Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Geschäftsidee: Alternative zu Plastik

Stefan Beyerle präsentiert das essbare Besteck.
Stefan Beyerle präsentiert das essbare Besteck.

Von Indien aus wollen sie den australischen Markt erobern, von Mannheim aus blicken sie nach Europa. Die Idee des Start-up-Unternehmens ist das Vermeiden von Müll. Mit essbarem Besteck fing alles an, doch die Überlegungen gehen noch weiter.

Den Mannheimer Umweltpreis gewannen sie schon im vergangenen Jahr, jetzt haben die Existenzgründer ihre Ideen weiterentwickelt und verfolgen in Mannheim ambitionierte Pläne. Einfach aufessen – und weg ist der Löffel, mit dem man gerade noch das Eis oder die Suppe to go gegessen hat. Das war die Ursprungsidee. Kein Plastikmüll, der die Umwelt belastet. Das Mannheimer Greentech-Start-up Frenvi hat solch essbares Besteck entwickelt und ist gerade dabei, eine Fertigungsanlage dafür in Mannheim zu verwirklichen.

Aber nicht nur essbares Besteck steht auf dem Programm des jungen deutsch-indischen Unternehmens, dessen Firmensitz im Mannheimer Existenzgründungszentrum Mafinex ist. Die beiden Ingenieure und Inhaber, Abhinav Ramachandran und Phanindra Gopala Krishna, haben sich auch dem Thema „Upcycling“ verschrieben und wollen in Zukunft mit ihrer Anlage kompostierbare Becher, Teller, Kosmetikbehälter und Umverpackungen für Süßigkeiten aus Abfällen formen, die in der Lebensmittel- oder Getränkeindustrie anfallen. Forschungen dazu laufen.

Vollautomatische Produktionsanlage

Ende November erst hat Frenvi – eine Kurzform für „Friendly Environment“ – für diese Idee den mit 10.000 Euro dotierten Mannheimer Existenzgründerpreis Mexi in der Kategorie Technologie gewonnen, den in diesem Fall die Firma Roche sponsert. Die beiden ehemaligen Studenten Ramachandran und Krishna sowie ihr Team sind seit Ende 2020 in Mannheim ansässig. „Wir haben uns bewusst für diesen Standort entschieden, da wir hier sehr gut unterstützt werden“, sagt Stefan Beyerle, der bei Frenvi für das Marketing und den Verkauf verantwortlich ist. Und so haben sie sich auch dafür entschieden, in Mannheim bis Ende 2022 eine klimaneutrale, vollautomatische Produktionsanlage aufzubauen, mit der das essbare Besteck hergestellt werden kann. Täglich sollen dann zunächst bis zu drei Millionen der knusprigen Löffel vom Band gehen, womit die Anlage industrietauglich wäre.

Aktuell läuft seit Oktober im indischen Bangalore die halbautomatische Pilotanlage und damit die weltweit erste Linie, die nach dem patentierten Frenvi-Verfahren essbare Löffel formt. Das Pilotprojekt in Indien in Kooperation mit der Deutschen Entwicklungsgesellschaft habe zusätzlich einen sozialen Aspekt, erläutert Beyerle. „Bis zum Jahr 2024 können dort von dem Gehalt bis zu 2000 Familienmitglieder leben, und bis zu 600 Kinder erhalten die Möglichkeit, die Schule zu besuchen.“ Über Indien soll unter anderem der australische Markt versorgt werden. Während dort schon 35 Mitarbeiter im Einsatz sind, zählt Frenvi in Mannheim bislang sechs. Durch die Produktion in der Quadratestadt gelangt das essbare Besteck in den europäischen Raum.

Im Trend

„Die Essbarkeit ist unsere erste Stufe“, erklärt der 48-jährige Beyerle weiter. „Wir haben uns überlegt, ob eine Produktion mit dem gleichen Verfahren auch mit Sekundärstoffen, also mit Rest- und Abfallstoffen aus der Industrie, möglich ist.“ Dabei sei man nicht nur auf Besteck begrenzt, sondern könne quasi alles, was mit dem 3-D-Drucker formbar ist, herstellen. Komplett bio-basiert und kompostierbar. „Unser Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Technologien liegt bei der Nutzung von hochfeuchten Reststoffen, wie sie zum Beispiel in der Getränkeindustrie anfallen. Diese müssen bei anderen Verfahren erst heruntergetrocknet werden. Wir können sie direkt verarbeiten“, erläutert Beyerle. Dadurch werde unter anderem der energieaufwendige Trocknungsprozess gespart. Und durch die Feuchtigkeit seien die Stoffe auch nicht allzu lange lagerungsfähig, wodurch die direkte Verarbeitung ebenfalls zum Vorteil wird.

Gerade die Industrietauglichkeit, die Frenvi anstrebt, brachte ihnen den Preis ein. Denn dadurch schafft das Unternehmen die Möglichkeit, die Massen an wertvollen Reststoffen, die jährlich tonnenweise in der Getränke- und Lebensmittelindustrie anfallen, sinnvoll zu verwerten. Damit helfen sie den entsprechenden Firmen, ihr Abfallproblem zu lösen und dabei sogar noch etwas einzunehmen. Und sie verhelfen der Umwelt zu weniger Müll- und CO2-Belastung.

Ob essbare Löffel oder kompostierbare Produkte, die Ideen passen perfekt in die Zeit. Müllvermeidung liegt im Trend, ebenfalls das Thema „Upcycling“. Und somit stehen die Chancen gut, dass die Entwicklungen von Frenvi gefragt sein werden. Vor allem vor dem Hintergrund des EU-Einwegplastikverbots, das im Juli in Kraft getreten ist. Denn Alternativen zu Plastik sind gefragter denn je.

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