Handball
„Wir geben keine Spieler frei, die einen Vertrag haben“
Herr Schmiedt, hat Sie der Auftritt der Mannschaft im ersten Spiel der Aufstiegsrunde in Coburg überrascht?
Wir konnten zumindest nicht damit rechnen, denn die Vorbereitung vor dem Spiel war nicht optimal. Wir hatten von Tag zu Tag personelle Ausfälle wegen Krankheit. Als am Freitagabend und Samstagmorgen sich keine Besserung abzeichnete, musste ich zwangsläufig einige Spieler aus dem Pfalzliga-Kader mit nach Coburg nehmen. Wir hatten nicht die nötige Ruhe vor dem Spiel, aber zum Glück hatten wir eine längere Anreise, so dass wir auch viele Gespräche geführt haben. Die Jungs haben den Matchplan besonders in der ersten Hälfte klar verfolgt und es in der Summe unter diesen Gegebenheiten sehr gut gemacht.
Mit dem Sieg sind auch die Chancen auf den Ligaverbleib gestiegen.
Wir stehen noch am Anfang der Abstiegsrunde, aber jeder Spieltag ist wichtig und jedes Ergebnis wird sich in der Tabelle niederschlagen. Wir sind mit dem Sieg jetzt auch auf Tuchfühlung nach oben. Aber damit beschäftigen wir uns nicht. Viel wichtiger ist aktuell, dass die Mannschaft auf die Aufgabe fokussiert ist. Sie hat derzeit viel Spielfreude. Mit den zwei Punkten hat sie sehr viel Selbstvertrauen gewonnen. Man spürt den Glauben, dass wir das Ziel, den Klassenverbleib, schaffen können.
Man hat das Gefühl, dass Sie nach den beiden Trainerentlassungen als Psychologe gefordert sind.
Ja, ich habe gleich, nachdem man mich gebeten hat, als Cheftrainer tätig zu sein, sehr viele Gespräche mit den Jungs geführt. Ich habe ihnen gesagt, was ich von jedem erwarte und wie mein Weg aus der Erfolglosigkeit sein wird. Ich muss den Jungs nicht erklären, wie man Handball spielt. In solchen Situationen muss es ein Paket von harter Arbeit im Training und Mentalität sein. Mir ist es wichtig, dass die Jungs uneingeschränkt die Vorgaben umsetzen und diese nicht hinterfragen. Sie sollen daran glauben, das Positive muss im Vordergrund stehen, sie sollen nicht zweifeln. Wenn die Jungs von montags bis sonntags auch bei kritischen Worten eine positive Einstellung bewahren, dann werden sie auch für das, was sie tun, auch belohnt.
Hat es Sie überrascht, dass die Geschäftsführung nach den beiden Trainerentlassungen von Björn Friedrich und Mathias Polifka Sie zum Cheftrainer befördert hat?
Sicherlich. Damit konnte ich nicht rechnen. Ich habe aber gemerkt, dass sowohl die Geschäftsführung als auch der Sportliche Leiter uneingeschränkt hinter mir stehen und von meiner Arbeit mit den Jungs überzeugt sind. Ich bin stolz, dass man mir das Vertrauen gegeben hat.
Hatten Sie zuvor nicht die Möglichkeit, sich stärker einzubinden?
Nach all den Jahren im Handball waren die letzten Monate mit Björn Friedrich und Mathias Polifka meine erste Co-Trainer-Stelle. Ich habe diese Aufgabe gerne übernommen, um aus einem anderen Blickwinkel etwas zu lernen. Ich habe auch die Hierarchie im Trainerteam akzeptiert. Meine Meinung war gefragt, ich hatte auch Dinge angesprochen, die mir aufgefallen sind, aber letztendlich hatte der jeweilige Cheftrainer das letzte Wort und das ist zu akzeptieren. Es war für mich eine wichtige Phase, um als Trainer weiter zu lernen.
Herr Buschsieper, nach der Trennung von Mathias Polifka, haben Sie Gabriel Schmiedt Zwei-Jahresvertrag als Cheftrainer vorgelegt. Warum?
Aus meiner Sicht gibt es in der Konstellation, wie im HLZ, keinen besseren Trainer als Gabriel. Er ist seit Jahren Jugendtrainer bei der TSG Friesenheim gewesen. Er kennt jeden Spieler, der jetzt in der Pfalzliga spielt, da er diese als Jugendliche betreut hatte. Er hat bei uns gezeigt, dass er mit jungen Spielern umgehen kann. Er ist einer, der den Dialog zu Ceven Klatt bei den Eulen sucht, aber auch noch regelmäßig im Training der Pfalzliga zuschaut. Mit ihm haben wir die Durchlässigkeit nach oben, aber auch nach unten.
