Ludwigshafen
Warum im Regionalplan ein Gewerbegebiet bei Ruchheim auftaucht, das keiner will
Die Planungsgemeinschaft der Kommunen in der Metropolregion hat sich in ihrem neuen Regionalplan über alle Einwände aus Ludwigshafen hinweggesetzt. Es gibt dazu einen Stadtratsbeschluss, dass es auf der Fläche „Nördlich A 650“ bei Ruchheim auch weiterhin nur Landwirtschaft geben soll. Eine Ansiedlung von Gewerbe- und Logistikbetrieben soll dort nicht stattfinden.
Bei der jüngsten Stadtratssitzung hakte der Ruchheimer Ortsvorsteher Dennis Schmidt (CDU) nach, warum in den seit Dezember offenliegenden Plänen weiterhin die Fläche bei Ruchheim als „Vorranggebiet“ für Gewerbe ausgewiesen wird und wie rechtlich bindend dies sei. Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (parteilos) versicherte: „In Ludwigshafen will dort niemand ein Gewerbegebiet. Ich habe für Ruchheim gekämpft, aber es gab kein Einsehen beim Regionalverband. Wir können als Kommune dort nur angehört werden, aber nicht abstimmen.“ Daher sei es nicht gelungen, die Fläche aus dem Regionalplan herauszubekommen. „Der Regionalplan ist das eine, das andere ist, was der Ludwigshafener Stadtrat will“, betonte die OB. „Ich gehe davon aus, dass das Gebiet unangetastet bleibt – solange sich der Wille des Stadtrats nicht ändert“, sagte Steinruck.
Initiative sieht Affront gegen Stadt
Eine politische Mehrheit, um aus dem Ackerland ein Gewerbegebiet zu machen, ist nicht in Sicht. Seit Jahren setzt sich die Bürgerinitiative (BI) „Lebenswertes Ruchheim“ für den Erhalt des Ackerlands für landwirtschaftliche Bewirtschaftung und als Frischluftentstehungsgebiet im Ruchheimer Norden ein. Die Planung des Verbands sei ein Affront gegen die Stadt Ludwigshafen und die Bürger Ruchheims, deren Wille ignoriert werde. Die gravierenden Auswirkungen der Flächenversiegelung, die Interessen der Landwirtschaft, das Verkehrsaufkommen und die Lebensqualität in Ruchheim spielten offensichtlich keine Rolle für den Verband, kritisierte die BI. Für diese Position gab und gibt es auch parteiübergreifend Unterstützung. Die steht immer noch: Keine Partei will ein Gewerbegebiet auf den Ackerflächen. Ruchheims Ortsvorsteher Schmitt bekräftigte die Ablehnung einmal mehr bei der jüngsten Stadtratssitzung Ende Februar.
Warum gibt es dann den Eintrag in der Regionalplanung? Der Verband Region Rhein-Neckar – ein Gremium der Kommunen in der Region – legt darin für die gesamte Metropolregion fest, welche Flächen fürs Wohnen und welche für Gewerbegebiete verplant werden können. Der Verband ist im Gegensatz zur Kommune Ludwigshafen der Auffassung, dass die 42 Hektar große Fläche, die ans bestehende Ruchheimer Gewerbegebiet „Am Herrschaftsweiher“ und ans Frankenthaler Gewerbegebiet „Am Römig“ grenzt, in Zukunft ein Vorranggebiet für Industrie und Logistik sein könnte. Grund: Ludwigshafen verfüge ansonsten über keine Gewerbeflächen mehr, habe aber sehr wohl den entsprechenden Bedarf. Außerdem sieht der Verband in der Fläche eine Ergänzung zum angrenzenden Gewerbegebiet „Im Römig“ auf Frankenthaler Gemarkung, wo sich unter anderem das Amazon-Logistiklager befindet.