Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Rammstein für Erwachsene: Die slowenische Band Laibach kommt in den Pfalzbau

Alles ist Inszenierung: Laibach-Sänger Milan Fras.
Alles ist Inszenierung: Laibach-Sänger Milan Fras.

Da kommt ein richtiges Brett auf Ludwigshafen zu: Am kommenden Mittwoch, 26. Oktober, gastiert die slowenische Band Laibach mit ihrem aktuellen Programm „Love is still alive“ bei den Festspielen im Pfalzbau. Wer glaubt, die deutschen Feuerrocker von Rammstein seien Provokateure, der hat Laibach noch nicht erlebt.

Schon der Name ist eine Provokation: Eine slowenische Band benennt sich nach dem deutschen Namen der Hauptstadt Ljubljana. Doch nicht nur das: Sie singt auch noch auf Deutsch. Lieder wie „Tanz mit Laibach“ oder „Ich möchte ein Deutscher sein“. Im Video dazu sind deutsche Wehrmachtssoldaten zu sehen, die ein ebenso wonniges wie properes Baby anhimmeln.

Sozialistische und faschistische Symbole

Gegründet wurde die Band 1980, sie ist Teil des interdisziplinären Kollektivs „Neue Slowenische Kunst“. Das ist Untergrund in Reinkultur, Subversivität in Perfektion. Zielscheibe ihrer provokanten Kunst war von Beginn an das kommunistische System in Jugoslawien, das sie quasi mit dessen eigenen Waffen schlugen: Sozialistische Symbole spielten bei Leibach schon immer eine ebenso große Rolle wie faschistische, vorzugsweise aus Nazi-Deutschland.

Das alles wirkt auch heute noch mit einer fast schon einschüchternden Ästhetik voller Pathos und Bombast. Harte, eingängige Marschrhythmen liegen unter den Songs, etwa wenn Laibach den Opus-Klassiker „Life is Life“ covered. Außerdem kommen Fanfaren und Trompeten zum Einsatz, die an Nürnberger Reichsparteitage denken lassen. Die Auftritte wirken überzeichnet, werden mit finsterer Miene präsentiert, weshalb man sich nicht vorstellen kann, dass hier nicht auch eine gehörige Portion Selbstironie im Spiel ist.

Klar, dass man Laibach ihre Inszenierungen ebenso zum Vorwurf gemacht hat wie ihre Konzertreise 2015 ausgerechnet in das Reich des wirklich Bösen in Nordkorea. An der Band prallt das alles ab: „Wir sind so sehr Faschisten, wie Hitler ein Maler war. Wenn es ein Gegenmittel gegen Neonazis gibt, dann ist es eben Laibach“, werden sie im Deutschlandfunk zitiert.

Man muss das nicht mögen, was Laibach machen, entziehen kann man sich dieser unheimlichen Maschinenmusik nicht, die gierig gleichsam ein Alles-Verschlinger ist, der unterschiedlichste Musikstile in sich aufnimmt. Laibach-Konzerte sind mitunter ein gigantisches, röhrendes Spektakel, ein Gesamtkunstwerk des Widerständigen, des Unangepassten.

Dabei ist Sänger Milan Fras das charakteristische Gesicht der Band, aber eben auch ihre bedrohliche, tiefschwarze Stimme. Er spricht und brüllt mitunter die häufig deutschen Texte mehr, als er sie singen würde. Die herausgebellten Sätze wirken wie eine bewusste Anspielung auf Hitlers Rhetorik und stellen die nächste Provokation dar.

Till Lindemann hat viel vom Laibach-Sänger gelernt

Es liegt auf der Hand, dass eine solche Band zum Vorbild für die ebenso erfolgreiche – und zwar weltweit erfolgreiche – deutsche Band Rammstein wurde. Rammsteins Musik geht zwar mehr in Richtung Metal, ist grundsätzlich auch abwechslungsreicher und zum Teil melodischer, aber die ganze Ästhetik von Laibach wirkt wie eine Blaupause für Rammstein. Und Rammstein-Sänger Till Lindemann hat sich von Milan Fras ganz genau abgeschaut, wie man so richtig böse klingen und aussehen kann. Der Kollege vom Deutschlandfunk allerdings hat in dem bereits erwähnten Beitrag so seine ganz eigene Meinung zu Laibach und Rammstein: „Rammstein ist Laibach für Kinder – und Laibach ist Rammstein für Erwachsene.“ Das trifft es ziemlich gut.

Konzert

Laibach kommen am Mittwoch, 26. Oktober, 20 Uhr, in den Pfalzbau Ludwigshafen. Karten: 0621/6042558

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