Neustadt Eine Frau klarer Worte

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Ein Notebook, einen Kalender und eine große Mappe – mehr braucht Franziska Richter nicht für ihre heutige Arbeit im Mehrgenerationenhaus in Offenbach. Es gleicht einem Wunder, dass sie bei den vielen verschiedenen Fällen, die sie heute noch betreuen wird, und den vielen gelben Notizzetteln den Durchblick behält. Spätestens im Gespräch mit den Flüchtlingen und ihren Betreuern oder Dolmetschern wird klar: Franziska Richter ist top organisiert – und redet nicht lange um den heißen Brei. In ihrem Beruf ist Offenheit gegenüber den Klienten auch unerlässlich. Die 25-jährige Angestellte der Diakonie Pfalz tingelt jede Woche im Auftrag des Kreises durch dessen Verbandsgemeinden, wo sie in vier Außenstellen fernab ihres Büros in der Kreisverwaltung Flüchtlinge zu sozialen, zu Gesundheitsfragen, vor allem aber zu Asylverfahren berät. Falsche Hoffnungen wären hier fatal. Zu den Außenstellen gehört auch Maikammer. So sagt sie auch im Fall eines syrischen Geschwisterpaars, dass sie nicht wisse, ob es klappt, die Mutter mit den 13-jährigen Zwillingen aus Damaskus nach Deutschland zu holen. Der Vater ist bei einem Bombenangriff ums Leben gekommen. Über sieben Länder ist der 17-jährige Hamit mit seiner Schwester Zahra (19, Namen geändert) nach Deutschland geflüchtet. Hamit zählt als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling, der noch kein Bleiberecht hat. Weil er im Januar Geburtstag hat, drängt die Zeit: Nur bis zum Erreichen der Volljährigkeit ist es möglich, Angehörige nach zu holen. „So einen Fall hatten wir schon mal“, erklärt Richter den Geschwistern und deren Betreuer Frank Jordan, Beigeordneter im Gemeinderat Essingen. „Ich hake beim Bundesamt nach, wir müssen das Ganze beschleunigen. Ich melde mich“, verspricht Richter. Neben dem Bundesamt für Migration arbeitet die engagierte Beraterin auch eng mit den örtlichen Sozialämtern und Anwälten zusammen und tut alles, damit die Flüchtlinge sich gut auf ihre Anhörung zum Asylantrag vorbereiten. Der heutige Vormittag zeigt, wie fix Richter umschalten muss, um auf die verschiedenen Anliegen zu reagieren. Mit Wissen, das sie sich vor allem in der Praxis und bei Fortbildungen angeeignet hat. „Hallo, wie geht’s dir?“, fragt sie einen Afghanen, der ein Ehepaar als Übersetzer begleitet. „Ich habe die Aufenthaltserlaubnis bekommen“, antwortet er strahlend, woraufhin Richter die Hände in die Luft reißt und begeistert „Jaaa!“ ruft. Wie im Taubenschlag geht es heute zu. Kaum sind die einen raus, kommen die nächsten rein, diesmal zwei junge syrische Männer. Für Bewerbungen braucht der eine seinen englischen Lebenslauf ins Deutsche übersetzt. Richter nennt ihm einen Ansprechpartner beim Bildungsträger Profes. Aber es muss schnell gehen. „Dann mache ich das heute Mittag“, sagt sie und wendet sich an den Begleiter, fragt, wie es ihm denn gehe. Er war einer der ersten in ihrer Beratung, die der Kreis seit September 2015 kostenlos anbietet, sein Status als Flüchtling ist bereits anerkannt. „Ich mache jetzt einen Sprachkurs“, erzählt er stolz. Auch Franziska Richter bildet sich sprachlich weiter, lernt Arabisch. Mehr als 300 Flüchtlinge hat die studierte Ethnologin und Linguistin bereits beraten. Einige wurden anerkannt, andere sind ausgereist, wenige wurden abgeschoben. „Eine Abschiebung geht einem schon nahe. Aber auch da muss ich professionell sein und auf die Rückkehr vorbereiten.“ Meistens seien das Menschen aus Balkanstaaten. „Bisher haben wir aber immer noch das Bestmögliche aus der Situation gemacht“, so Richter. Info Franziska Richter ist mittwochs in Maikammer und Edenkoben anzutreffen. Näheres unter Telefon 0176/11664067 oder per E-Mail an franziska.richter@diakonie-pfalz.de . |bje

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