Ludwigshafen Von Seifensiedern und Automobilfabriken

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„Handel, Dienstleistungen und Gewerbe in Friesenheim – von 1890 bis heute“ heißt die diesjährige Sonderausstellung des Museumsvereins Friesenheim. Traditionell wartet der Verein zur Kerwe mit einer Ausstellung auf – zu keinem anderen Zeitpunkt sind so viele Menschen auf dem Otto-Buckel-Platz unterwegs, die den Weg ins Heimatmuseum finden könnten.

Außer einer kleinen Datenbank des Museums durchforstete der Verein Ludwigshafener Adressbücher. „Die Auswertung dauerte länger als gedacht“, berichtet Vorsitzender Günther Lambert. 3800 Geschäftsadressen wurden so zusammengetragen. Neben der Darstellung von Altbekanntem, wie etwa der BASF und des Brunnenbaugeschäfts Brechtel, haben die Heimatforscher auch Exoten ausgegraben. So etwa den Musikverlag Blatz & Brunner, der in den Nachkriegsjahren Handharmonikanoten vertrieb, einen Betrieb zur Silbergewinnung oder die Rheinische Automobilfabrik Hennhöfer & Co. In Gruppen aufgeteilt lassen sich interessante Vergleiche anstellen. So hat der Verein ermittelt, dass es im Jahre 1900 zwei Ärzte, eine Bader und einen Zahntechniker im Stadtteil gab. 2000 waren es 23 Arztpraxen und rund 50 medizinische Dienstleister wie etwa Hebammen, Krankengymnastik- und Naturheilpraxen. Haben sich hier die Anbieter vervielfacht, sind andere Berufe wie Stuhlflechter, Seifensieder oder Kohlehändler ausgestorben. Fotografien, Zeitungsausschnitte und Gebrauchsgegenstände dokumentieren die Vielfalt von längst Vergessenem. Unter der Kategorie Apotheken und Drogerien ermittelten die Forscher die erste Apotheke um 1900 in der Luitpoldstraße. 1977 gab es fünf an der Zahl, heute sind es noch drei im Stadtteil. Hoffnungen setzen die Ausstellungsmacher auf die Erinnerungen der Bürger. Namen von Geschäftsinhabern, Ergänzungen der Daten und hoffentlich viele Anekdoten würden die Erkenntnisse bereichern und die Aussagekraft der Ausstellung erhöhen. So erinnert sich Lambert selbst gerne an die Drogerie Schneider am Ruthenplatz. Als Kind hat er dort beobachtet, wie nach Sylvester das übrig gebliebene Feuerwerk abgebrannt wurde. Info Die Ausstellung ist an allen Kerwetagen von 14-18 Uhr im Ausstellungsraum des Friesenheimer Museums zu sehen. Der Eintritt ist frei. |enk

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