Maikammer RHEINPFALZ Plus Artikel Abschied vom Amt: Karl Schäfer zieht sich nach 41 Jahren zurück

Schäfers Lieblingsplatz am Eichelberg.
Schäfers Lieblingsplatz am Eichelberg.

Mehr als vier Jahrzehnte prägte Karl Schäfer (CDU) die Kommunalpolitik in Maikammer. Nun zieht der 70-Jährige sich zurück. Was ihm besonders wichtig war in all den Jahren, erzählt er bei einem Spaziergang durch die Gemeinde.

Der Spaziergang durch Maikammer fängt außerhalb der Ortschaft an – am Fuße des Eichelbergs. Ortsbürgermeister Karl Schäfer hat an diesem Morgen die Führung, es geht um seine Zeit in Maikammer und darum, was ihm nach all den Jahren kommunalpolitischen Engagements in „seiner“ Gemeinde besonders wichtig ist. Schäfer führt zunächst zu seinem Lieblingsplatz, oben am Waldrand. Von dort reicht der Blick über die Weinberge und die Gemeinde bis weit in die Rheinebene. „Wunderschön“, schwärmt der gebürtige Westpfälzer, der längst ein leidenschaftlicher Südpfälzer geworden ist. Schäfer ist Frühaufsteher, und bevor er morgens um sieben Uhr am Schreibtisch sitzt, hat er häufig schon eine Sieben-Kilometer-Jogging-Tour hinter sich – und die führt in der Regel über den Eichelberg.

Der langjährige Ortschef, der sich nach der Kommunalwahl im Juni zurückziehen wird, kam 1983 nach Maikammer, damals war er 30 Jahre alt und hatte schon etliche Stationen hinter sich. Unter anderem war er Sportstättenreferent für den Regierungsbezirk Stuttgart und Leiter des Rechnungsprüfungsamtes für Herrenberg und Calw gewesen. Danach fühlte er sich fit genug, um selbst zu gestalten – und es zog ihn zurück nach Rheinland-Pfalz. Die Ausschreibung der Stelle des Verbandsbürgermeisters in Maikammer kam da gerade recht.

Gegen Favoriten gewonnen

Schäfer erinnert sich noch gut an seinen ersten Eindruck der Gemeinde. Es war an einem Sommertag, die Sonne ging gerade unter, Maikammer zeigte sich von seiner schönsten Seite. „Ich wusste sofort, das ist es, da willst du hin.“ Allerdings musste er noch gewählt werden, damals noch vom Verbandsgemeinderat. Und es gab immerhin 24 Bewerber. Schäfers Chancen standen gar nicht besonders gut, denn – das war ihm zugetragen worden – die CDU, die die Mehrheit hatte, hatte sich eigentlich schon auf einen anderen Kandidaten geeinigt. Doch Schäfer überzeugte und wurde schließlich mit den Stimmen von CDU und SPD gewählt.

Seine erste Aufgabe war nicht gerade angenehm. Es ging um die Kläranlage, die Abwassergebühren mussten deutlich erhöht werden, weil dringende Investitionen anstanden. „Das habe ich gleich in Angriff genommen, so etwas macht man besser am Anfang der Amtszeit“, sagt Schäfer, der sich schnell heimisch fühlte in Maikammer. „Ich hätte in den ersten zehn Jahren mehrmals wechseln können, aber weder ich noch meine Familie wollten weg“, erinnert er sich. Als dann 1994 die Wahl des Ortsbürgermeisters anstand, legte Schäfer sich endgültig fest: „Für mich war klar, hier bin ich zu Hause, hier will ich bleiben. Deshalb habe ich für das Amt kandidiert.“

Eines der letzten großen Projekte: die Sanierung des Hauses Lotter.
Eines der letzten großen Projekte: die Sanierung des Hauses Lotter.

Während Schäfer aus der vergangenen Zeit plaudert, geht es runter in den Ort, zum „Haus Lotter“, das Renaissancehaus in der Marktstraße. Schäfer hat lange für die Sanierung gekämpft, 2021 kam dann grünes Licht aus Mainz. Etwa fünf Jahre nach den ersten Gesprächen. Doch das Warten hat sich gelohnt. Das Haus ist ein Prachtstück geworden, und die Tourist-Info, die jetzt dort untergebracht ist, wird gut frequentiert. „Weinbau und Tourismus sind die wichtigsten Säulen der lokalen Wirtschaft hier“, erklärt Schäfer. Deshalb sei es wichtig, in die Infrastruktur zu investieren, das Ortsbild zu erhalten und die Aufenthaltsqualität zu steigern.

