Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Für den königlichen Besuch herausgeputzt

König Ludwig I. von Bayern 1826 im Krönungsornat.
König Ludwig I. von Bayern 1826 im Krönungsornat.

Mehrfach haben König Ludwig I. und sein Sohn Maximilian II. von Bayern die Stadt besucht. Dann verwandelte sich Neustadt in ein Schmuckstück. Doch manche warteten vergebens auf die königliche Kutsche.

„Die große Hoffnung, unseres regierenden Königs Majestät auch in den Mauern unserer Stadt begrüßen zu dürfen, hat, gutem Vernehmen nach, die beste Aussicht sich zu verwirklichen“, kündigt die Neustadter Zeitung am 15. Juni 1858 einen Besuch König Ludwigs I. von Bayern an. Seit die Pfalz 1816 an das bayerische Königreich ging, standen Neustadter Bürger einige Male Spalier für die königlichen Majestäten. Besonders nachdem 1852 die Villa Ludwigshöhe in Edenkoben, das Sommerschloss König Ludwigs I., fertiggestellt worden war, mehrten sich in Neustadt die hoheitlichen Empfänge.

Als am 7. Juni 1829 König Ludwig I. mit Königin Therese von Mußbach kommend in seiner Kutsche Richtung Neustadt fuhr, seien so viele Menschen aus den umliegenden Dörfern zur Straße geeilt, dass sie „den freudigen Schaaren nicht mehr genug Raum bot“. So beschreibt Georg von Jäger, bekannter Pädagoge und königlicher Hofrath aus Speyer, die Szene in seinem Bericht „Des Rheinkreises Jubelwoche“ über die Pfalzreise des Königspaars im Juni 1829. „Jung und alt waren festlich geschmückt, die Schulkinder mit luftig flatternden Nationalfahnen versehen, die Mädchen Frühlingskränze tragend oder duftende Blumen vor dem Königlichen Wagen streuend.“

Festlich geschmückte Häuser

Die Neustadter scheuten keine Kosten und Mühen, um ihre Majestät standesgemäß zu begrüßen. „Der Stadtrath hat dem Bürgermeisteramte unbegrenzten Credit gewährt, um dem allgeliebten Monarchen einen würdigen Empfang zu bereiten,“ schreibt die Neustadter Zeitung am 15. Juni 1858. Alle Empfänge hatten einen festen Ablauf. Am Eingang zur Stadt wurde ein Triumphbogen mit Blumengirlanden und Fahnen errichtet. Die Häuser waren festlich geschmückt. Die Stadt war mit blau-weißen Nationalfahnen dekoriert und feierlich beleuchtet. Am Triumphbogen warteten der Bürgermeister und die Stadträte auf den König mit einem Begrüßungstrunk. Die Schützengesellschaft und der Cäcilien-Verein unterstützten die Stadt bei der Vorbereitung der Feierlichkeiten und waren häufig für die musikalische Unterhaltung zuständig. Eine Ehrengarde begleitete den König weiter durch die Stadt bis zu seinem Quartier. Später empfing der König hohe Beamte und namhafte Bürger.

Doch nicht immer verlief der hoheitliche Besuch wie geplant. Die Haardter warteten im Juni 1829 vergebens auf ihren König. Sie wären vermutlich auch an die Landstraße zwischen Mußbach und Neustadt geströmt, schreibt von Jäger in seinem Reisebericht, hätte sie nicht „die zuversichtliche Hoffnung, des allerhöchsten Besuches selbst gewürdigt zu werden an die eigene Thüre gefesselt!“ Nachdem Kronprinz Maximilian II. schon das Haardter Schlösschen besucht hatte, gingen die Dorfbewohner davon aus, dass es ihm sein Vater gleich tun würde. Sie hatten bereits alles festlich geschmückt, eine Ehrenpforte errichtet und eine 100 Mann starke Ehrengarde aus Haardter Bürgern zusammengestellt, doch der König kam nicht. Auch die Neustadter wurden an diesem Tag enttäuscht, denn die Majestäten hielten sich nicht lange in der Stadt auf. Von Jäger spricht von Tausenden, die dem königlichen Wagen sich noch nicht hatten nähern können. „Mit scharfen Blicken schien der Monarch die Trauer zu gewahren, die sich auf so vielen Gesichtern sprechend zeigte“, schreibt der Pädagoge.

„Unser Kronprinz kommt“

Einer besonderen Beliebtheit bei den Neustadtern erfreute sich Kronprinz Maximilian II. Schon die Ankündigung seines Besuchs im Juni 1843 brachte den Autor des Neustadter Wochenblatts ins Schwärmen: „Unser Kronprinz kommt! Unser Kronprinz der vielgeliebte, dessen Herzensgüte jeden Pfälzer mit Entzücken erfüllt, erscheint in unserer Mitte“, heißt es in einem Artikel vom 23. Juni 1843. Max II. stieg in Neustadt meistens im Gasthaus Zur Krone (später Gasthaus Zur Post) ab. So im September 1847, als er mit einem Fackelzug durch Neustadt empfangen wurde. Um die 100 Fackelträger seien damals vom Rathaus zum Gasthaus mit der Landauer Regimentsmusik gezogen, um die königliche Majestät zu begrüßen, schreibt das Neustadter Wochenblatt am 7. September 1847.

Die Wittelsbacher Könige verlebten nicht nur feierliche Empfänge in der Stadt. Mit dem Bau der Marienkirche ließ König Ludwig I. sein Engagement in Neustadt in Stein meißeln. Er finanzierte einen Großteil der Kosten und legte am 17. Juli 1860 mit eigener Hand den Grundstein. Die Einweihung wurde zwei Jahre später im Gasthof Zum Schiff gefeiert. Dort hielt der König einige Festessen ab. Auch seinen Geburtstag am 25. August feierte der König etliche Male in der Umgebung, da er häufig die Sommermonate auf Schloss Ludwigshöhe verbrachte. Mit seinen Gästen besuchte er gerne die Haardt, verweilte dort auf der Wolfschen Anlage, am Deidesheimer Tempel oder war zu Besuch im Haardter Schlösschen.

Triumphbogen Haardt: entstanden zur Reise König Ludwigs I. von Bayern 1829 in die Pfalz (Quelle Landesarchiv Speyer) .
Triumphbogen Haardt: entstanden zur Reise König Ludwigs I. von Bayern 1829 in die Pfalz (Quelle Landesarchiv Speyer) .
x