Ludwigshafen
Ruchheim: Pferdezentrum investiert in Tierwohl
Zunehmende Atemwegsprobleme und Lungenerkrankungen sind ein Thema nicht nur beim Menschen, sondern auch beim Tier, insbesondere beim Pferd. Veterinäre schätzen, dass bis zu 60 Prozent der Vierbeiner in Boxenhaltung an Pferdeasthma, also einer chronischen Bronchitis, leiden. Auf dem Leuchtfeuerhof am östlichen Ortsrand von Ruchheim werden sie zwar in offenen Ställen gehalten und bleiben so mehr in Bewegung. Damit allein geben sich die Betreiber aber nicht zufrieden. Sie haben für eine Menge Geld eine automatische Heuentstaubungsanlage in Betrieb genommen. Deren Kosten werden sich rechnen, ist sich Frank Orth sicher.
Traditionell ist das an der Sonne getrocknete Gras zusammengerecht und zu stapelbaren und damit platzsparenden Ballen gepresst worden. Beim Auflösen und Aufschütteln dieser Ballen staubt es ordentlich, denn zwischen den Halmen haben sich jede Menge Partikel abgelagert. „Die gewollte Biodiversität in den Mähweiden findet sich am Ende im Heu wieder“, weiß ein Praktiker wie Orth, der das Reitzentrum seit fast 20 Jahren betreibt. Mit anderen Worten: Es bewegt sich Einiges im Pferdefutter, Mikroorganismen und Hinterlassenschaften von Bodenbrütern etwa.
Weniger „Ballaststoffe“
Dieser Bakterien-Cocktail macht den Pferdelungen zu schaffen und kann teure Behandlungskosten auslösen. Grund genug für die Orths, in die neue Technologie zu investieren, die nach ihrem Wissensstand in der Region kein zweites Mal zu finden ist. Der Heuentstauber wickelt die gepressten Heuballen im Inneren des Gehäuses ab und lockert den Inhalt auf. Die mit Partikeln gesättigte Umgebungsluft wird abgesaugt und über eine Förderschnecke in einen Sack abgefüllt. Das nahezu steril durchgeblasene Futter enthält am Ende weniger „Ballaststoffe“ – die auch diejenigen nicht einatmen, die es klassisch mit der Heugabel aufgelockert haben.
Zur Ökobilanz soll ein Raupentransporter beitragen, der neuerdings auf dem Leuchtfeuerhof unterwegs ist und manche Transportfahrt mit dem Traktor überflüssig machen soll. Der Kipper kann per Fernsteuerung und Kamera bedient werden. Die eingesparte Arbeitszeit können die Mitarbeiterinnen in die Tierpflege investieren. Mit einem Aufsatz könnte die Raupe prinzipiell auch zum Unkrautjäten bugsiert werden, allerdings funktioniert die Steuerung über GPS-Satelliten nicht in schattigen Bereichen.
Ausgezeichnete Pferdewirtin
Der enge Kontakt zwischen Mensch und Pferd ist ein Charakteristikum eines Betriebs wie dem Leuchtfeuerhof. Vier junge Frauen werden dort derzeit zur Pferdewirtin ausgebildet. „Wir haben zwar immer wieder auch männliche Azubis, aber sie bilden die Ausnahme“, berichtet Orth. Eine Auszubildende, Livia Breitner aus Mannheim, hat die Prüfung gerade mit Auszeichnung bestanden, was eine besondere Qualifikation darstellt.
Ab März wird die junge Frau als Pferdewirtin auf dem Leuchtfeuerhof angestellt sein, als eine von dann insgesamt 17 Reitlehrern und Pferdewirten. Zufällig schaut sie in ihrer Freizeit während des RHEINPFALZ-Besuchs in Ruchheim vorbei. „Mir waren die Pferdeställe bei einer Fahrt auf der Autobahn zufällig aufgefallen“, berichtet Breitner vom ersten Kontakt vor drei Jahren. „Ich habe die Stelle gegoogelt und bin so auf den Leuchtfeuerhof gestoßen. Er ist das Beste, was mir passieren konnte“, sagt eine Pferdeliebhaberin, die sich mit diesem Prüfungsergebnis ihren künftigen Arbeitgeber aussuchen könnte. Ihre Entscheidung ist für Ruchheim gefallen. „Ich bin vom Pferdevirus befallen, und das will ich dort auskurieren“, meint die junge Mannheimerin.
Ebendieses Virus ist für Frank Orth die Erklärung dafür, dass ein Betrieb wie ein Pferdehof mit cleverem Engagement krisensicher bleibt. „Nach dem ersten Corona-Schock waren wir mit die Ersten, die wieder Freizeitaktivitäten ermöglichen konnten.“ Die Nachfrage nach Reitstunden habe mittlerweile wieder das Vor-Corona-Niveau erreicht. Das Erlebnis Pferd könne schließlich durch keine Online-Aktivität ersetzt werden.