Neustadt Der Spätstarter
DEIDESHEIM. Handball, Mountainbike und Motocross waren bisher die Sportarten von Ralf Weitlauff: Jetzt setzt der 19 Jahre alte Industriemechaniker ganz auf den Motorrad-Straßenrennsport. In diesem Jahr will sich der junge Mann aus Deidesheim im Deutschen Langstrecken-Cup etablieren.
Es vergeht kein Tag, an dem Ralf Weitlauff nicht in der Garage seiner Eltern in der Niederkirchener Straße anzutreffen ist. Sie ist inzwischen sein zweites Wohnzimmer. In der Mitte steht sein Motorrad, umgeben von allerlei Materialien und technischem Zubehör des Rennsports. Fast täglich tüftelt Weitlauff mittlerweile an seinem Gefährt. Seine BMW s1000rr ist sein ganzer Stolz. Nach nur einem Jahr auf den bekanntesten Rennstrecken Europas zählt Weitlauff zum Team „race-now-junior“ und will sich nun zusammen mit seinen beiden 25 Jahre alten Teamkollegen David Wallberg und Julian Brandner im Deutschen Langstrecken-Cup etablieren. „Die Langstrecke ist mein Ziel. Und dort wollen wir es in die Top Ten schaffen“, sagt Weitlauff selbstbewusst. Er hat klare Vorstellungen von seinem sportlichen Hobby. Zwar steht bei dem Spätstarter in Sachen Motorrad-Rennsport der Spaß im Vordergrund, dennoch sucht er auch den Erfolg. Das war nicht immer so. Erst probierte er es im Handball. Beim TV Hochdorf wusste er sich als Kreisläufer stets durchzusetzen, seine Stärke war die Abwehrarbeit. So richtig glücklich wurde er im Spiel Mann gegen Mann aber nicht. Dann wagte er sich auf das Zweirad, der Weg führte ihn zum Downhill. „Ich bin schon immer schnell und spektakulär gefahren“, sagt Weitlauff. Er fuhr beim German Downhill- und beim Rookie-Cup. Aber der Erfolg blieb aus, meistens haderte er mit Materialpech. Als er bei zwei Wettbewerben schon nach dem Training nach einem Bruch des Dämpfers die Segel streichen musste, verlor er die Lust. Zu diesem Zeitpunkt zeigte sein Vater Franz, in jungen Jahren Motorradfahrer, Begeisterung für das Fahren über Stock und Stein und erwarb für sich und seinen Sohn eine Motocross-Maschine. So standen an Weihnachten 2014 zwei Motocross-Maschinen vor der Haustür. Im August 2015 folgte dann der Wechsel zum Motorrad-Straßenrennsport. Bei einer Ausfahrt im Pfälzerwald bei Johanniskreuz kam Weitlauff mit seinem Straßen-Motorrad von der Strecke ab – Totalschaden. Daraufhin riet ihm seine Mutter Beatrice, im öffentlichen Straßenverkehr auf das Motorrad zu verzichten. Er nahm den Rat an, fuhr nur noch auf den Hochgeschwindigkeitsstrecken. Dies war zugleich die Initialzündung für die Motorrad-Straßenrennsport-Karriere. Der Hockenheimring wurde seine Trainingsstrecke. „Ich habe den Spaß beim Fahren auf der Straße verloren. Denn so schnell wie auf der Rennstrecke kann ich dort nicht fahren“, sagt Weitlauff. Seine großen Vorbilder sind der Spanier Marc Marquez, der mehrfache Moto-GP-Weltmeister, und auch der Italiener Valentino Rossi. Die WM-Serie oder die Internationale Deutsche Meisterschaft (IDM) ist für ihn allerdings kein Ziel. „Da hätte ich mit fünf, sechs Jahren schon anfangen müssen. Aber ich bin ein Spätstarter“, meint er. Dennoch versucht er, seinen Sport so professionell wie möglich auszuüben. Dreimal wöchentlich geht er ins Fitnessstudio, dazu läuft er zweimal in der Woche. „Die Kondition ist neben dem Beherrschen des Motorrads das A und O. Um auf einem guten Niveau zu fahren, muss man schon fit bleiben“, sagt Weitlauff. Er lebt und arbeitet für seinen Traum, sich im Deutschen Langstrecken-Cup zu etablieren. „Das ist eine Serie, in der man sehr viele Rennen fahren kann“, erklärt der 1,93 Meter große Motorradsportler. Seine erste Saison im Motorrad-Straßenrennsport liegt hinter ihm – und die Ergebnisse von 2016 machen ihm Hoffnung. Der sympathische Deidesheimer, der kürzlich seine schriftliche Prüfung zum Industriemechaniker erfolgreich bestanden hat, ist in der Szene noch ein Nobody. Dennoch ist er keiner, der sich verstecken muss. Bei den „300 Meilen von Hockenheim“ sowie bei den „Drei Stunden von Brünn“ belegte Weitlauff, der als technisch versiert gilt, jeweils Platz acht. Immerhin ließ er im über 60-köpfigen Starterfeld manchen erfahrenen Hasen hinter sich. Sein Programm in diesem Jahr ist üppig: Los geht es am 15. April mit den „1000 Kilometern von Hockenheim“, ehe dann die Sechs-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring (1. Mai), Most/Tschechien (5. Juni), Oschersleben (2. Juli), Dijon/Frankreich (30. Juli), Hockenheim (26. August) und erneut in Oschersleben (24. September) folgen. „Das Programm ist schon etwas umfangreicher, aber ich freue mich schon jetzt darauf“, sagt Weitlauff.