Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Flugsport: Ein 14-Jähriger ist jüngster Alleinflieger im FSV Neustadt

Mit der Seilwinde ist Andreas Schmidt zu seinem ersten Alleinflug im Segelflieger nach oben gezogen worden. Der Sitz hinter ihm
Mit der Seilwinde ist Andreas Schmidt zu seinem ersten Alleinflug im Segelflieger nach oben gezogen worden. Der Sitz hinter ihm ist erstmals in seiner Ausbildung frei gebleiben.

Noch ist Andreas Schmidt kein ausgebildeter Segelflugpilot. Noch ist er nur Flugschüler. Doch der 14-Jährige ist der bislang jüngste Alleinflieger im FSV Neustadt. Nach seinem Debüt hat er einen Strauß aus Brennnesseln und Disteln bekommen.

Als Andreas Schmidt an jenem Tag Ende April zum Flugplatz in Lachen-Speyerdorf kam, ahnte er noch nichts. Doch die Fluglehrer Steffen Schmidt und Roland Stich waren sich einig: Andreas ist reif für den Freiflug. So absolvierte der 14-Jährige am späten Nachmittag drei makellose Alleinflüge – Fluglehrer und Flugschüler waren zufrieden. Bernd Schwehm, Pressereferent des FSV Neustadt, betont: „Andreas fliegt sich frei. Derzeit ist er der jüngste Alleinflieger des Vereins.“

Er sei „ziemlich nervös“ gewesen, erinnert sich der 14-jährige Andreas Schmidt an jenen Tag. „Weil’s keinen gab, der hinter mir saß.“ Und er erklärt, wie es ist, wenn man sich zum Piloten ausbilden lässt: „Wenn man mit einem Lehrer fliegt, sitzt er im Flieger hinter einem.“ In seinen Übungsstunden habe zwar keiner seiner Lehrer oft eingreifen müssen, „aber er hat immer gesagt, wie man was machen muss“, erzählt Schmidt.

13 Minuten allein in der Luft

Sein Fluglehrer Steffen Schmidt habe ihm einfach gesagt, „flieg mal alleine“. Andreas Schmidt reagierte cool: „Ja, o.k.“ Aber während des Flugs habe „die Nervosität dann ein bisschen zugeschlagen“, gesteht er. Oben in der Luft habe er gedacht: „Bitte keine Windböen.“ Bei Start und Landung sei er entspannt gewesen – der Start erfolgte über eine Seilwinde. „Nervös war ich erst, als ich oben gekreist bin“, gibt der Schüler zu. Sein allererster Flug sei „nicht so lang gewesen“. Schmidt: „Das Wetter hat nicht so mitgespielt. Es waren nur 13 Minuten.“ Weit sei er auch nicht gekommen, denn als Schüler fliege man nur um den Platz herum. „Ich bin auf einer Seite vom Flugplatz herumgekreist“, sagt der 14-jährige Schüler der Realschule plus in Maikammer. Seine Eltern haben erst im Nachhinein vom Alleinflug erfahren. „Meine Mutter hat Angst um mich“, weiß der Flugschüler.

Und er machte gleich neue Erfahrungen beim ersten Alleinflug: „Das Flugzeug ist leichter, wenn hinten keiner sitzt. Das Flugzeug fliegt anders, ist leichter zu steuern, ist in der Luft aber auch empfindlicher.“ Beim Start sei er früher abgehoben.

Vor einem Jahr angefangen

Danach hat der 14-Jährige bis Mitte Mai über 13 Alleinflüge hinter sich gebracht, hat 1:18 Stunden alleine in der Luft verbracht. Die haben allerdings auch nicht viel länger als bei seinem Debüt gedauert, „denn das Wetter war nicht gut“. Schmidt: „Aber jetzt bin ich es gewohnt, alleine zu fliegen. Ich darf jetzt auch zwei Vereinsflugzeuge fliegen.“ Zunächst war er nur in der doppelsitzigen Schleicher-ASK 21 unterwegs. Inzwischen benutzt er auch den einsitzigen Astir. „Bei dem muss man das Fahrwerk ausfahren vor der Landung“, erzählt Andreas Schmidt von weiteren neuen Erfahrungen. „Da muss man sich noch mehr konzentrieren.“ Der Start zum ersten Alleinflug war übrigens sein 64. Start insgesamt.

Im Juli 2020 hat Andreas Schmidt mit dem Segelfliegen begonnen. Noch vor seinem 14. Geburtstag absolvierte er die ersten Schulflüge im Doppelsitzer, angeleitet von den ehrenamtlichen Fluglehrern des FSV Neustadt. „Im August war dann schon der Termin beim Fliegerarzt, denn die flugmedizinische Tauglichkeit ist Voraussetzung für den großen Tag: die ersten Alleinflüge“, berichtet Bernd Schwehm. In der Winterpause sei der Theorieunterricht dran gewesen: Im „Homeschooling“ habe der Schüler an den Wochenenden für Flugzeugtechnik, Meteorologie oder Luftrecht gebüffelt. Als Ende März der Flugbetrieb wieder losgegangen sei, „war Andreas bei den ersten dabei“.

Erst mit 16 Jahren fertig

Schmidt ist nach wie vor noch Flugschüler. „Man hat ein Drittel der Ausbildung rum, wenn man den ersten Alleinflug mit Platzrunden gemacht hat“, weiß er. Erst mit 16 Jahren darf er seine Ausbildung beenden. Dann dürfe er auch vom Flugplatz wegfliegen. Und erst dann sei er berechtigt, sich ein eigenes Flugzeug zuzulegen. Die Ausbildung bezahle sein Vater. „Man bezahlt immer die Starts“, sagt Andreas Schmidt. Flugzeugstarts seien kostspieliger als Windenstarts.

Der 14-Jährige ist über einen Schulfreund zum Segelfliegen gekommen. „Ich finde den Sport generell interessant, weil’s was anderes ist als Fußball“, sagt er. Man brauche Kenntnisse in Mathematik, später auch in Englisch für Überlandflüge. Und mit dem Wetter müsse man sich auch auskennen. Die Mathematik scheint ihm keine Probleme zubereiten: „Ich war schon immer in Mathe ein Einserschüler.“ Oben hat er seine Nervosität inzwischen abgelegt, kann dort die Stille genießen. Sein bislang höchster Flug ging bis auf 1500 Meter hoch – jedoch in Begleitung eines Lehrers. Wegen des im April und Mai nicht so tollen Wetters hat er es alleine nur auf bisher 750 Meter Höhe gebracht.

Übrigens ist Andreas Schmidt von seinen Vereinskollegen im FSV Neustadt belohnt worden für seinen ersten Alleinflug. Er bekam einen Blumenstrauß der besonderen Art. „Nach dem ersten Alleinflug gibt es traditionell einen Strauß aus Brennnesseln und Disteln – eine Erinnerung daran, dass der Steuerknüppel des Seglers nicht verkrampft angefasst werden soll“, erzählt Bernd Schwehm schmunzelnd. Der 14-Jährige hat das brennende und piksende Gestrüpp daheim sogar in eine Vase gestellt. „Aber dann ist es leider ausgetrocknet“, verrät er schmunzelnd.

Brennnesseln und Disteln erhielt Andreas Schmidt nach seinem ersten Alleinflug.
Brennnesseln und Disteln erhielt Andreas Schmidt nach seinem ersten Alleinflug.
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