Ist es zutreffend, dass Sie ihr Amt als Sportlicher Leiter mit der Person Gabriel Schmiedt verknüpft haben?
Ja, das ist so. Wäre Gabriel gegangen, dann wäre ich nicht mehr da. Jetzt gehen wir die nächsten zwei Jahre den gemeinsamen Weg. Wir haben in der Vergangenheit auch Fehler gemacht, aber wir brauchen jetzt die Kontinuität, um als HLZ weiterzukommen.
Wie ist aktuell die Kaderplanung für die nächste Spielzeit?
Zunächst möchte ich betonen, dass wir von unserer Linie nicht abweichen werden. Spieler, die noch Verträge besitzen, werden wir auch nicht freigeben. Vier Spieler aus dem Pfalzliga-Kader, Mihailo Illic, Malte Dorra, Nick Haas und Marcel Reis, erhalten Verträge im Drittliga-Team. Als Neuzugänge können wir Tim Schaller von der HG Oftersheim/Schwetzingen und Simon Schwarz vom TSV Birkenau bekanntgeben. Mit zwei weiteren Spielern sind wir in Gesprächen.
Es soll Akteure geben, die sich trotz laufenden Vertrags bei anderen Vereinen angeboten haben.
Das ist in der Tat geschehen, aber wir haben das Gespräch mit denjenigen Personen gesucht und unsere Position klar begründet.
Herr Schmiedt, in der Konzeption des HLZ ist auch von einer Kooperation mit den Eulen Ludwigshafen die Rede. Wie verläuft das aktuell?
Eulen-Trainer Ceven Klatt und ich stehen in ständigem Kontakt, da wir uns bezüglich der Einsätze von Marc Robin Eisel abstimmen. Wir sprechen auch über andere Spieler, die wir gezielt im Auge behalten, um sie über die Dritte Liga hinaus zu fördern. Die Akteure wissen, dass sie über einen längeren Zeitraum konstant gute Leistungen abrufen müssen, um den nächsten Schritt machen zu können.
Warum die HSG Friesenheim-Hochdorf am Sonntag spielt
Zur Sache: Mit der Spielverlegung hofft Trainer Gabriel Schmiedt auf Verstärkungen von Zweitligist Eulen Ludwigshafen
Die Karten sind neu gemischt. Mit breiter Brust empfängt die HSG Friesenheim-Hochdorf in der Abstiegsrunde der Dritten Handball-Liga den TSV Neuhausen/Filder 1898 (Sonntag, 18 Uhr, TVH-Sportzentrum). Mit sechs Treffern gehörte Yannick Muth beim HSC Coburg II zu den erfolgreichsten Torschützen der HSG. Nur Manel Cirac traf häufiger und Eulen-Leihgabe Marc-Robin Eisel war ebenfalls sechs Mal erfolgreich. „Ja, es lief ganz gut“, sagt der 23 Jahre alte Ludwigshafener. Zumal er auf der ungewohnten Linksaußenposition auflaufen musste. „Aber es blieb ja auch gar keine Alternative“, verwies Muth auf die stark ersatzgeschwächte Aufstellung in Franken. „Mir haben acht Spieler gefehlt“, haderte Trainer Gabriel Schmiedt. Umso wertvoller waren deshalb die Punkte.
Die sollen gegen Neuhausen veredelt werden, denn Schlüssel zu einer erfolgreichen Abstiegsrunde sind sicherlich die Heimspiele. Nach und nach kehren die angeschlagenen und erkrankten Spieler wieder ins Training zurück. „Ich glaube nicht, dass ich wieder Linksaußen spielen werde“, sagt Muth. Er weiß um die Bedeutung der Begegnung. „Das wird ein ganz anderes Spiel als in Coburg“, glaubt Muth. Die Schwaben sind für ihr enormes Tempo bekannt, stellen eine stabile und auch aggressive 5-1-Abwehrformation, sind im Angriff variabel und streuen immer wieder versteckte Schlagwürfe aus dem Rückraum ein. Kurzgefasst: „Das wird eine richtig schwere Aufgabe.“ Umso wichtiger war der Sieg in Coburg. „Dadurch konnten wir Selbstvertrauen tanken“, betont Muth.
Trainer Schmiedt erklärt den ungewohnten Spieltermin. „Die Eulen spielen am Samstag. So haben wir am Sonntag noch ein paar Variationsmöglichkeiten mehr“, sagt er. So hofft Schmiedt beispielsweise auf Marc-Robin Eisel, der im Kampf um den Klassenverbleib zu einem wichtigen Faktor werden könne. Und wenn dann noch der ein oder andere Spieler über sich hinauswächst, wie gegen Coburg eben Yannick Muth, dann können die wichtigen Punkte im TVH-Sportzentrum gehalten werden.