Wasserball RHEINPFALZ Plus Artikel Wie ein verzogener Rahmen eines Unfallwagens

Ludwigshafens Torwart Benoit Guérand und Joost Chrisstoffels (links) waren am Wochenende Aktivposten beim WSV.
Ludwigshafens Torwart Benoit Guérand und Joost Chrisstoffels (links) waren am Wochenende Aktivposten beim WSV.

Ein Sieg, eine Niederlage und die Stimmung eher Unentschieden – so richtig konnte der WSV Ludwigshafen das Wochenende nicht einordnen. Dem Pokalaus gegen den SV Cannstatt am Freitagabend folgte der Sieg in der Zweiten Bundesliga im Lokalderby am Samstag gegen die SG Leimen/Mannheim. Damit bleibt Ludwigshafen Tabellenführer Cannstatt auf den Fersen.

„Das wird ein „Reserve-Spiel“, hatte WSV-Trainer Pierre Hilbich vor dem Derby gegen die SG Leimen/Mannheim prognostiziert. Und er behielt Recht. Zumal die Gastgeber im letzten Zweitliga-Heimspiel der Saison nicht nur das kräftezehrende Pokalspiel gegen Cannstatt vom Tag zuvor in den Knochen, sondern auch noch die Enttäuschung einer unglücklichen Niederlage nach einem sehr engen Spiel im Kopf hatten. Mit einer 7:6-Führung waren die Gastgeber in den Schlussabschnitt gegangen. In diesem vernagelte der ehemalige Weltklasse-Torhüter Predrag Spasojevic seinen Kasten, zeigte, dass er auch mit 47 Jahren noch lange nicht zum alten Eisen gehört.

Aber es lag nicht allein an ihm, dass die Gäste das Spiel mit drei Treffern drehten und am Ende mit 9:7 siegten und ins Halbfinale des Süddeutschen Wasserballpokals einzogen. „Wir haben unsere Systeme nicht mehr konsequent zu Ende gespielt“, haderte Hilbich. Da nutzte es auch nichts, dass die Gastgeber drei Viertel lang eine erstligareife Vorführung gezeigt hatten. Martin Görge mit drei Treffern, alle per Strafwurf, und Jonas Pohle sowie David Greine hatten zu Beginn des zweiten Viertels für eine 5:1-Führung gesorgt. Die hatte sich der WSV nicht nur durch eine bärenstarke Abwehrarbeit, sondern auch mit einem starken Torhüter Benoit Guérand verdient – allein, sie genügte nicht.

Cannstatt schlug mit Routine und Macht zurück. Nach dem Seitenwechsel traf Johannes Schmitz zum 6:4 (20.), aber auch dies war nicht entscheidend. Drei Minuten später hatten die Gäste ausgeglichen, ließen sich nicht mehr stoppen, obwohl Andreas Sommer kurz vor der letzten Viertelsirene die letzte WSV-Führung erzielte. Ein paar Fehlentscheidungen und ein paar leichte Fehler zu viel und die ein oder andere Torhüterparade bei den Gästen – damit war der Einzug in den Deutschen Wasserballpokal, dem ersten seit 2016, verpasst.

Zum Sieg im Lokalderby gekrampft

Eine schwere Bürde, an der die Ludwigshafener am Samstag noch spürbar zu knabbern hatten. Sie schafften es einfach nicht, sich früh von der SG Leimen/Mannheim zu lösen. Erst im Schlussabschnitt krampften sich die Gastgeber zum Sieg. „Irgendwie waren unsere Schützen heute so verzogen wie der Rahmen eines Autos nach einem Unfall“, zog Hilbich einen ungewöhnlichen Vergleich. Hinzu kam ein gut aufgelegter Gästetorwart. So stand es trotz einer gefühlten drückenden Überlegenheit nur 3:3-Unentschieden zur Halbzeit. Etwas besser wurde es nach der Pause.

„Letztlich haben wir es über die Kondition gewonnen“, bilanzierte Hilbich, der gezielt nur noch seine stärksten Schwimmer ins Wasser brachte, die Spielgemeinschaft mit Tempo zermürbte. Joost Christoffels war hier zu nennen, aber auch Marcel Beck. Innerhalb von 105 Sekunden machten Benjamin Hettich (2) und David Greine aus einem knappen 9:7 bis drei Minuten vor Schluss ein komfortables 11:7. „Hauptsache gewonnen“, lautete der Tenor im Ludwigshafener Hallenbad.

Trainer Hilbich blickte hingegen schon voraus: „Aktuell passen bei uns gerade nicht alle Rädchen.“ Genau in dieser Situation steht am Samstag das schwere Auswärtsspiel beim Tabellendritten SGS München auf dem Programm, der um seine letzte Chance im Aufstiegsrennen kämpfen wird. „Spielerisch sitzen wir im Moment nicht so richtig im Sattel, aber wir werden alle Spiele auswärts ernst nehmen“, kündigte er an.

Immerhin kann der WSV Selbstvertrauen daraus ziehen, als einzige Mannschaft der Liga noch ungeschlagen zu sein – daran ändert auch die Pokalniederlage nichts.

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