauchsäule ist bereits von Weitem sichtbar. Deshalb alarmiert der Einsatzleiter, Neustadts Brand- und Katastrophenschutzinspekteur (BKI) Stefan Klein, nach eigenen Angaben sofort die Kameraden aus Haßloch zur Unterstützung. Die geben laut Klein alles dafür, die Brandstellen im angrenzenden Ordenswald zu löschen und ein weiteres Ausbreiten zu verhindern. Dafür riegelt die Polizei die Kreisstraße nach Haßloch ab.
Bevölkerung wird gewarnt
Weil sich durch den brennenden Gewerbemüll – darunter Kunststoffe und Holz von Handwerks- und Gewerbebetrieben – laut BKI giftige Rauchgase entwickeln, wird die Bevölkerung über die Warndienste Katwarn und Nina darauf hingewiesen, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Die Neustadter sowie die hinzugerufene Feuerwehr aus Landau messen derweil Schadstoffbelastungen in der Luft – ohne etwas nachweisen zu können.
Während die Wehrleute aus den Neustadter Ortsteilen und der Kernstadt damit beschäftigt sind, das Feuer mit Wasserwerfer und Schläuchen zu löschen, springen Mitarbeitende des benachbarten Grundstücks mit einem Bagger ein, sodass zwei Bagger und Radlader im Einsatz sind, um den brennenden Müll für die Löscharbeiten auseinanderziehen zu können.
Feuer gegen 3 Uhr gelöscht
Salzmann selbst will am Abend gerade seinen Sohn ins Bett bringen, wie er erzählt. Als er das Fenster öffnet, sieht er die Rauchsäule. Er bittet seine Frau, sich um den Kleinen zu kümmern, da bekommt er auch schon einen Anruf über die Alarmanlage und von der Feuerwehr. „Da hat sich dann mein erster Gedanke, dass das Feuer zwar in unserer Richtung, aber eben nicht bei uns ist, schnell zerschlagen.“
Nachdem das Feuer gegen 22 Uhr unter Kontrolle gebracht und gegen 3 Uhr gelöscht ist, übernehmen Mitarbeitende von Remondis die Brandwache und halten weiterhin mit dem Wasserschlauch auf die Müllberge, um etwaige Glutnester zu löschen. Um 10 Uhr verabschiedet sich dann der Betriebsleiter, sichtlich gezeichnet von den Geschehnissen, hundemüde in den Feierabend. Seit 21 Uhr war er im Betrieb – nach gerade mal zwei Stunden Feierabend. Im verschont gebliebenen Bürogebäude nimmt derweil Niederlassungsleiter Christian Salzmann zwei Kripo-Beamte in Empfang. „Wir kommen heute, um zu schauen, was kaputt gegangen ist“, sagt die Beamtin.
Geplanter Umbau als Glücksfall
Dabei ist das glücklicherweise nicht allzu viel, wie Salzmann hinterher im Gespräch mit der RHEINPFALZ berichtet: „Wir sind glimpflich davongekommen.“ Die Feuerwehr habe verhindert, dass sich das Feuer auf umliegende Gebäude oder den Wald ausbreitet. Die nach Lego-Bauart gestapelten Mauersteine hätten zudem „einiges abgehalten“. Die Holzlatten darüber seien ohnehin für die Entsorgung vorgesehen gewesen. Denn das Unternehmen plant einen großen Umbau: Die Halle im linken Teil des Areals wird abgerissen, die Boxen werden abgebaut und durch neue mit Photovoltaikmodulen ersetzt. Statt Diesel will Remondis beim Schredder künftig auf Solarstrom setzen. Fünf bis sechs Millionen Euro sollen insgesamt investiert werden.
Der geplante Umbau stellt sich schnell als Glücksfall heraus. Seit 1. August hat das Unternehmen im Altenschemel laut Salzmann keinen Müll mehr angenommen. Dort, wo sonst Müll liegt, ist bereits aufgeräumt worden. Die Feuerwehr hat es somit leichter, an den Brandherd zu gelangen. Darüber hinaus ist das Gelände so aufgebaut, dass das Löschwasser nicht in der Kanalisation landet, sondern in Rückhaltebecken im Boden. Der Zugang zum Kanal wird geschlossen. Das gesammelte Löschwasser kann über andere Wege entsorgt werden.
Brandursache steht bereits fest
Über Kommentare in den sozialen Medien, das Unternehmen wolle sein Gelände „warmsanieren“, ärgert sich Salzmann. „Am Ende müssen wir mehr bezahlen, weil der Müll ja trotzdem noch entsorgt werden muss und durch das Löschwasser viel schwerer ist als vorher.“ Zudem sei die Eigenbeteiligung bei der Versicherung so hoch, dass das Unternehmen erst dann Geld ausbezahlt bekäme, wenn der Schaden viel größer sei als jetzt.
Um kurz vor 12 Uhr schaut der Löschzug Lachen-Speyerdorf noch einmal vorbei, um nach Glutnestern zu suchen – sozusagen ohne Erfolg. Am Nachmittag teilt dann Kriposprecher Thomas Weishaar auf Nachfrage mit, dass die Brandursache vermutlich ein Lithiumionen-Akku gewesen sei, der sich selbst entzündet habe. „Es kommt immer mal wieder vor, dass diese – zum Beispiel in Rauchmeldern oder elektrischen Zahnbürsten – nicht fachgerecht entsorgt werden“, sagt Salzmann. Ein Schaden sei durch das Feuer nicht entstanden, so die Kripo. Die Gesundheit der Bevölkerung sei nicht beeinträchtigt gewesen. Laut Feuerwehr wurde ein Feuerwehrmann am Fuß verletzt und kam vorsorglich ins Krankenhaus.