Neustadt „Einfach ein tolles Gefühl“
„Jetzt wird es richtig stressig“, verkündet Ihre Tollität Kevin I. und freut sich. Als Prinz Vino Palatina wird er in den kommenden Wochen fast jeden Tag mit seinem Gefolge in fasnachtlicher Mission unterwegs sein – und mit seiner Prinzessin, Alexandra I. Als viertes Stadtprinzenpaar in der 175-jährigen Vereinsgeschichte regieren Alexandra Scherf und Kevin Sauer in dieser Saison die Narrenschar des Karnevalvereins Neustadt. Repräsentieren, Reden halten, neue Freundschaften mit anderen Karnevalvereinen knüpfen und bestehende Freundschaften pflegen – so beschreiben Sauer (22) und Scherf (21) ihre Aufgaben als Prinzenpaar. In der Praxis heißt das für die beiden, viel herumzureisen. Zwei bis drei Sitzungen an einem Samstag oder Sonntag sind durchaus normal – es gebe aber auch schon bis zu sechs Termine an einem Samstag, berichtet Sauer. Stress? Schon, meint Scherf schmunzelnd, „aber gerade die Fahrten von Sitzung zu Sitzung sind ja das Schöne, mit Elferrat und Gardemädels ist auf den Fahrten richtig was los.“ Der Fahrdienstleiter bei der Deutschen Bahn und die dual Studierende, die beim Finanzamt beschäftigt ist, sind überzeugte Fasnachter und fühlen sich merklich geehrt, dass sie im Jubiläumsjahr zum Prinzenpaar auserkoren wurden. Dafür nehmen sie es gerne auf sich, die zahlreichen Termine mit Schichtarbeit und Schule zu koordinieren und privat für ihre Kostüme und die Prinzenpaarorden aufzukommen. „Es macht einfach Spaß, mit den Leuten im Verein zusammen zu arbeiten und zu feiern“, erklärt Scherf. „Aufbau, Abbau und die ganze Vorbereitung, das ist natürlich für jeden anstrengend. Aber es ist auch ein tolles Gefühl, so etwas auf die Beine zu stellen.“ Für weitere Hobbys wie das Trompete spielen oder eine Feuerkünstlergruppe bleibt momentan aber keine Zeit. Mit dem Narrentreiben in der ehemaligen Fasnachtshochburg Neustadt zeigt sich das Prinzenpaar im Großen und Ganzen zufrieden. „Aber auf den Straßen könnte schon etwas mehr los sein“, ergänzt der Prinz. Er würde sich etwa einen Fasnachtsumzug wünschen. Die Prinzessin lobt die Resonanz beim Kartenvorverkauf für die große Jubiläums-Prunksitzung am 23. Januar im Saalbau. Die ersten Karten seien so schnell ausverkauft gewesen, dass weitere Teile des Saalbaus hinzugenommen wurden, um der Nachfrage gerecht zu werden. Aktuell seien noch Karten zu haben. Zum Prinz Vino Palatina – üblicherweise ist das in Neustadt spätestens seit 1945 eine Frau – wird man nicht gewählt, sondern vom Präsidium ernannt. Die Entscheidung bleibt bis zum Tag der Inthronisierung geheim, was Sauer und Scherf ein paar Stunden „schlimmster Aufregung“, aber auch ihren ganz persönlichen Höhepunkt im Prinzenamt bescherte: Erst die bange Frage, wie die Leute wohl auf sie reagieren würden. Die Enthüllung des Paars durch eine Fotoschau mit Bildern aus Babytagen bis heute. Dann Pfeifen, Klatschen, Jubel – „und aus der Aufregung wurde ein Dauergrinsen“, erinnern sich die zwei Neustadter, die auch im nicht-närrischen Leben schon lange ein Paar sind. Während Sauer schon von Kindesbeinen an Fastnachter ist, kam Scherf als einstige Nicht-Fasnachterin erst durch die Beziehung zum Narrentreiben und zum Verein, hat dann aber „schnell Feuer gefangen“. Ob sie einen Tipp für Fasnachtsmuffel hat? „Einfach hingehen. Wenn man gerne unter Leuten ist, kommt die Begeisterung für Fasnacht von alleine.“