Ludwigshafen Starke Soli und glaubhaftes Spiel

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Die Musicalgroup Böhl-Iggelheim hat am vergangenen Samstag in der TSV Halle einen Querschnitt durch unterschiedliche Musicals präsentiert. Zum ersten Mal sangen die Sänger nicht zum Halbplayback, sondern wurden live von einem eigens zusammengesetzten Orchester begleitet.

Böhl-Iggelheim. Die Ouvertüre hat der musikalische Leiter Timo Degen selbst geschrieben. Mal temporeich, mal anmutig, mal mit den Klängen eines Windspiels, ist die Eröffnung ein Vorgeschmack auf die nachfolgende bunte Mischung an Musicalstücken. Das darauffolgende „Nine to five“, ein Stück aus einem Musical über mordlustige Sekretärinnen, die die Machenschaften ihres Chefs satt haben, wird schnell zum Publikumsliebling. Es ist schwer zu glauben, dass die Sänger über keine professionelle Gesangsausbildung verfügen und auch die Instrumentalisten Laien sind. Auf den Auftritt haben sie lange hingearbeitet. Quer durch alle Genres führt der Abend. Lisa Bier, die das erste Solo des Abends vorträgt, singt aus Chicago „All that Jazz“, was sie passend zum Stück gekonnt mit einigen erotischen Bewegungen darbietet. „Dass es hier oben so heiß wurde, liegt nicht nur an den Scheinwerfern“, stellt Sänger Christian Heyden, der den Abend auch moderiert, fest. Doch im Musical wird nicht nur geflirtet, sondern auch mal herzhaft gestritten. „Take me or leave me“ aus „Rent“ ist ein Stück, in dem ein zankendes Paar singt. Die Musicalgroup zeigt eine moderne Version zweier streitender Frauen mit Natascha Knopf und Daniela Cisar. Der Mangel an Männern macht auch bei Tarzan die Besetzung schwierig. „Die Jane verliebt sich in diesen gutaussehenden jungen Mann mit Sixpack“, sagt Christian Heyden und sieht an sich herab: „Den haben wir aber nicht da.“ So schmachtet Katrin Weinmann einfach Daniela Cisar an. Stimmgewaltige Frauen gibt es auf der Bühne genug. Djanette Kabouche singt eine Rolle, die ihr auf den Leib geschrieben scheint. Mit „Divas Lament“ aus Monty Pytons „Spamalot“ beschwert sie sich darüber, zu wenige Gesangsanteile auf der Bühne zu haben. Nicht nur stimmlich, sondern auch durch ihr Schauspiel verkörpert sie die Diva sehr glaubwürdig. Einige bekannte Stücke wie „Totale Finsternis“, „Slipping through my fingers“ oder „Cabaret“, aber auch weniger bekannte, die eigens für die Musicalaufführungen von Filmklassikern oder Büchern geschrieben wurden, werden präsentiert. So etwa aus dem Musical „Die Schöne und das Biest“ die Klage des Biests, ein Solo von Heyden, oder auch „Home“, das Solo der Schönen, gesungen von Miriam Hoffmann. Etwas unbekannter ist „The spark of creation“ aus „Children of Eden“, ein Solo von Petra Stolle-Bartsch. Zum Abschied werden die einzelnen Solisten mit ihren Melodien verabschiedet. Bei den Dankesworten kommt Sharon Eimer kaum zu Wort, so laut und begeistert wird geklatscht. Die Zugabe „Seasons of love“ ist schon eigeplant. Doch auch danach gibt der Saal keine Ruhe. So wird sich spontan noch einmal für „Nine to five“ entschieden. Danach steht auch das Orchester auf. Wer im Saal noch immer nicht steht, verlässt spätestens jetzt seinen Platz. Jubelnd und klatschend bedankt sich das Publikum für diesen großartigen musikalischen Abend. |mja