Deidesheim
Barocke Sonaten in der Reihe „Kammermusik in der Spitalkapelle Deidesheim“
Die Cellistin Charlotte Lettenbauer, Initiatorin und künstlerische Betreuerin der Reihe, freut sich, dass die Besucher „mutig genug“ sind, das Zuhören in einer Liveatmosphäre wieder einzuüben. Ebenso wie sich die Künstler an Live-Auftritte erst wieder gewöhnen müssten. Vor allem das Publikum aber ist noch vorsichtig. So sollte das Konzert zunächst zweimal gespielt werden: am Nachmittag und am Abend, weil unter Corona-Bedingungen nur 29 Personen in die spätgotische Kapelle eingelassen werden dürfen. Die Resonanz sei allerdings anfangs so verhalten gewesen, dass der Nachmittagstermin entfiel. Dann kam ein Umschwung, und „am Schluss musste ich sogar Musikliebhabern absagen“, erklärt Lettenbauer.
Diejenigen, die einen Platz erhalten haben, sind an diesem Abend dann voller Erwartung, zumal die Musikerinnen sogar originale Instrumente der Epochen nutzen, aus der die Werke stammen: Gundula Jaene spielt eine Barockvioline des Nürnberger Lauten- und Geigenbauers Leopold Widhalm aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Cornelia Gengenbachs Cembalo entstand im 18. Jahrhundert in der Werkstatt von Eckehard Merzdorf in Paris.
Den Anfang macht die „Sonata quinta in a-Moll TWV 41:a2“ aus den „12 Sonate Metodiche für Violine und Continuo“ von Georg Philipp Telemann. Da füllt das Largo mit Anklängen an Tänze und Liebesklagen den Raum. Im Allegro gestaltet das Cembalo mit Einschüben mit der Violine kleine Dialoge. Die ruhige, wiegende Stimmung des kurzen Ondeggiando beenden die festen Bogenstriche des abschließenden Allegros.
Den feinen Klang des Cembalos allein und die Virtuosität seiner Spielerin können die Zuhörer bei Telemanns „Fantasia Nr. 4 e-Moll für Cembalo TWV 33:4“ genießen. Da entstehen Bilder von Tautropfen im Sonnenlicht und eleganten Paaren beim Tanz. Giovanni Antonio Pandolfi Meallis Sonate für Violine und Basso continuo „La Vinciolina“ ist von Wehmut und Sehnsucht geprägt. Frech und heiter dagegen klingt die „Sonata representativa“ von Heinrich Ignaz Franz Biber. Da verleiht Gundula Jaenes Violine einer Reihe von Tieren eine Stimme: Süß und melodisch zwitschert die Nachtigall, fast schmerzhaft in den Ohren klingt mit Strichen auf mehreren Saiten das Quaken der „Fresch“, „Henn“ und „Hann“ haben ihren munteren Auftritt, ebenso „Die Wachtel“, für deren lebhaftes Wesen die Finger der Violinistin nur so über die Saiten fliegen. „Die Katz“ schließlich miaut fast lebensecht, bis der „Musquetir Mars“ dem mit kriegerischen Rhythmen ein Ende setzt, bevor er in eine ruhigere Allemande übergeht. Das Stück ist ein beeindruckendes Beispiel für die Fingerfertigkeit und den gestalterischen Einfallsreichtum, den die Komponisten im Barock an den Tag legten – und auch ihren Interpreten abverlangten.
Im Reigen der großen Tonsetzer fehlt auch Johann Sebastian Bach nicht. Schon das feierliche Allegro seiner „Sonate für Violine und obligates Cembalo in G-Dur BWV 1019“ gestalten die Musikerinnen so ausdrucksstark, als stünde ein kleines Orchester in der Spitalkapelle. Nach dem Largo
kann Cornelia Gengenbach beim Cantabile mit einem virtuosen und doch mit Leichtigkeit gespielten Solopart noch einmal die ganze Klangfülle ihres Cembalos zeigen, bevor es beim Adagio und dem abschließenden Allegro als Begleiter wieder stärker in den Hintergrund tritt.
Die Zuhörer spenden lautstark und anhaltend Applaus. Eine ganz kleine Zugabe gibt es noch, und die Meinung ist einhellig: Diese eine Stunde ging viel zu schnell vorbei.