Sportler im Blick RHEINPFALZ Plus Artikel Tim Bender, der etwas andere Eishockey-Profi

 Tim Bender (links), hier noch im Trikot der Nürnberg Ice Tigers, stoppt unsanft Matthias Plachta von den Adlern Mannheim.
Tim Bender (links), hier noch im Trikot der Nürnberg Ice Tigers, stoppt unsanft Matthias Plachta von den Adlern Mannheim.

Der 27-jährige gebürtige Mannheimer Tim Bender ist Eishockey-Profi bei den Iserlohn Roosters in der DEL. Eins ist er mit Sicherheit nicht: ein normaler Profi. Der Verteidiger ist extrovertiert, berichtet gerne aus seinem Leben und von dem, was hinter den Kulissen im Eishockey passiert. Auch deswegen genießt er mittlerweile Kult-Status in der Eishockeywelt.

Es dürfte kein Wunder sein, dass sich Tim Bender zum Gespräch mit der RHEINPFALZ im Café „Kult“ in Mannheim traf. Es war der passende Ort für ein Gespräch, welches mit einem herzhaften Lacher Benders beginnen sollte – wie auch sonst? Gelacht hatte er wegen der Nachfrage ob seines „neuen“ Namens. Denn eigentlich heißt er seit seinem 27. Geburtstag im März nicht mehr nur Tim Bender, sondern „Tim Bender Graf von Falkenstein“.

Den Adelstitel habe er von einem Freund gekauft und zum Geburtstag geschenkt bekommen, berichtet er. Zu gerne würde der Profi, der mit einer Ludwigshafenerin verheiratet ist, seinen Adelstitel als Namen auf dem Rücken seines Trikots tragen. Ob das klappt? Fraglich. Für Bender ist es wahrscheinlich nebensächlich, so lange er seiner Leidenschaft nachgehen kann.

Profi schon früh als Wunsch

Schon früh war für den Verteidiger klar, dass er Eishockey-Profi werden würde. Natürlich hatte auch dieser Wunsch eine lustig und zugleich tragische Geschichte, die vorausging. Im Kindergarten war Bender häufig mit dem Zeichnen von Trikots beschäftigt, bevorzugt dem schwarz-weißen Jersey der Pittsburgh Penguins aus der NHL. Den Erzieherinnen seines Kindergartens war die Farbwahl – nur schwarz und weiß – suspekt, sodass sie ihn zu einer psychischen Behandlung schickten. Scheinbar scheiterten die Versuche Benders zu erklären, dass es sich lediglich um Trikots handelte – und so musste er der Behandlung beiwohnen. Am Ende einer jeden Therapiestunde mussten er und andere Kinder dann Seifenblasen auspusten und durften sich etwas wünschen. Benders Wunsch war klar: Eishockey Profi. Einige Jahre später ging der Wunsch von Bender in Erfüllung – wenn auch nicht komplett.

Denn seinen anderen Traum, einmal für die Adler Mannheim in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) aufzulaufen, konnte der Verteidiger bisher nicht ausleben. Dafür erinnert er sich noch an seine Zeiten als Fan: „Ich war als 13-Jähriger im Friedrichspark. Devin Edgerton war damals mein Lieblingsspieler. Das waren wirklich Götter für mich“, berichtet Bender.

Heute sei er kein „Über-Fan“ mehr, aber das Interesse an den Adlern Mannheim sei noch immer vorhanden. Zumindest vier Mal im Jahr darf er mittlerweile gegen seine ehemaligen „Helden“ aufs Eis. Dann nämlich, wenn die Adler gegen die Roosters aus Iserlohn antreten. Doch der Weg zum Stammverteidiger in der besten deutschen Liga war lang für ihn.

Erste Schritte bei Mad Dogs

Angefangen hatte er bei den Mad Dogs in Mannheim. Mit sechs Jahren stand er das erste Mal auf dem Eis. Zuvor schaute er seinem Vater zu, der bei den Pink Panthers, einer Hobbymannschaft, aktiv war. „Das war eine Prügelmannschaft. Meine Mutter hat es mir irgendwann verboten mitzugehen“, amüsiert sich Bender, der die Mad Dogs nach kurzer Zeit verließ, um sich dem MERC, beziehungsweise den Jungadlern anzuschließen.

Mit 18 folgte dann der Wechsel zum EHC München. In der bayerischen Hauptstadt machte Bender elf Spiele, ehe er sich in die kanadische Juniorenliga Ontario Hockey League (OHL) verabschiedete. Dort verbrachte der Verteidiger eine Saison. „Das musste ich mitnehmen“, sagt er rückblickend und erinnert sich: Nach der Landung in Kanada, hielt ein Kamerateam seine Ankunft fest. „Ich sah aus wie ein Penner nach den neun Stunden Flug“, erinnert er sich.

Besser wurde es für Bender, dessen Name im Englischen häufig als Beleidigung verwendet wird, nicht. Gleich sein erstes Training sei ein Straftraining gewesen, berichtet der Verteidiger. Diese Dinge gerieten dann jedoch schnell in Vergessenheit, schließlich spielte Bender in einer Eishockey-verrückten Stadt vor 10.000 Zuschauern. „Das war eine geile Zeit“, sagt Bender, der während seines Kanadaaufenthaltes bei einer Gastfamilie wohnte.

Erstes Tor im 104. Spiel

Nach nur einer Spielzeit ging es für den Abwehrmann zurück nach Deutschland, genauer gesagt nach München. Doch mit dem Toreschießen haperte es beim Mannheimer. Erst in seinem 104. Spiel in der höchsten deutschen Spielklasse gelang Bender sein erster Treffer. „Das war eine geisteskranke Durststrecke“, sagt Bender. Und, wie sollte es anders sein: Natürlich war es kein normales Tor, welches der Abwehrmann schoss. „In Unterzahl schoss ich einem Wolfsburger ans Bein und von da aus ging die Scheibe über die Linie“, erinnert er sich. Von da an lief es für den Zwei-Wege-Verteidiger. 22 Tore folgten. Geändert an seinem Spielstil habe er nichts, versichert er.

Und genau damit möchte Bender, der nach Aufenthalten in Schwenningen und Nürnberg nun in Iserlohn verteidigt, weitermachen. „Ich möchte mich weiterentwickeln, eine verantwortungsvolle Rolle haben“, macht Bender klar, der in dieser Saison bislang auf drei Treffer und neun Assists kommt. Auf was sich die Fans weiter einstellen können, sind sicher einige wilde Geschichten und vielleicht ein Spieler, dessen Namenszug nicht auf die Trikot-Rückseite passt.

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