Ludwigshafen
Streit um Kitabau am Stadion: Grüne und SPD überstimmen CDU
Stadtweit fehlen fast 2000 Kitaplätze, 380 sind es im Stadtteil Süd. Daher hatte Grünen-Fraktionschef Jens Brückner bereits in der letzten Sitzung die Südwestwiese am Stadion, Ecke Von-Weber-/Saarlandstraße, als Kita-Standort ins Spiel gebracht – und war mit 4:10 Stimmen gescheitert. Auch die SPD war am 13. Mai dagegen. Im Nachgang kündigte Brückner einen weiteren Antrag an: für ein 2000 bis 3000 Quadratmeter großes Areal in der Erich-Reimann-Straße. Die Verwaltung werde den Vorschlag prüfen, teilte Schuldezernentin Cornelia Reifenberg (CDU) der RHEINPFALZ bereits im Vorfeld auf Anfrage mit.
„Der falsche Standort“
Heller warf Brückner und den Grünen am Mittwoch vor, mit dem Folgeantrag die nächste „Wildsau durchs Dorf“ zu treiben. „Ist das euer Ernst? Lasst das Stadion, den Sportpark und die Parkflächen in Ruhe. Ich bin ein gutes Stück weit entnervt.“ Das Stadion und das Areal ringsum werde von 30.000 Leuten, Fußballern, Leichtathleten sowie für den Schulsport genutzt. 200 bis 300 Freizeitsportler täglich bevölkerten den Sportpark, verwies Heller auf Zahlen der Verwaltung. Der Stadtteil habe zwar einen großen Bedarf an Kitaplätzen, das Stadiongelände sei aber der falsche Standort. Heller hält eine neue Kita an der Brüder-Grimm-Schule (Hornstraße) für sinnvoller. Für Großveranstaltung en seien weiterhin Parkplätze direkt am Stadion nötig. „Wir sehen das Ganze als Einheit“, unterstützte ihn Karl-Heinz Hecker (CDU).
„Wichtiger als ein paar Jogger“
„Dass die Stadt unseren Vorschlag prüfen will, finde ich sehr gut“, sagte Grünen-Sprecher Brückner. „Wir werden in sechs Monaten nachfragen, was daraus wird – oder früher auf dem kleinen Dienstweg.“ Eltern und Kinder hätten einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz. „Ich weiß nicht, wer das Stadion aufgeben will, die Grünen nicht“, meinte er an Heller gerichtet. „Wer uns das in den Mund legen oder andichten will, ist auf dem falschen Weg.“
Es gehe hier lediglich um viermal 16 Stellplätze. Mit elf Metern sei die Erich-Reimann-Straße breit genug für Stellflächen. Wegen ein paar Parkplätzen weniger werde die Existenz des Stadions nicht in Frage gestellt, pflichtete Armin Winkler Fraktionskollege Brückner bei. „Einen Tod muss man sterben. Lasst uns das mal prüfen“, meinte Raik Dreher (Grüne). „Kitas sind wichtiger als ein paar Jogger, die dorthin mit dem Auto fahren und parken.“
Bekenntnis zum Stadion
Für die SPD stehe das Stadion weiterhin nicht zur Disposition, betonte Lorena Schmitt. Doch es spreche nichts gegen die Prüfung eines Kitabaus auf Parkflächen. SPD-Kollege Björn König regte den Jakob-Lavalé-Platz am Ostausgang des Hauptbahnhofs als Kita-Standort an.
Oberbürgermeisterin und Sportdezernentin Jutta Steinruck (SPD) hatte schon Tage vor der Sitzung erklärt, dass das Ende 1950 eröffnete Stadion nicht zur Diskussion steht – auch wenn es die Stadt jährlich 600.000 Euro an Unterhalt kostet. Eine Sanierung wäre viel zu teuer, weil Kriegsaltlasten im Untergrund entsorgt werden müssten. Von Heller wurde die OB dafür kritisiert, weil sie sich geäußert habe, noch bevor der Ortsbeirat sich mit dem CDU-Antrag „Bekenntnis zum Südwest-Stadion“ befassen konnte. Die OB ärgerte sich ihrerseits, weil die CDU wiederholt etwas einfordere, was sie nie in Abrede gestellt habe.
Besagter CDU-Antrag wurde am Mittwoch mit 11:4 Stimmen gebilligt. Die Grünen votierten geschlossen dagegen, weil der Antrag im Widerspruch zu dem vorherigen Beschluss stehe. Das sah der Rest des Ortsbeirats anders, da der Antrag grundsätzlichen Charakter habe und er lediglich „ausreichend Parkplätze“ am Stadion beinhalte.
Tennisplätze als Alternative?
Die südlicher in der Erich-Reimann-Straße gelegenen Giulini-Tennisplätze brachte Andreas Werling (FDP) als Kita-Standort ins Spiel, falls diese nicht bereits auf Mundenheimer Gemarkung liegen. Hier handele es sich um Firmengelände, gaben die Grünen zu bedenken, die – falls alle Stricke reißen – schon das nächste Grundstück in Stadteigentum für eine neue Kita im Auge haben: in der Böcklinstraße.
Einwurf: Standort-Lotterie
Wer hat noch einen zu bieten? Die Sitzung am Mittwoch hatte etwas von einer Standort-Lotterie. Wäre das Thema nicht zu ernst, man könnte sich darüber köstlich amüsieren. Für die einen ist eine Kita am Stadion tabu, für die anderen nicht perfekt, aber durchaus vertretbar – weil was getan werden muss. Fehlen doch 350 Kita- und 30 Krippenplätze in Süd. Und wegen den paar Parkplätzen weniger muss man sich nicht grämen. Man kann schließlich auch mit dem Rad hinfahren. Oder wie wär’s mit Tennisplätzen um die Ecke, die gerade nicht so stark gefragt sind? Liegen die überhaupt im Stadtteil? Sie gehören einer Firma – aber egal. Und am Hauptbahnhof wäre vielleicht auch noch ein schnuckeliges Plätzchen frei. Professionell ist anders.