Wohnanlage für Jüngere und Ältere

Doch es sind nicht nur touristische Aushängeschilder, die Schäfer wichtig sind. Der Weg führt als nächstes zum Pflegeheim der Stiftung Liebenau. Seit 2014 gibt es das Haus, und Schäfer ist es wichtig, dass Maikammer über die Einrichtung verfügt. „Eine Gemeinde muss breit aufgestellt sein, und auch diejenigen im Blick haben, die die Gemeinde aufgebaut haben.“ Deshalb habe er damals nicht locker gelassen, als es darum ging, die Stiftung, von deren Arbeit Schäfer sehr überzeugt ist, nach Maikammer zu holen. Neben dem Pflegeheim mit 44 Plätzen betreibt Liebenau das Projekt „Lebensräume“, eine Wohnanlage, in der jüngeren und älteren Menschen eine besondere Form des Wohnens ermöglicht wird. „Der Grundgedanke ist die Nachbarschaftshilfe“, erklärt Schäfer. Koordiniert wird diese von einer Fachkraft für Gemeinwesenarbeit, deren Kosten die Gemeinde trägt.

Wichtig für Maikammer: die Einrichtungen der Stiftung Liebenau, hier das Haus der Pflege.
Wichtig für Maikammer: die Einrichtungen der Stiftung Liebenau, hier das Haus der Pflege.

Weiter geht’s zur Kalmitsporthalle, die nicht weit entfernt von der Wohnanlage liegt. 2004 wurde sie erbaut, morgens nutzen Grund- und Realschule plus sie, abends die Vereine. „Das war damals sehr wichtig, weil die alte Turnhalle praktisch nicht mehr nutzbar war“, erzählt der Bürgermeister. Damit die Maikammerer Silhouette nicht verbaut wird, sei der Bau ein gutes Stück weit in den Boden gegraben worden.

Die schwerste Zeit für Schäfer waren die Jahre, in denen es um die Zwangsfusion der Verbandsgemeinde mit Edenkoben ging. Das Ergebnis ist bekannt: Im Juni 2015 erklärte der Verfassungsgerichtshof Rheinland-Pfalz die Fusion für nichtig, und Maikammer war nach einem Jahr „Zwangsehe“ wieder eigenständig. Kommando zurück, hieß es in der Folge, etliche Umstrukturierungen wurden wieder rückgängig gemacht. Das einzig Gute an der ganzen Geschichte sei die Erfahrung gewesen, dass 95 Prozent der Bürger hinter der Eigenständigkeit der Verbandsgemeinde gestanden hätten, sagt Schäfer zurückblickend.

Mehr Zeit für Familie

Was ist das Schöne am Amt eines Bürgermeisters? „Die Begegnungen mit Bürgerinnen und Bürger“, sagt Schäfer. Das Amt sei abwechslungsreich und biete viele Gestaltungsmöglichkeiten. Doch jetzt ist er an dem Punkt, an dem er mehr Zeit für die Familie haben möchte. Für seine Frau, seine Kinder und seine fünf Enkel. Außerdem will er (noch) mehr Sport machen und mehr Zeit für Kultur haben.

Schäfers letzte Station auf dem Rundgang durch die Gemeinde ist das Café Bellini. Es ist voll dort, wie immer, vor allem bei schönem Wetter. „Wir mussten die Familie Vitanza damals überzeugen, zu uns zu kommen, aber sie hat es nicht bereut“, erzählt Schäfer.

Bliebe noch die Frage, wie der Westpfälzer zum Wein gefunden hat. Schäfer lacht. In Höheinöd in der Südwestpfalz, wo seine Eltern einen landwirtschaftlichen Betrieb hatten, werde zwar eher Bier getrunken, doch seine Eltern seien Weintrinker gewesen. „Sie hatten einen Freund in Kallstadt, von dort bezogen sie ihren Wein.“ Insofern habe er sich in Maikammer nicht groß umstellen müssen. Am liebsten trinkt der Ortschef übrigens Weißburgunder trocken.

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