Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Einkehr-Geschichten: Wechselvolle Geschichte am Waldrand

Das Kurhaus Kohler lag traumhaft, schon damals war es Basisstation für viele Wandertouristen.
Das Kurhaus Kohler lag traumhaft, schon damals war es Basisstation für viele Wandertouristen.

Das Kurhaus Kohler war einst ein beliebtes Hotel, in dem Größen wie Hildegard Knef und Zarah Leander abgestiegen sind. Die Gestapo setzte dort im Jahr 1941 einen französischen Staatsmann fest. Dieser aber konnte am Ende fliehen.

Der Grundstein des großen Hauses am Ende der Waldstraße kurz vor dem Herz-Jesu-Kloster wurde Ende des 19. Jahrhunderts gelegt. Damals hatte Andreas Masset, ein Bahnmeister aus der Umgebung von München, das Grundstück gekauft und einen kleinen Sandsteinbau errichten lassen. Bereits 1897 eröffnet die Pächterin Sophie Wurm eine Wirtschaft.

Wenige Jahre später verkauft Masset Haus und Grund an Karl Henning. Der Zugezogene führt das Gasthaus unter dem Namen „Perle der Pfalz“ fort. Als Henning krank wird, übernimmt sein Sohn Arnold die Wirtschaft. Vielleicht um sich die Taschen zu füllen, betreibt der junge Arnold neben dem Ausschank ein für ihn recht lukratives Kuppeleigeschäft. Wer sich dort mit wem vergnügt oder vielmehr einlässt, ist nicht weiter bekannt. Henning fliegt mit seinem Nebenverdienst aber auf: Er wird 1904 verhaftet und im Folgejahr vor Gericht gestellt und bestraft. Die Familie Henning muss deshalb das Gasthaus aufgeben.

Das Kurhaus Kohler entsteht

In den Folgejahren wird das Haus unter dem neuen Besitzer Heinrich Größle um ein Stockwerk und einen Anbau erweitert und heißt jetzt „Neustadter Kurhaus“. Nach zwölf Jahren veräußert Größle das Gasthaus an Peter Kohler. Der gelernte Konditor und Koch aus Völklingen erfüllt sich 1919 seinen Traum vom eigenen Hotel. Es ist die Geburtsstunde des Kurhauses Kohler, das der Inhaber als Café und Weinrestaurant mit Fremdenzimmern eröffnet.

Schon Anfang der 1920er-Jahre beginnt Kohler mit umfangreichen Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen, die bis in die 1950er-Jahre andauern. Er erweitert das Hotel unter anderem um einen großen Festsaal, ein Empfangsfoyer und ein Frühstückszimmer. Auch außen verändert sich viel: Hinzu kommen eine Veranda mit anschließender Hausterrasse und eine große Freiterrasse.

Prominente Gäste

Immer schöner und moderner, gewinnt das Hotel zunehmend an Popularität. So beherbergt Kohler neben zahlreichen Touristen, die das Hotel wegen der Nähe zu Wald und Wanderwegen schätzten, führende Geschäftsleute und Künstler, die ein Engagement im Saalbau haben. Als Gäste darf er General Charles de Gaulles, die Bühnengrößen Zarah Leander, Hildegard Knef und Opernsängerin Erika Köth begrüßen. Auch die Schauspieler Theo Lingen, Oskar Sima und Olga Tschechova wohnen im Kurhaus.

Das Haus wird aber auch für die Neustadter zu einem beliebten Treffpunkt. Es gibt einen Fünf-Uhr-Tee mit anschließendem Künstler-Konzert, Silvesterfeier mit Jazz, Mundartvorträge, Auftritte von Humoristen wie Max Paulsen oder Unterhaltern wie Baltoni, Maskenbälle und vieles mehr.

Nazis übernehmen

Im Zweiten Weltkrieg steigen im Kurhaus des Öfteren ranghohe Militärs ab, die hochhergehenden Festen nicht abgeneigt sind. Nach einem feuchtfröhlichen Abend kommt es zu einem Streit zwischen einem General und Peter Kohler, weil Kohlers Ehefrau Emma bezichtigt wird, eine Dose Ölsardinen entwendet zu haben. Kohler will auf den General losgehen, stolpert aber zuvor über einen Läufer. Obwohl er den General nicht einmal berührt hat, wird er verhaftet. Auf einen solchen tätlichen Angriff kann die Todesstrafe folgen. Weil Gauleiter Josef Bürckel sich für Kohler einsetzt, ist dieser nach drei Tagen Gefängnis ohne weitere Bestrafung wieder zu Hause.

Im Kurhaus wird auch ein bekannter Zivilist von den Nazis interniert: Zwischen April 1941 und August 1942 quartiert Bürckel den französischen Staatsmann Robert Schuman bei Peter Kohler ein. Die Gestapo hatte Schuman zuvor in Metz verhaftet. Bürckel wollte den französischen Abgeordneten für das Dritte Reich gewinnen.

Obwohl Schuman nicht mit dem Gauleiter kooperiert, werden die Internierungsbedingungen nach und nach gelockert. So darf er sein Zimmer verlassen, ins nahe Herz-Jesu-Kloster gehen oder zu anderen Hotelgästen Kontakt haben. Später werden ihm auch Reisen in umliegende Städte erlaubt. Im August 1942 gelingt ihm schließlich die Flucht nach Frankreich. Die Hintergründe der Befreiungsaktion sind bis heute unklar.

Nach Brand das Aus

Nach dem Zweiten Weltkrieg wird das Kurhaus von den französischen Besatzern beschlagnahmt und zum Gästehaus umfunktioniert. Erst Ende 1948 geben die Franzosen das Hotel wieder frei, was Kohler mit einem großen Silvesterball gebührend feiert. Doch zehn Jahre später folgt das Aus für das Hotel: In einer Februarnacht bricht ein Feuer im Treppenhaus aus, durch den Brand wird das Hotel stark beschädigt. Ursache war noch glimmende Zigarettenasche in einem Holzkübel.

Anschließend lässt Kohler zusammen mit seinem Schwiegersohn Kurt Jaeth das Haus in eine Privatklinik umbauen. 1991 muss die Jaeth GmbH Konkurs anmelden. Das Gebäude wird an eine Baufirma verkauft, die den Komplex in hochwertige Eigentumswohnungen umbaut.

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